Schuhe von wartenden Kindern
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Familienfreundlicher Strafvollzug
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Mit Papa im Gefängnis kuscheln: Strafvollzug familienfreundlich

Mit Papa im Gefängnis kuscheln: Strafvollzug familienfreundlich

Mit Papa zusammen hinter den Gefängnismauern spielen, toben und kuscheln - seit 20 Jahren - und damit als eine der ersten in Bayern - bietet die JVA Nürnberg eine Vater-Kind-Gruppe an - zum Wohle der Kinder, aber auch der inhaftierten Väter.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Wenn ein Elternteil in Haft muss, dann sind die Leidtragenden auch die Kinder. Deshalb hat die Kinderkommission des Bayerischen Landtags Empfehlungen erarbeitet, wie die Lage von Kindern von Inhaftierten der bayerischen Justizvollzugsanstalten weiter verbessert werden könnte. Die Justizvollzugsanstalt Nürnberg hat da bayernweit eine Leuchtturmfunktion: Sie organisiert seit Jahren eine Vater-Kind-Gruppe. Denn es sind mit überwiegender Mehrheit die Väter, die einsitzen.

Bunter Gruppenraum mit Spiel- und Bastelecken

Ein Gruppenraum, mit bunten Wänden, Spielteppichen, Kuscheltieren, Bilderbüchern, Basteltischen: Alle zwei Wochen treffen sich hier in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg inhaftierte Männer mit ihren Kindern zum Spielen, Basteln und Toben. Mit dieser betreuten Vater-Kind Gruppe will die Gefängnisleitung dafür sorgen, dass der Kontakt zwischen den Vätern und ihrem Nachwuchs durch die Haftzeit nicht verloren geht.

Vor allem für die Kinder ein wichtiger Termin, so Stephanie Schmidt, die Leiterin der Gruppe: "Unser Augenmerk, das sind tatsächlich die Kinder, dass die ihre Bindung pflegen, Orientierung haben, so ein Gefühl von Sicherheit haben: Wo ist der Papa? Geht’s dem Papa gut? Ob er noch an mich denkt?"

Herausforderung für Kind und Vater

Zwei pädagogische Fachkräfte sind bei den Treffen immer mit dabei. Sie unterstützen das Wiedersehen, falls die Kinder fremdeln. Denn die Mütter dürfen nicht mit dabei sein bei dem Treffen. Diese zwei Stunden sollen ganz alleine den Vätern und ihrem Nachwuchs gehören. Die Mütter berichten im Gespräch mit dem BR aber alle, dass die Kinder sich schon Tage vorher auf diese Treffen freuen - und auf ihre Väter! Und auch die sind nach diesen Treffen oft ziemlich geschafft, beobachtet Sabine Schnee, vom JVA-Sozialdienst: "Es ist nämlich so, dass die Väter in diesen zwei Stunden für ihre Kinder alles geben müssen, die müssen animieren, müssen da sein, müssen gefühlvoll sein, was natürlich ansonsten im Gefängnis unter den Männern nicht so Thema ist."

Wichtig für die Resozialisierung

Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Kinder können inhaftierte Väter erst nach einer genauen Überprüfung an dem Angebot teilnehmen - und auch nur dann, wenn sie schon vor der Haft einen guten Kontakt zu ihrem Nachwuchs hatten. Für die Gefängnisleitung sei aber noch ein weiterer Aspekt wichtig: Die Vater-Kind-Gruppe sei ein wichtiger Schritt für die Resozialisierung, so Nikola König, Juristin der JVA-Nürnberg. "Zur Resozialisierung gehört auch, dass die Väter, wenn sie entlassen werden, einen guten sozialen Empfangsraum haben. Da gehört eben die Familie dazu, und dann ist es eben wichtig, dass sie zu den Familien schon während der Inhaftierung einen guten Kontakt halten."

Dank der guten Erfahrungen in Nürnberg stößt das Angebot bei immer mehr Haftanstalten in Bayern auf großes Interesse, um den Strafvollzug familienfreundlicher zu gestalten. Das Organisationsteam der Vater-Kind-Gruppe in der JVA-Nürnberg kann dazu nur ermuntern.

BR24 auf Instagram: Mit Papa im Gefängnis spielen, toben und kuscheln

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