Auf ihrem Rückweg aus Bethlehem sollen die drei Weisen aus dem Morgenland auch durch die Oberpfalz gereist sein. Davon sind jedenfalls die Bewohner von Friedersried in der Nähe von Cham überzeugt. Denn dort seien die Heiligen Drei Könige am 6. Januar um die Mittagszeit hungrig und müde aufgetaucht.
Gastfreundlich wie die Friedensrieder sind, haben sie die Reisenden königlich mit Knödeln bewirtet und später ihre Pfarrkirche den Heiligen Drei Königen geweiht – so sagt es die Legende. Darum findet hier an jedem Dreikönigstag die Knödl-Kirta statt: eine Kirchweih, bei der Hefe- und Reiberknödel gereicht werden. Der gesellige Brauch hat allerdings einen Schönheitsfehler: Friedersried gab es bei Christi Geburt noch gar nicht.
Dreikönigstag: Ende der Raunächte
Die zwölf Raunächte "zwischen den Jahren", also von Weihnachten bis zum Dreikönigstag, galten seit vorchristlicher Zeit als magisch und gespenstig – ein Grund, sich auch in Bayern der Geisteraustreibung zu widmen. So sind am Dreikönigstag auch das letzte Mal die Perchten unterwegs, die in den Raunächten die bösen Geister des Winters austreiben sollen.
Besonders in Südbayern und dem Alpenraum finden Perchtenläufe statt. In Kirchseeon, südlich von München, gilt das Perchtenbrauchtum seit 2022 sogar als "Immaterielles Kulturerbe Bayern", mit dem Siegel der Unesco.
Tage werden wieder heller
Langsam werden die Tage wieder heller und die Natur macht sich bereit, wieder zu erwachen und zu erblühen – das neue Jahr hat das alte im Verlauf der Raunächte verdrängt. Darum gilt Dreikönig nach altem Brauch auch als Beginn des neuen Jahres. Ein Grund für die Bauern, in die Zukunft zu schauen: Viele Bauernregeln beziehen sich auf den heutigen Feiertag, wie "Ist an Dreikönig kein Winter, folgt keiner dahinter" oder "Ist's an Dreikönig sonnig und still, der Winter vor Ostern nicht weichen will" und "Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Weinerntejahr".
Sternsinger: Hilfe für Kinder in Not
Der vielleicht bekannteste Dreikönigsbrauch sind die Sternsinger. Dabei ziehen Kinder in Gestalt von Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus. Der Zweck ist vielleicht nicht allen bewusst: Die "Aktion Dreikönigssingen", an der sich jährlich rund 300.000 Sternsinger deutschlandweit beteiligen, ist eine der weltweit größten Hilfsaktionen von Kindern für Kinder. Seit 1959 wurden etwa eineinhalb Milliarden Euro an Spendengeldern gesammelt.
Schäfflertanz in München
Am 6. Januar findet, wie alle sieben Jahre, heuer wieder eine Ur-Münchner Tradition statt: der Schäfflertanz. Die Münchner Fassmacher (Schäffler) erfüllen damit ihr historisches Gelübde: Bis zum 17. Februar 2026 tanzen sie gut gelaunt auf öffentlichen Plätzen – aus Dankbarkeit über das Ende einer Pestepidemie vor mehr als 500 Jahren. Um 14 Uhr ist Auftakt am Münchner Marienplatz.
"Stärke antrinken" in der Fränkischen Schweiz
Was die Kraft für große Taten im neuen Jahr betrifft, wollen die Menschen in Franken und der Oberpfalz auf Nummer sicher gehen. Eine undatierte Quelle aus der Fränkischen Schweiz verkündet: Menschen "tranken lustig drauflos und sangen ihre Lieder". In den Nachmittagsstunden des Dreikönigstags setzten sich Menschen zusammen und tranken bevorzugt Starkbier, um Stärke zu tanken. Jeder war eingeladen. Sogar die Ehefrauen sollen ausnahmsweise mitgemacht und mit ihren Männern im Wirtshaus die Krüge gehoben haben.
Auch Angestellte bekamen frei fürs "Stärketrinken" und auch Kinder waren dabei: Laut einer undatierten Quelle aus dem nördlichen Franken durften sie an süßem Dessertwein nippen. Heute ist einer der Hotspots für Stärketrinker die Stadt Bamberg, mit vielen Trinkangeboten für den Dreikönigstag.
Dreikönigsbaden am Altmühlsee
Wer es eher sportlich mag, kann statt ins Wirtshaus zum Baden gehen. Am Altmühlsee treffen sich bereits zum dritten Mal kälteresistente Wasserratten zum Dreikönigsbaden. Für die besonders Harten gibt es sogar eine Tapferkeitsmedaille. Ein traditioneller Dreikönigsbrauch ist das Eisbaden allerdings nicht, zumindest nicht in Bayern: Klassischerweise wird in Russland und Serbien damit das neue Jahr begangen.
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