Nur wenige Wirte in Deutschland geben die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen als Preissenkung an ihre Gäste weiter. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach sind die Preise für Speisen und Getränke in der Gastronomie im Februar sogar gestiegen: um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat.
Einkaufspreise und Personalkosten belasten
In wenigen Tagen eröffnet Wirt und Braumeister Mike Schmitt die Saison im Pretzfelder Keller in der Fränkischen Schweiz. Bei ihm bleiben die Preise unverändert. Zwar profitiert auch er seit Januar von der Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 auf sieben Prozent, doch er tut sich schwer, diese Senkung an die Kundschaft weiterzugeben.
Seit drei Jahren seien dafür aber auch seine Getränkepreise stabil, sagt er im Gespräch: "Gastronomen wie wir sind froh, dass wir die ganzen Erhöhungen, die wir haben, ein bisschen ausgleichen können durch die Mehrwertsteuersenkung", fügt Schmitt hinzu.
Den Wirten geht es bei den Lebensmitteln wie den Verbrauchern: Alles wird teurer. Das zeigt auch eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes. So ist seit 2020 Gemüse um 38,3 Prozent teurer geworden, Molkereiprodukte um 41,3 Prozent. Fleisch zog um 35,0 Prozent an, Brot um 39,8 Prozent.
Auch Personalmangel und -kosten belasten die Wirte. Immer mehr Gasthäuser schließen. Die Branche sei personalintensiv, gibt Thomas Geppert vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA zu bedenken. "Um denselben Umsatz wie im Handel zu generieren, brauchen wir sechsmal mehr Mitarbeiter als die."
Brauer schreibt Brief an seine Gäste
Das spürt auch der Brauer Johnny Hacker. In seinem Familienbetrieb, Becher Bräu in Bayreuth, arbeiten in Brauerei und Gasthaus insgesamt 26 Menschen. Die Personalkosten sind mit Abstand sein größter Ausgabenposten. Hacker hat lange überlegt, wie er mit der Mehrwertsteuersenkung umgehen soll und ob er sich eine Preissenkung leisten kann.
"Ich habe eine Mischkalkulation gemacht. Wir haben alles gesenkt um circa sechs bis sieben Prozent. Dann habe ich gedacht: 'Schreibst halt einen Brief und bringst es den Leuten auf der Speisekarte näher'", sagt Hacker. Der Brief an die Gäste hat gewirkt: Sie verstehen jetzt, warum der Wirt die Mehrwertsteuersenkung für Schnitzel und Braten nicht komplett weitergeben konnte. Aber immerhin: Ein Besuch bei ihm ist insgesamt günstiger geworden.
Im Video: Schluss mit den Luxuspreisen?
Erleichterung bei Wirten, Speisen teils günstiger
In München hingegen finden sich kaum Preissenkungen. Man könne froh sein, dass die Preise nicht weiter gestiegen seien, so Gregor Lemke, der Sprecher der Münchner Innenstadtwirte: "Viele Kollegen haben schon darüber nachgedacht, dass sie ab Januar wieder die Preise erhöhen müssten, weil es betriebswirtschaftlich anders nicht darstellbar ist." Die Mehrwertsteuersenkung habe Erleichterung ausgelöst.
Aber es gibt auch Ausnahmen. Im "Augustiner Bürgerheim" im Münchner Westend zum Beispiel kostet das Essen jetzt weniger. "Ein Euro pauschal auf jedes Hauptgericht", bestätigt Wirt Thomas Eberlein. Wie schafft er das? "Alles mit der Mehrwertsteuer", sagt Eberlein. Die Gäste kommen zahlreich, der Umsatz ist gleichgeblieben. Zudem bemerkenswert: Der Wirt bezahlt wegen der Steuersenkung jedem Mitarbeiter 200 Euro mehr im Monat.
Auch die Gaststätte "Zum Steinachtal" in Stadtsteinach in Franken gibt die Mehrwertsteuersenkung komplett an ihre Gäste weiter. Damit die Gäste das auch nachvollziehen können, stehen auf der Speisekarte die alten und die niedrigeren neuen Preise.
Preise steigen immer weiter
Solche Beispiele gibt es aber noch immer selten, das zeigen auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach gingen die Preise für Speisen und Getränke in Restaurants, Cafés und Bars seit 2020 nach oben. Bis vergangenen Dezember um insgesamt 33,2 Prozent. Nach der Steuersenkung stiegen die Preise weiter: im Januar auf 33,6 Prozent, im Februar auf 33,9 Prozent.
Und durch den Krieg im Nahen Osten steigen noch dazu die Kraftstoffpreise. Wegen höherer Lieferkosten könnten daher die Preise in der Gastronomie noch weiter anziehen, trotz Mehrwertsteuersenkung.
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