In der christlichen Tradition gilt der Ostersamstag als der Tag des Wartens. Aber Hubert Aiwanger will nicht mehr warten. Unzufrieden wirkt der Minister am Telefon. Das Ergebnis der jüngsten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur ist dieser Tage veröffentlicht worden - und sorgt bei Aiwanger für Unmut. Der Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht den Freistaat bei der Vergabe von Fördermitteln für Windenergie benachteiligt. Bundesweit erhielten rund 440 Windkraftprojekte einen Zuschlag – "nur fünf davon aus Bayern", kritisiert Aiwanger und fordert eine sofortige Anpassung.
Norden erhält mehr Förderung als der Süden
In der aktuellen Runde zeigt sich laut Aiwanger ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Während Bundesländer wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg den Großteil der Zuschläge auf sich vereinen, haben Bayern und Baden-Württemberg "quasi nix bekommen". Gemeinsam kommen sie nur auf rund zwei Prozent des gesamten Zuschlagsvolumens, zeigen Zahlen der Bundesnetzagentur. Der Agentur zufolge habe es in dieser Runde besonders viele Bewerbungen gegeben.
Bayern kämpft um fairere Verteilung
Das derzeitige System orientiere sich zu stark an hohen Winderträgen und benachteilige damit windschwächere Regionen im Süden. "Es kann nicht sein, dass Bayern als großer Industriestandort mit hohem Strombedarf bei den Zuschlägen für Windkraft quasi leer ausgeht", teilt Aiwanger am Samstag BR24 mit. Der Minister fordert eine sofortige Sonderausschreibung und eine fairere Aufteilung zwischen windarmen und windstarken Regionen. Eine entsprechende Initiative habe Bayern bereits im Bundesrat angestoßen. "Wir brauchen jetzt eine Lösung", so Aiwanger.
Aiwanger: Süden teurer als Norden
Aktuell werden Windenergie-Förderungen über Ausschreibungen vergeben, also im Wettbewerbsverfahren. Mehrmals im Jahr können sich Projektentwickler bei Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bewerben. Wer zum günstigsten Preis Strom anbieten kann, kommt zum Zug – und bekommt staatliche Förderung. Das ist laut Aiwanger unfair. Denn im windarmen Bayern sei der Ertrag niedriger. Bayerische Mitbewerber seien gezwungen, einen höheren Strompreis anzusetzen. "Der Süden ist teurer, weil die Windernte schlechter ist und auch der Grund und Boden für Windräder teurer ist als im Norden", sagt Aiwanger. Ohne einen höheren Megawatt-Preis könnten Investoren ihre Windräder nicht gegenfinanzieren.
Bundesnetzagentur will nachbessern
Die Bundesnetzagentur verweist unterdessen auf geplante Anpassungen. So sollen zusätzliche Ausschreibungen stattfinden und das sogenannte Referenzertragsmodell weiterentwickelt werden - und damit windschwächere Standorte stärker berücksichtigen werden. Aiwanger begrüßt diese Schritte grundsätzlich – hält sie jedoch für unzureichend: "Das kommt zu spät."
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