Am Morgen nach der Wahl schaut Philine Blees zuerst aufs Tablet. Die neue Bürgermeisterin von Obermaiselstein will wissen, ob sie es auch in den Oberallgäuer Kreistag geschafft hat. Dann die Gewissheit: Ihre Liste "Junges Oberallgäu!" gewinnt einen Sitz dazu, und Blees zieht ein. Sie sei sehr zufrieden, sagt die 27-Jährige. Mehr als 12.000 Stimmen hat sie bekommen.
Für Blees ist das ein doppelter politischer Erfolg. Die CSU-Politikerin saß bereits sechs Jahre im Stadtrat von Immenstadt. Nun wechselt sie an die Spitze der Gemeinde Obermaiselstein und übernimmt das Amt hauptberuflich. Dass ihr in diesem Alter so viel Vertrauen entgegengebracht werde, sei nicht selbstverständlich, sagt sie. "Für mich ist es, das Hobby zum Beruf zu machen", sagt sie.
Vom Jugendtreff an die Rathausspitze
Noch jünger ist Maximilian Becke. Der 26-Jährige wird neuer Bürgermeister in Ehingen im Landkreis Augsburg. Ihn freue vor allem das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, sagt Becke. Zugleich bedankt er sich bei seinem Vorgänger Franz Schlögel.
Denn Schlögel hatte ihn früh im Blick. Vor einigen Jahren half Becke mit Freunden dabei, den Jugendtreff zu erneuern. Für Schlögel war schnell klar, dass in dem jungen Ehinger politisches Talent steckt. Er sprach ihn an. Becke ging später in den Gemeinderat, wurde Zweiter Bürgermeister und rückt nun an die Spitze des Rathauses.
Was ihn an der Aufgabe reizt, beschreibt Becke knapp: gestalten und helfen. Gerade darin liegt die besondere Logik von Kommunalpolitik. Es geht oft nicht um ferne Grundsatzdebatten, sondern um Dinge, die Menschen direkt merken: Treffpunkte für Jugendliche, Straßen, Baugebiete, Vereine oder die Ausstattung einer Schule.
Stefan Rottmann: Früh gewählt, lange im Amt
Wie prägend dieses Amt sein kann, zeigt Stefan Rottmann in Schonungen in Unterfranken. Er wurde schon vor 14 Jahren zum Bürgermeister gewählt – damals mit Mitte 20. Sein erster Wahlsieg war denkbar knapp: Drei Stimmen gaben den Ausschlag. Den Wahltag und die Tage danach werde er nie vergessen, sagt Rottmann. Das Medienecho sei enorm gewesen.
Heute gehört Rottmann längst zu den erfahrenen Rathauschefs und wurde inzwischen erneut für sechs Jahre gewählt. Dass er Bürgermeister werden wollte, sei schon früh angelegt gewesen, erzählt er. In einem Poesiealbum aus der Grundschulzeit habe bei seinem Traumberuf bereits "Bürgermeister" gestanden.
Sein politisches Interesse entstand nach eigenen Angaben als Jugendlicher wegen der Belastung rund um sein Elternhaus in Bayerns größtem Altlastengebiet. Für Rottmann wurde Politik dadurch etwas sehr Konkretes. Genau das sei bis heute das Besondere am Bürgermeisteramt: Entscheidungen blieben nicht abstrakt.
Im Video: Junge Rathauschefs in Bayern - Der frühe Weg ins Bürgermeisteramt
Was junge Bürgermeister im Rathaus erwartet
Rottmann rät jungen Kolleginnen und Kollegen zu Mut, Organisationstalent und Nähe zu den Menschen im Ort. Vieles lerne man mit der Zeit dazu, sagt er. Das Amt biete große Gestaltungsmöglichkeiten. Man habe "mit Sicherheit mehr Einfluss als ein Bundeskanzler oder ein Bundestagsabgeordneter", weil Entscheidungen vor Ort unmittelbare Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger hätten.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
