Name, Geburtsdatum, die eigene Adresse, die IBAN und womöglich sogar die Krankenversicherungsnummer: All diese Daten könnten Hacker abgegriffen haben, als sie in das IT-System der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) eingedrungen sind.
Vieles ist laut LMU noch unklar: zum Beispiel, welche Daten genau die Hacker gestohlen haben und wie viele Studierende betroffen sein könnten. Am Mittwoch hatte die Uni von dem Vorfall erfahren.
"Ich fühle mich nicht perfekt informiert"
Die vielen offenen Fragen sorgen bei den LMU-Studierenden für Unsicherheit. "Ich mach’ mir schon Sorgen", sagt LMU-Studentin Ha My. Per E-Mail habe die Universität sie informiert und gewarnt, in nächster Zeit bei fremden E-Mails besonders vorsichtig zu sein und beispielsweise auf keine Links zu klicken. Doch diese Informationen reichen einigen nicht aus: "Ich weiß immer noch nicht genau, ob ich eigentlich betroffen bin und was das dann für mich heißt", schildert Studentin Beeke. Aus der allgemeinen E-Mail sei ihr nicht klar geworden, wie sie sich verhalten soll und welche Maßnahmen sie ergreifen muss. "Ich fühle mich nicht perfekt informiert." Auch Studentin Kristina fragt sich, ob sie ihre Passwörter ändern muss. "Ich bin schockiert und muss mich damit mal auseinandersetzen."
Experte rät: Kontobewegungen und E-Mails genau prüfen
Was kann man als Betroffener tun, wenn man möglicherweise von einem Hackerangriff betroffen ist? "Nicht viel", sagt IT-Sicherheitsberater Manuel Atug. Der Experte rät, genau die Aktivitäten auf dem eigenen Bankkonto zu checken und nach Unregelmäßigkeiten Ausschau zu halten. Ähnliches gilt für das E-Mail-Postfach: "Ich muss meine E-Mails genau prüfen, ob jemand versucht, mich zu manipulieren, oder ob Bestellungen bestätigt werden".
Denn: Die größte Gefahr bei solchen Hackerangriffen sei Identitätsdiebstahl, weiß der IT‑Experte. Konkret bedeutet das: Mit den gestohlenen Identitäten könnten Fremde Kreditkarten ausstellen lassen oder Waren bei Online-Händlern bestellen. Denkbar sei auch, dass Konten im Namen der Betroffenen erstellt oder andere Verträge abgeschlossen würden, sagt Ann-Kathrin Edinger von der Verbraucherzentrale Bayern. Für Fälle von Identitätsmissbrauch bietet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ein Tool an [externer Link], mit dem man die eigenen Daten überprüfen kann.
Aber auch Phishing-Nachrichten sind eine Gefahr, warnt die Referentin für Verbraucherrecht. Sie rät deswegen zur Vorsicht bei zugesandten Links oder Anhängen.
Die LMU betont in ihrer Mitteilung [externer Link], dass Passwörter und die LMU-Kennung nicht betroffen seien. Die Universität empfiehlt dennoch, unabhängig von diesem Vorfall, Passwörter regelmäßig zu ändern.
Sicherheitsvorfall öffnete Tor zu sensiblen Daten
Besonders brisant bei dem Sicherheitsvorfall der LMU ist, dass die Hacker theoretisch Zugang zu einer ganzen Menge an Daten hatten. Denn es handelt sich bei dem Datenleck laut LMU um die Stammdaten der Studierenden, die sie bei der Immatrikulation angeben müssen. Mit anderen Worten: Nicht nur Name und E-Mail-Adresse waren hinterlegt, sondern teilweise auch die Anschrift, die Telefonnummer, die Bankdaten, möglicherweise sogar die Krankenversicherungsnummer und Informationen zum bisherigen Studienverlauf.
Ende Juli: Auch Hochschule München gehackt
Nicht nur die LMU wurde in der jüngeren Vergangenheit Opfer eines Hacking-Angriffs. Auch die Hochschule München sei Ende Juli gehackt worden, wie eine Sprecherin auf BR24‑Anfrage bestätigt. Betroffen seien Informationen von rund 400 Personen gewesen, die sich auf einen Studiengang beworben hatten. In den meisten Fällen sei es um Namen und E‑Mail-Adressen gegangen.
Der IT-Sicherheitsberater Manuel Atug sieht bei Hochschulen und Universitäten allgemein eine große Gefahr für Sicherheitsvorfälle. Die IT-Systeme hätten oftmals schon lange keine wichtigen Sicherheitspatches mehr erhalten, außerdem fehlten den IT-Abteilungen an den Hochschulen oft Geld und Personal.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das Bayerische Landeskriminalamt haben die Ermittlungen übernommen. Laut LMU arbeiten derzeit interne IT-Spezialisten mit Unterstützung von externen Experten an der "Behebung des Vorfalls". Für weitergehende kriminelle, etwa erpresserische Absichten bestünden keine Anhaltspunkte, teilt die Universität auf Anfrage mit. Zudem erfolge im Darknet und auf entsprechenden Plattformen ein kontinuierliches Monitoring. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angreifer den erlangten Datensatz dort veröffentlicht hat. Außerdem nehme man den Vorfall zum Anlass, "die bestehenden Systeme und Protokolle zu prüfen und härten".
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
