Auf der Straße sitzt ein blondes Mädchen, es jammert und hält sich die blutende Hand. Sie und ihre Freundin, so das fiktive Szenario, haben sich beim Müllsammeln an Glasscherben verletzt.
Eine Situation wie diese könnte im Alltag jedem begegnen. Aber nicht jeder weiß so gut wie die zwölfjährige Lotta Treischl und der elfjährige Finley Sonnenschein, wie man dann am besten reagiert. Sie und ihr Team von der Meitinger Wasserwacht packen an wie im echten Notfall. Beim Landeswettbewerb des Bayerischen Jugendrotkreuzes (JRK) in Zusmarshausen bei Augsburg zeigen sie, was sie können.
Kinder als Lebensretter
Die richtige Reaktion kann im Notfall Leben retten. Oft sind laut dem JRK-Vorsitzenden Marvin Kliem Kinder die Retter – etwa, weil sie den Notruf wählen, wenn Erwachsene einen Herzinfarkt haben. "Ganz klar ist wirklich: Niemand ist zu klein, um in irgendeiner Art und Weise Helferin oder Helfer zu sein", betont Kliem.
Die 300 Kinder und Jugendlichen beim JRK-Landeswettbewerb demonstrieren das eindrücklich. Sie alle engagieren sich, beispielsweise als Schulsanitäter oder Rettungsschwimmer. Über mehrere Runden hinweg haben sie sich für den Landesentscheid qualifiziert.
An insgesamt elf Stationen werden die Kids in Theorie und Praxis geprüft. Schiedsrichter beurteilen ihr Vorgehen und vergeben Punkte. Neben Fachwissen geht es dabei auch um Geschicklichkeit, Teamarbeit und Geschwindigkeit.
Lotta: "Am Anfang war ich ein bisschen unter Schock"
Einen Teil ihrer Freizeit für die Rettung zu opfern – für die zwölfjährige Lotta ist das Ehrensache. Denn sie wolle Menschen helfen. Wie schnell man auch im Alltag mit echten Notfällen konfrontiert sein kann, weiß sie aus eigener Erfahrung. Vor kurzem hat sie erlebt, wie ein Bus auf die Füße von zwei Mitschülern gerollt ist. "Am Anfang war ich ein bisschen unter Schock, aber dann ging es eigentlich ganz gut", erinnert sie sich.
Oft fehlt der Mut
Der Landeswettbewerb der BRK-Jugend mache sichtbar, was in jungen Menschen steckt, so Kliem. Selbst Erwachsene würden sich oft nicht trauen, im Notfall aktiv zu werden. Nicht wegzuschauen, das sollten Menschen deshalb schon im Kindesalter lernen, betont Kliem. "Man lernt, früh zu helfen und man baut vor allem auch Barrieren ab, überhaupt jemandem zu helfen in einer schwierigen Situation."
Verhalten im Notfall: Tipps vom jungen Helfer
Dabei braucht man laut dem elfjährigen Finley keine Angst zu haben: "Ich würde dir raten, erstmal Hilfe zu holen, auf jeden Fall erstmal den Rettungswagen zu rufen, also die 112." Bis die Profis kommen, sei es wichtig, Ruhe zu bewahren, den Verletzten zu beruhigen und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Starke Blutungen solle man stillen. Wer noch besser helfen will, dem empfiehlt Finley, einen der vielen Kurse zu machen, die angeboten werden. Nur gar nichts zu tun, das könne im Notfall der größte Fehler sein.
Schiedsrichter begeistert
Für Finley und sein Team von der Wasserwacht Meitingen kommt das nicht in Frage. Im Übungsszenario arbeiten sie gut zusammen: Einer holt die Wärmedecke und beruhigt das "verletzte" Mädchen, ein anderer kümmert sich um Kompresse und Verband. Schnell ist die Hand verbunden, die Gefahr gebannt. Den Schiedsrichtern gefällt, was sie sehen – und die Meitinger Wasserwacht landet am Ende auf Platz 3.
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