50 Jahre hat die Familie Wieser die Geschäfte im Münchner Ratskeller geleitet. Die Räumlichkeiten im Untergeschoss des Rathauses boten Platz für 1.100 Gäste. Zuletzt arbeiteten hier 130 Mitarbeiter. Sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen war die Institution immer gut besucht und beliebt.
"Wieder verschwindet ein Stück München", kommentiert ein Stammgast die Situation während er zwischen den zum Verkauf stehenden Gegenständen sondiert. Viele ehemalige Gäste besuchen den Ratskeller ein letztes Mal und überlegen, was sie brauchen könnten oder mit welchem Objekt man sich eine Erinnerung an schöne Stunden im Wirtshaus mit nach Hause nehmen könnte.
Besonders beliebt sind Gläser mit dem Konterfei des Lokals. "Das ist ein Stück Geschichte, das ist historisch!", erklärt eine Stadtführerin. "Alle Führungen beginnen und enden vor dem Rathaus. Und dann haben die Touristen Hunger – und sie sind dann immer ganz begeistert in den Ratskeller eingekehrt."
Sanierungskosten zu hoch
Die bayerische Groß-Gaststätte verfügt über zahlreiche Räume – alle aufwendig ausgestattet – mit eingebauten Nischen, gusseisernen Leuchten, Bildern und zum Teil sogar mit Wandmalereien. Nun muss alles raus.
Peter Wiese, der bisheriger Geschäftsführer, will aus Altergründen aufhören: „Hier stehen jetzt unter anderem in der Küche Sanierungskosten in Höhe von 1,5 – 1,8 Millionen Euro an. Und ab 2032 wird das Rathaus generalsaniert – Das rechnet sich für mich nicht mehr.“ Die Entscheidung nach vielen Jahrzehnten als Wirtsfamilie aufzugeben, fällt ihm sichtlich schwer.
Profanes und Skurriles
Für Laien ist kaum vorstellbar, wie viele Gegenstände vor und vor allem hinter den Kulissen einer solch großen Gaststätte verborgen sind: Messer, Gabeln, Löffel – insgesamt mehr als 10.000 Stück. Tischdecken, Tabletts, Fischteller, Tartar-Teller, Fähnchenhalter, Gläser – vom Schnapsglas bis zum Weinkelch. Und dann stehen Kunst, Kunsthandwerk und Kitsch, genauso wie Kochbücher und Koch-Kleidung zum Verkauf.
Hinzu kommen ein schweres Kettenschloss, gusseiserne Schwert-Nachbildungen, Lampen, Parlatorien, Seifenspender, Schrauben und ein Generator für den Hochdruck-Luftreiniger. Das Interesse der Schnäppchenjäger und Sammler ist groß, so groß, dass sich zwischenzeitlich lange Schlangen auf dem Marienplatz gebildet haben. "Alles können wir aber bestimmt nicht verkaufen. Vielleicht noch übers Internet. Aber einen Teil werden wir entsorgen müssen," so die Zwischenbilanz von Wieser.
Ob es in dem denkmalgeschützen Gewölbe bis zur Generalsanierung des Rathauses eine Zwischennutzung geben wird und wie es nach der Generalsanierung des Rathauses mit den Kellergewölben weitergeht, ist noch nicht entschieden.
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