Kinder, die auf dem Traktor mitfahren, sieht man auf dem Land oft. Für viele ist es das Größte. Wenn Eltern ihre Kinder auf öffentlichen Straßen mit dem Traktor mitnehmen, verstoßen sie gegen die Straßenverkehrsordnung (externer Link). Auf Privatgrund gilt die StVo allerdings nicht. Doch auch hier kann es zu gefährlichen Situationen kommen.
Das Bayerische Innenministerium teilte auf BR-Anfrage mit, dass der letzte tödliche Unfall eines Kindes im Straßenverkehr im Zusammenhang mit einem Traktor im Jahr 2021 registriert wurde. Wie viele Kinder auf Höfen und Feldern verunglücken, also auf Privatgrund, lässt sich dagegen nicht beziffern.
Christian Satzl von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, fährt regelmäßig von Hof zu Hof und berät Familien in Sachen Sicherheit. Ihm ist sein Job ein echtes Anliegen: "Meine Motivation kommt jedes Mal, wenn ich aus einem Betrieb rausgehe, in dem ein schwerer oder tödlicher Unfall passiert ist. Da denke ich mir jedes Mal: Das darf nicht wieder passieren."
Traktoren sind für Kinder meist nicht zugelassen
Dieses Mal ist er bei einer Familie in Niederbayern. Katharina, die mittlere Tochter, geht in die erste Klasse. Sie fährt gerne bei ihrem Papa Andi auf dem Traktor mit. Eine Regel gilt dabei immer: Katharina darf nicht allein in die Nähe der landwirtschaftlichen Maschinen. Ihre Mutter Irmi bringt sie zum Traktor und holt sie auch wieder ab.
Routiniert steigt die Grundschülerin auf den Traktor und schnallt sich an. Links neben dem Fahrersitz gibt es einen Beifahrersitz. Eigentlich sind Traktoren für die Mitnahme von Kindern gar nicht zugelassen. In vielen Betriebsanweisungen steht etwa: "Der Beifahrersitz ist für das Sitzen und den Transport einer erwachsenen Person bestimmt." So würden sich die Hersteller aus der Verantwortung ziehen, sagt Satzl. Diese liege dann bei der Person am Steuer.
Regeln, die das Mitfahren sicherer machen
Katharinas Vater Andi beschreibt den Alltag auf vielen Höfen so: "Bei uns in der Landwirtschaft ist es so, dass Kinder mit der Arbeit und den Maschinen aufwachsen. Uns ist es immer lieber, die Kinder sitzen am Schlepper, als dass sie irgendwo rumrennen. Hier neben mir, da habe ich sie im Blick."
Um Unfälle zu verhindern, sind aber klare Regeln entscheidend. Gefährlich werde es vor allem, wenn mehrere Kinder mitfahren, ohne geeigneten Sitz und ohne Gurt, erklärt Satzl. Für Katharina heißt das: Sie braucht einen passenden Sitz – und muss immer angeschnallt sein. Die vielen Hebel im Traktor sehen zwar spannend aus, sind für Katharina aber tabu. Papa Andi darf seine Tochter außerdem nie unbeaufsichtigt im Traktor zurücklassen.
Satzl warnt, dass auch der Türgriff zur Gefahr werden kann: "Der Öffner der Türe ist in greifbarer Nähe vom Beifahrersitz. Wir haben schon öfter erlebt, dass die Türe geöffnet wurde und das Kind beinahe rausgefallen ist."
Weniger Unfälle durch KI-Kameras
Auch beim Absteigen passieren Unfälle. Deshalb soll Katharina rückwärts vom Traktor steigen und sich immer festhalten. Geübt klettert sie herunter und geht am Boden angekommen direkt zu ihrer Mutter. "Genau so soll es sein", lobt sie Satzl.
Außerhalb des Fahrzeugs ist vor allem der tote Winkel gefährlich – darüber müssten sich Familien im Klaren sein, sagt er. Panoramaspiegel, die bei neueren Modellen meist eingebaut sind, reduzieren diesen Bereich. Für ältere Traktoren empfiehlt der Sicherheitsbeauftragte, nachzurüsten. Christian Satzl und Bauer Andi sind sich einig: Moderne Maschinen und technische Hilfen wie Rückfahrkameras mit KI haben in den vergangenen Jahren bereits für mehr Sicherheit gesorgt.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
