Zwischen langen Reihen von Apfelbäumen steht der Lindauer Obstbauer Andreas Willhalm und pflückt Äpfel - zwei, drei kleine Früchte auf einmal. Die Früchte haben kaum Tennisballgröße und sind nicht reif. Aber sie müssen vom Baum, damit die verbleibenden Früchte mehr Wasser und Nährstoffe bekommen und noch wachsen können.
Hinter Andreas Willhalm liegen mehrere Hitzewellen, dazu nach seiner Beobachtung rund zwei Monate Trockenheit in der Region. Ein kurzer Regen Anfang der Woche habe kaum Entlastung gebracht, viele Äpfel zeigten Sonnenbrand und müssten aussortiert werden. Willhalm hofft nach eigenen Angaben auf einen Herbst mit kühlen Nächten und sonnigen Tagen – das ist laut dem Obstbauern eine wichtige Voraussetzung, damit Sorten wie Elstar, Jonagold oder Braeburn doch noch markttaugliche Größen erreichen.
Bewässerung kaum möglich – Klimawandel als Dauerbelastung
An den Bäumen sei klar zu sehen, dass sie "einfach zu wenig Wasser hatten", beschreibt Willhalm die Lage in den Obstgärten rund um den Bodensee. Regen falle zunehmend lokal: Mancherorts sei Land unter, wenige Kilometer weiter bleibe es nahezu völlig trocken. Diese Unterschiede in kurzen Distanzen führt der Obstbauer auf die Klimaerwärmung und veränderte Wetterlagen zurück, die sich seiner Einschätzung nach "dramatisch" auf den Obstbau auswirken.
Bewässerung der Apfelbäume sei für viele Betriebe keine realistische Option, sagt Willhalm in seiner Funktion als Sprecher des Bauernverbands im Kreis Lindau. Das Bodenseeufer sei meist zu weit entfernt von den Anlagen, die Nutzung von Seewasser sei rechtlich umstritten und Wasser aus Hydranten zu teuer.
Neue Sorten, veränderte Nachfrage und wirtschaftlicher Druck
Während auf den Feldern die Früchte noch wachsen müssen, läuft im kleinen Büro neben Landmaschinenhalle und Kühlräumen bereits die Vermarktung an. Willhalm erzählt, dass in Kürze mit der Ernte der Sorte Elstar gestartet werden soll, danach folgen Gala, Rubinette, Jonagold, zwischendrin Boskop und Pinova.
Parallel sucht er Abnehmer für die Ernte und beobachtet, wie Klima- und Geschmackswandel die Sortenauswahl beeinflussen. Viele Kundinnen und Kunden würden heute einen harten, knackigen, also einen "crunchy" Apfel, bevorzugen. Darauf stellten sich die Betriebe ein. Ältere Sorten wie Cox Orange verdränge diese Entwicklung aus dem Anbau, außerdem gelten sie laut Willhalm als weniger geeignet für die hohen Temperaturen am Bodensee.
Obst vom Bodensee: Nachfrage entscheidet über die Zukunft
Für Äpfel, die in die Saftproduktion gehen, bekommen Obstbauern laut Willhalm einen Erlös von 19 Cent pro Kilo. Für viele Betriebe zu wenig, um ausreichend Saisonarbeitskräfte zu finanzieren.
Für die Obstlandschaft rund um den Bodensee spiele es daher eine Rolle, wie häufig Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt gezielt zu Ware aus der Region greifen, betont Willhalm. Noch ist die Apfelernte nicht abgeschlossen. Bei weiterem Regen könnten die Früchte zulegen. Ob ein "schöner Herbst", wie ihn Willhalm beschreibt, mit kühlen Nächten und sonnigen Tagen, tatsächlich eintritt, dürfte in den kommenden Wochen entscheidend für Ertrag und Qualität der Apfelernte 2026 am Bodensee sein.
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Sind Obst und Gemüse nach den Hitzewellen schon wieder teurer geworden? Erste Anzeichen dafür gibt es bereits.
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