Die Stadt Kempten will ihr Parksystem modernisieren und digitalisieren.
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Nach Millionen-Diebstahl: Kempten stellt Parksystem um

Nach Millionen-Diebstahl: Kempten stellt Parksystem um

Nachdem ein städtischer Mitarbeiter in Kempten rund 1,9 Millionen Euro aus Parkautomaten gestohlen hatte, will die Stadt ihr Parksystem modernisieren und digitalisieren. Der neue Oberbürgermeister möchte das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Der Fall hat weit über Kempten hinaus für Schlagzeilen gesorgt: Ein Mitarbeiter der Stadt und dessen Ehefrau haben über einen Zeitraum von rund zehn Jahren tonnenweise Münzgeld aus Parkautomaten gestohlen. Insgesamt erbeuteten sie mindestens 1,9 Millionen Euro, dafür wurden beide vor Kurzem zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nun will die Stadt Kempten einen Schlussstrich unter den Skandal ziehen – und ihr Parksystem zu einem "modernen, transparenten und digital unterstützten Gesamtsystem“ weiterentwickeln", sagt Oberbürgermeister Christian Schoch (FW).

1,9 Millionen Euro weg – "Ich fürchte, dass wir das Geld nicht wieder sehen"

Bei einer Pressekonferenz im Kemptener Rathaus zeigte sich Schoch sichtlich ernst. Im Raum steht die Frage, wie es so weit kommen konnte, dass ein städtischer Mitarbeiter über Jahre unbemerkt Kassen plündern konnte: "Ich fürchte leider, dass wir die 1,9 Millionen Euro nicht wieder sehen werden“, sagte der OB. "Der Schaden ist vor allem entstanden, weil jemand einen Schlüssel geklaut hat und weil wir eben zehn Jahre lang nicht damit gerechnet haben, dass ein Mensch, dem wir eine Aufgabe anvertraut haben, diese missbraucht."

Externe Kommission deckt strukturelle Probleme auf

Gleichzeitig machte der Oberbürgermeister deutlich, dass der Fall komplexer ist als ein bloßes individuelles Fehlverhalten. Noch unter Schochs Vorgänger Thomas Kiechle (CSU) setzte die Stadt eine externe Kommission ein. Geleitet wurde sie vom Unternehmensberater Heiko Altmann. Die Aufgabe: den Fall unabhängig aufarbeiten und Vorschläge machen, wie sich ähnliche Vorgänge künftig verhindern lassen.

Ein zentrales Ergebnis: Die Strukturen hielten mit der Entwicklung der Einnahmen nicht Schritt. "Über die vielen Jahre hinweg hat sich die Einnahmesituation deutlich erhöht – von rund 800.000 Euro auf 2,5 Millionen Euro“, erklärt Altmann. "Und die Strukturen im Betriebshof und die Abläufe wurden zu wenig angepasst an dieses erhöhte Volumen." Konkret heißt das: Wenige Mitarbeitende mussten sich im Laufe der Zeit um immer größere Bargeldsummen kümmern.

Schlüsselchaos und Wissensmonopol

Bis heute lasse sich nicht mehr genau nachvollziehen, wie viele Schlüssel für die Parkautomaten im Umlauf waren und wer jeweils Zugriff hatte. Erschwert wurde die Lage dadurch, dass nach und nach neue Parkautomaten und unterschiedliche technische Systeme hinzukamen.

"Das ist einfach das Problem, wenn man die Parkraumbewirtschaftung ausweitet, dass sich die Technik fortentwickelt und man mit unterschiedlichen Software-Systemen zu tun hat“, sagt Altmann. Kontroll- und Fachwissen lagen über Jahre hinweg weitgehend bei einem einzigen Mitarbeiter – dem jetzt verurteilten Täter.

Mehr Digitalisierung, weniger Bargeld

Um solche Missstände künftig auszuschließen, setzt die Stadt Kempten auf eine grundlegende Reform der Prozesse. Ein Kernpunkt: Die Parkautomaten sollen Zahlungen künftig vollständig digital erfassen. So können Soll- und Ist-Einnahmen automatisch miteinander abgeglichen werden.

Zudem will die Stadt den Umgang mit Bargeld generell deutlich zurückfahren. "Bargeld zu vermeiden, das heißt: Werbung machen für bargeldloses Zahlen, um damit die Möglichkeiten des Zugriffs auf Bargeld überhaupt zu reduzieren“, erläutert Altmann.

Externer Dienstleister soll Vertrauen zurückbringen

Bis die neuen Strukturen greifen, setzt Kempten auf externe Unterstützung: Vorübergehend übernimmt ein externer Dienstleister die Leerung der Parkautomaten. Die Stadt will damit auch ein Signal setzen, dass sie den Vorfall ernst nimmt und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen möchte. "Es kostet jetzt richtig viel Zeit und leider auch Geld, um dieses Vertrauen wieder herzustellen“, sagt Oberbürgermeister Schoch. "Ich hoffe, dass ich das in sechs Jahren, die ich jetzt ja überschauen kann, entsprechend wieder herstellen kann."

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