Ein riesiges Plakat des Nürnberger Oberbürgermeister-Kandidaten Nasser Ahmed sorgt für Aufregung
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"Mein N-Wort ist Nürnberg": Wirbel um OB-Kandidat Ahmed

"Mein N-Wort ist Nürnberg": Wirbel um OB-Kandidat Ahmed

Ein riesiges Plakat des Nürnberger Oberbürgermeister-Kandidaten Nasser Ahmed sorgt für Aufregung. Er spricht von einer "Reclaim-Aktion", die das N-Wort von seiner rassistischen Verwendung entkoppeln solle. Es gibt Zuspruch, aber auch viel Kritik.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Der Grund für die Aufregung ist kaum zu übersehen: ein Plakat am Nürnberger Karl-Bröger-Haus, 14 mal 10 Meter Fläche. Darauf lächelt der SPD-Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl am 8. März, Nasser Ahmed. Neben ihm steht folgender Slogan: "Mein N-Wort ist Nürnberg". Mit der Formulierung "N-Wort" wird eine früher übliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben.

Ahmed spricht von einer "Reclaim-Aktion"

Das Plakat hängt seit Freitag. In den "Nürnberger Nachrichten" (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt) werden die Hintergründe der Aktion erklärt. "Nie hat Ahmed das verhasste N-Wort so oft gehört wie in den Jahren als Politiker", heißt es im Artikel. "Es ist also nur konsequent, dass er den Ball der Rassisten aufnimmt und zurückschmettert."

Die zwei wichtigsten N-Wörter in seinem Leben hätten nichts mit Beleidigungen zu tun, sagt Ahmed, geboren in Nürnberg als Sohn eritreischer Einwanderer. "Das sind Namira, der Name meiner Tochter, und eben Nürnberg." Die Plakat-Aktion sei eine Art "Reclaim-Aktion". Es gehe darum, das Wort von seiner rassistischen Verwendung zu entkoppeln. Der Vorsitzende der Nürnberger SPD betont: "Für mich ist Nürnberg eine Stadt, in der nicht Herkunft, Aussehen oder Name zählen, sondern das, was Menschen leisten, beitragen und füreinander tun."

"Etwas so negatives positiv zu drehen..."

Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus. Bei Instagram loben einige die Aktion: "Etwas so negatives positiv zu drehen, ist wahre Größe", "Ich bin schwarz und finde es klasse", "Richtig gutes Plakat". Der frühere bayerische FDP-Landeschef Martin Hagen schreibt: "Nice!"

"Höchst problematisch": Viel Kritik an Ahmeds Plakat

Insgesamt überwiegt aber in den sozialen Netzwerken klar die Kritik. "Absolut geschmacklos", "Vorlage für Rassisten" und "Bruder, lösch das bitte" sind noch eher harmlose Kommentare. Gina Hitsch, Autorin des Buchs "Das Ding ist: Man kann auch anders über Rassismus sprechen", kritisiert Ahmed via Instagram: "Betroffene dürfen jetzt wieder mal kostenlose Aufklärungsarbeit leisten, weil du für dich alleine entschieden hast, dass du Wahlkampf machen möchtest, der schon polarisieren soll."

"Die Kampagne soll antirassistisch gemeint sein, doch die Wirkung ist höchst problematisch", urteilt der Aktivist Jireh Emanuel bei Instagram. "Denn das N-Wort ist kein Wortspiel. Es ist ein historisches Gewalt- und Entmenschlichungsinstrument gegen schwarze Menschen." Die Plakat-Aktion der SPD verharmlose und normalisiere das Wort. Es fehle Ahmed bei seiner "Provokation" an "Sensibilität und Austausch mit der betroffenen Community". Reclaiming sei ein kollektiver Prozess, keine Einzelaktion.

Ahmed: "Meine Identität wird durch meine Heimat definiert"

Bei Instagram reagierte Ahmed bereits am Wochenende auf die teils extrem scharfe Kritik mit einer Erklärung in eigener Sache: "Ja, ich bin ein Mensch mit Migrationshintergrund. Ja, ich bin schwarz. Und ja, ich weiß, was das N-Wort bedeutet – in seiner rassistischen Verwendung." Er lasse aber nicht zu, dass seine Identität durch Ausgrenzung definiert werde: "Meine Identität wird durch meine Heimat definiert: Nürnberg. Das ist mein N-Wort."

Auf BR24-Anfrage legt Ahmed jetzt nach. "Die Botschaft auf dem Plakat ist eigentlich: Ich stehe für ein Nürnberg der Chancen. Für eine Stadt, in der Menschen sich eine Wohnung leisten können, in der es gute Schulen für alle gibt. Für ein Nürnberg, in dem Menschen sich unabhängig von Geldbeutel, Herkunft und Hindernissen entfalten können." Auf die Online-Kritik geht er nur indirekt ein: "Die Reaktionen hier vor Ort, auch aus der Community hier in Nürnberg, zeigen mir, dass die allermeisten das auch genauso verstehen."

Stadt Nürnberg hat N-Wort 2024 offiziell geächtet

In Nürnberg hat der Stadtrat vor knapp zwei Jahren beschlossen, das tatsächliche N-Wort zu ächten. Auch Ahmed hatte sich dafür eingesetzt. Oberbürgermeister Marcus König (CSU) erklärte damals zur Begründung: "Auch heute wird das Wort als Beleidigung und eine Form von Gewalt genutzt, die Schwarze Menschen herabwürdigt und verletzt." Die Bekämpfung von Rassismus sei zentrale menschenrechtliche Schutzpflicht des Staates, betonte König. "Als Stadt des Friedens und der Menschenrechte sehen wir uns hier in einer ganz besonderen Verantwortung."

BR24 auf Instagram: Plakat sorgt für Aufregung

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