Wer eine Alternative für Schoko-Osterhasen sucht, wird in Weiden fündig. Zwei Frauen stellen in der Oberpfalz fürs Osternest Zuckerhasen her: Ein altes Handwerk, das es gab, lange bevor Schokolade Massenware geworden ist. Die roten Häschen sind noch dazu zahnfreundlich und fast zuckerfrei.
Unzählig viele Zuckerhasen-Formen
Mit Korb auf dem Rücken, sitzend, stehend, mit Kinderwagen, auf der Lokomotive, dem Fahrrad oder auf dem Motorrad. Gaby Oberem aus Weiden hat unzählig viele Formen, mit denen sie rote Zuckerhasen herstellt, die nach Himbeer oder Karamell schmecken.
Während auf dem Herd bereits Isomalt in einem Topf schmilzt, fettet sie die Formen für Jagdhunde und ein Musiker-Hasen-Trio ein. Isomalt ist ein natürlicher Zuckerersatzstoff, der nicht ganz so süß und zahnfreundlicher ist als Zucker. In die heiße Masse rührt sie etwas Zitronensäure, Himbeeraroma und natürlichen Farbstoff.
"Ich könnte den ganzen Tag hier stehen und ausprobieren", sagt sie. Ihr gefalle vor allem auch das Unperfekte, das in Zeiten der KI ja gar nicht mehr vorgesehen sei. Und, dass sie ein paar Wochen im Jahr "was ganz Anderes" mache, als sonst.
Vom Ingenieurbüro in die Zuckerhasen-Werkstatt
Gaby Oberem ist eigentlich Ingenieurin und betreibt ein Ingenieurbüro, in dem sie Fahrzeughersteller von Motorrädern und Quads berät. Ihre Tochter Nina studiert innovationsfokussierten Maschinenbau und hatte ein Thema für ihre Masterarbeit gesucht. Die Herstellung von personalisierten Brautpärchen aus Zucker auf Hochzeitstorten, das schwebte den beiden vor dafür – doch dann war die Zuckerhasen-Werkstatt von einem Konditor zum Verkauf ausgeschrieben. Mutter Gaby übernahm sie – vor gut einem Jahr – kurzerhand.
Tochter Nina betreibt nun den florierenden Webshop und produziert zusammen mit Mutter Gaby und ein paar Helferinnen saisonal – jeweils ein paar Wochen im Jahr – süße Nostalgie-Zuckerhasen: alles Handarbeit, alles Unikate.
Zuckerhasen: Brauch aus dem 19. Jahrhundert
Die Formen aus Aludruckguss dafür stammen zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert, die jüngsten aus dem Jahr 1950. Nachdem die heiße, rote Zuckermasse eingegossen und ausgeschwenkt wird, dauert es ein paar Minuten und zum Vorschein kommen die Zuckerhasen – traditionell rot. Denn die Farbe hat damals schon das Blut Christi symbolisiert und damit die Auferstehung.
Zuckerhasen waren vor allem im 19. Jahrhundert verbreitet, als Schokolade noch Luxusware war und Zucker durch den Anbau von Zuckerrüben für alle erschwinglich wurde. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts hat der Schoko-Osterhase den roten Zuckerhasen in den Osternestern verdrängt.
Nach Ostern ist die Saison zu Ende
Es sind alles handgefertigte Unikate, die aus den unzähligen Formen gegossen werden. Zwischen 7.000 und 8.000 stellt Gaby Oberem heuer her, schätzt sie. Nach Ostern ist die Saison vorbei: Denn bei Sommerhitze funktioniert das alte Handwerk nicht mehr so gut – klebt die Zuckermassen weiter, wenn sie aus den Formen kommt. "Ein perfektes Winterhobby", sagt die Ingenieurin, die nach Ostern wieder ihrem angestammten Beruf nachgeht und nebenbei einen Master in Wirtschaftsrecht macht.
Gaby Oberem in ihrer Zuckerhasen-Werkstatt in Weiden.
Kunden auch in Norddeutschland und der Schweiz
Wenn es klimpert, ist der Zucker kristallisiert und der Hase kann aus der Form geholt werden. Dann werden noch überschüssige Kanten abgeschnitten und fertig. Beim Einpacken freut sie sich schon auf das Auspacken der Kunden, die ihr im vergangenen Jahr ausschließlich hocherfreute Dankes- und Freudenreaktionen zukommen ließen. Da ist die süße Nostalgie mit Himbeer- und Karamellgeschmack bis nach Bremen, Hamburg oder in die Schweiz in die Osternester gehoppelt.
Im Herbst geht das Experimentieren und Produzieren weiter, dann gießt sie wieder Nikoläuse, wobei es für den Heiligen nur sehr wenige Formen gibt. Auch bunte Drinkdrops als Hingucker für Sektgläser oder auch Lutscher stellt sie dann zusätzlich her in ihrer Zuckerhasen-Werkstatt.
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Dieser Artikel ist erstmals am 17.03.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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