Der Großteil des in Bayern gegessenen oder verbrauchten Obstes wird importiert. Nach einer Erhebung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der TU München liegt der Selbstversorgungsgrad gerade einmal bei sieben Prozent, deutschlandweit bei rund 16 Prozent. Der Grad gibt an, zu welchem Prozentsatz eine inländische Erzeugung den Bedarf eines Landes selbst deckt. Die Konkurrenz aus dem Ausland ist groß und sie liefert preiswerteres Obst. Der Anbau im eigenen Land geht zurück. Gleichzeitig warnen Politiker, dass Ernährungssouveränität einen Staat widerstandsfähiger macht und wichtig für die Sicherheit in Krisenzeiten ist.
"Es rentiert sich nicht mehr"
Die Kirschblüte in der Fränkischen Schweiz ist berühmt, doch der Anbau geht seit Jahren zurück, und zwar nicht vorwiegend aufgrund des Klimawandels mit Stürmen und Trockenperioden. Immer mehr oberfränkische Obstbauern geben ganz auf oder betreiben den Betrieb nur noch als Nebenerwerb, weil sie preislich mit der Konkurrenz aus den EU- oder Nicht-EU-Ländern kaum mehr mithalten können. Und das betrifft nicht nur die Kirsche, sondern zum Beispiel auch die Zwetschge.
Martin Friedrich aus Igensdorf verkauft seine letzten Zwetschgen auf dem Markt in Oberasbach. Die kleinen Schachteln sind auch heute schnell verkauft, denn die Verbraucher hier schätzen, dass die Früchte erntefrisch angeboten werden und keine langen Wege hinter sich haben. Und ob da eine etwas kleiner und die andere etwas größer ist, stört sie nicht. Der Handel denkt anders: 32 Millimeter groß soll die Frucht sein. Doppelfruchtige, also Zwillingsfrüchte, werden nicht angenommen. Die Sortierung nach Größe kostet 40 Cent pro Kilo.
Fast alle zwei Tage gibt ein Obstbaubetrieb auf
Kaum ein Obstbauer in der Fränkischen Schweiz möchte sich mehr zu diesem Thema äußern. Außerdem haben sie es auch satt, wieder als "die jammernden Landwirte" dargestellt zu werden. Doch der Blick auf die Lage ist wichtig, wenn Deutschland auch in Zukunft noch Obst in ausreichendem Maß aus dem Anbau im eigenen Land haben will. In einem Brandbrief an die Politik, Verbraucher und dem Handel will die Bundesfachgruppe Obstbau noch einmal mit einem entscheidenden Satz auf die Sachlage hinweisen: "In Deutschland verschwindet mittlerweile etwa alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb".
Deutsche Obstbauern würden höchste Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards erfüllen, in Biodiversität, in Wasser- und in Klimaschutz investieren. Und doch oder gerade deshalb können sie nicht mehr mit der Konkurrenz aus EU oder nicht EU-Ländern mithalten. Weiter heißt es im Brandbrief: "Wir erleben derzeit einen rasanten Abschied von der heimischen Obstproduktion." Billigimporte überschwemmen den Markt, die Produktions- und Lohnkosten seien bei uns einfach zu hoch. In Spanien verdienen Erntehelfer maximal 50 Euro am Tag, in Deutschland pro Stunde 13,90 Euro. In Italien gibt es mehr Sonne und bessere Böden und damit höhere Erträge. Ungleiche Verhältnisse im Vergleich zu Deutschland.
Was aber passieren kann, wenn Lieferketten nicht mehr funktionieren und das Obst aus dem Ausland nicht mehr importiert werden kann, hat Deutschland in der Corona-Zeit ansatzweise erlebt.
Löhne, Produktionskosten, Regelwerke
Jochen Schmidt, vom Biohof im oberfränkischen Mittelehrenbach, hat in diesem Jahr für seine Zwetschgenernte sechs Erntehelfer beschäftigt. In Zukunft wird auch er immer mehr auf Plantagenanbau setzen: dichte Bepflanzung, kleinere Bäume. Die Ernte ohne Leiter spart 30 Prozent der Kosten. Das Landschaftsbild in der Fränkischen Schweiz verändert sich schon jetzt: Langsam werden aus idyllische Obstwiesen Plantagen.
Selbstbedienungsfelder, Verkaufsstationen, der Anbau von neuen Sorten: Vieles wird ausprobiert. Drohnenüberwachung, Sensoren und Agri-Photovoltaik im Kirschanbau gibt es in der Fränkischen Schweiz bereits. Und trotzdem schrumpft die Zahl der Obstbauern. Die entscheidende Frage wird sein, was der Verbraucher bereit ist für eine Anbausicherheit im eigenen Land zu zahlen und was die Politik dafür tun will.
Nach Angaben der Gartenbaustatistik betreiben in Bayern 1.670 landwirtschaftliche Betriebe auf rund 5.800 Hektar einen Erwerbsobstbau (Stand: 2018). Rund 600 Spezialbetriebe mit einem eindeutigen Schwerpunkt in der Obstproduktion existieren noch in Bayern.
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