Am Montag um 13 Uhr endete eine Ära. Das letzte Playmobil-Werk in Deutschland beendete nach mehr als 50 Jahren die Produktion. Alle rund 350 Beschäftigten im fränkischen Dietenhofen wurden zusammengerufen. "Ganz ohne Ankündigung", erzählte der Betriebsratsvorsitzende Michael Ulbrich am Mittwochabend bei "jetzt red i" in Herzogenaurach. Die Angestellten seien dann mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.
Ihm gehe es nicht gut, sagte Ulbrich. Mehrere Kollegen hätten ihm sogar von Suizidgedanken erzählt. "Die Situation ist sehr erdrückend." Betriebsrat Willi Wening zeigte sich ebenfalls enttäuscht – nicht nur von seinem ehemaligen Arbeitgeber, auch von der Politik: "Bei uns war niemand, wir sind alleingelassen worden." Der Betriebsrat habe die bayerische Staatskanzlei in der Vergangenheit angeschrieben, habe aber keine Antwort erhalten.
Arbeitsministerin Scharf: "Es ist wirklich bitter"
Die bayerische Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) versprach bei "jetzt red i" nun ein Treffen mit den Beschäftigten. Die Werksschließung sei bitter, sagte sie. Scharf betonte aber auch, dass es im Sozialstaat gute Instrumente gebe, wie die gegründete Transfergesellschaft und das Transferübergangsgeld. Es gebe einen Sozialplan und Abfindungen für die Mitarbeiter. Trotzdem brauche es die persönliche Betreuung durch die Agentur für Arbeit, die Scharf zum Termin mitbringen möchte.
Betriebsratsvorsitzender Ulbrich nahm das Angebot an, sagte aber auch: "Es ist etwas spät, weil die Leute sind nicht mehr im Unternehmen." Die Tore seien zu.
SPD-Politiker Grießhammer verurteilt Vorgehen des Herstellers
Holger Grießhammer, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, kritisierte das Vorgehen des Playmobil-Herstellers, der Horst Brandstätter Group: "Was hier Playmobil gemacht hat, das ist schon eine starke Nummer." Die Mitarbeiter seien vor das Werktor gesetzt und Abmachungen nicht eingehalten worden. Das sei "deutlich zu verurteilen", sagte er. Auch Scharf kritisierte die Kommunikation des Unternehmens: "Das ist nicht hilfreich in so einer schwierigen Situation."
Ulrike Scharf (CSU) und Holger Grießhammer (SPD) kritisierten den Playmobil-Hersteller für die Kommunikation mit den Mitarbeitern.
Die Horst Brandstätter Group wollte nicht an der “jetzt red i"-Sendung teilnehmen. Sie erklärte dem BR aber, dass der reguläre Produktionsablauf aufgrund der Witterung und vieler Krankheitsfälle nicht mehr gewährleistet gewesen sei. Deshalb habe man die Produktion bereits früher eingestellt. Produktentwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik sollen demnach weiterhin in Deutschland bleiben.
Hohe Lohn- und Energiekosten als Problem
Der Hersteller hatte schon im Februar 2026 angekündigt, das Werk schließen zu wollen. Die Produktion soll nun an den bereits bestehenden Unternehmensstandorten in Malta und Tschechien gebündelt werden. Der Grund: die hohen Lohn- und Energiekosten in Deutschland. Das Unternehmen schreibt seit Jahren Verluste.
Die hohen Kosten sind nicht nur für den Playmobil-Hersteller ein Problem. Auch Alexander Gröhnhardt, Personalleiter in einem größeren Unternehmen, kennt sie gut. Die aktuell diskutierten Vorschläge der Rentenkommission für eine große Reform begrüßte er deshalb ausdrücklich: "Man geht endlich da hin, wo es wehtut."
Scharf will beitragsfreie Minijobs erhalten
Auch Sozialministerin Scharf sagte, viele der Vorschläge, die die Rentenkommission vorgestellt hatte, seien fair. Nur in einem Punkt könne sie nicht mitgehen: bei den Minijobs. "Denn ich glaube, die Lebensrealität der Menschen zeigt, dass wir dieses Instrument Minijob ganz dringend brauchen." Es sei flexibel, unkompliziert und helfe sowohl der Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberseite. Die Kommission hatte vorgeschlagen, dass zukünftig auch Minijobber Rentenbeiträge zahlen sollen. Nur Schülerinnen und Schüler sollen ausgenommen werden.
Grießhammer stellte sich dagegen hinter den Vorschlag der Kommission. Minijobs hätten zwar ihre Berechtigung, aber es gebe Menschen, die ausschließlich in Minijobs arbeiteten. "Von welcher Rente sollen diese Personen später einmal leben", fragte er. Wenn nichts eingezahlt werde, könne man auch später nicht auf eine satte Rente hoffen.
In den Details sind sich bei der Union und SPD also noch nicht alle einig. Aber Grießhammer und Scharf betonten beide: Es brauche dringend große Reformen. Das habe das Beispiel der Playmobil-Werksschließung einmal mehr gezeigt.
Appell für mehr Solidarität
Nicht nur Politik und Arbeitgeber sah Kurt Reinelt in der Pflicht, sondern auch die Gesellschaft. Er kümmerte sich als Seelsorger um die rund 350 Mitarbeiter im fränkischen Playmobil-Werk. Reinelt appellierte bei "jetzt red i" für eine echte soziale Marktwirtschaft und für mehr Solidarität – zwischen denen, die noch einen Job haben, und denen, die entlassen wurden.
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