Elf Männer lassen und ließen sich in diesen Jahr in den bayerischen Bistümern zum katholischen Priester weihen. Das geht aus Umfragen bei den Diözesen hervor. In Eichstätt und Würzburg fanden die Weihen bereits statt. In Bamberg, Passau, Augsburg, Regensburg und München ist es beziehungsweise war es dieses Wochenende so weit. Traditionell legen viele Bistümer die Weihen um den Feiertag Peter und Paul.
"Schaue mit Sorge auf die Entwicklungen"
Wolfgang Lehner leitet das Priesterseminar des Erzbistums München und Freising, das heißt: Er bereitet die jungen Männer auf ein Leben als Priester vor. 2025 gab es in seiner Erzdiözese gar keine Kandidaten. Dieses Jahr sind es immerhin drei: "Natürlich schaue ich mit Sorge auf die Entwicklungen," sagt er. Aber immer auch mit Zuversicht: "Ich bin gelernter Kirchenhistoriker und kann sagen, Dinge haben sich immer auch zum einen und zum anderen verändert.
Bistum Augsburg: Ein einziger Kandidat bei rund 1000 Pfarreien
Im Augsburger Dom weiht Bischof Bertram Meier am Sonntag den 33-jährigen Markus Hegewald zum Priester. Er wird dann der einzige Neupriester in seinem Bistum sein. Augsburg ist, gemessen an der Zahl der Katholiken, das zweitgrößte Bistum in Bayern nach München und Freising. Bischof Meier spricht von einem klaren Priestermangel.
Zugleich verweist er darauf, dass Gemeinden nicht nur von Priestern leben, sondern auch vom Engagement von Ehrenamtlichen. Das Bistum setzt auf Pfarreiengemeinschaften, auf Priester aus der Weltkirche und auf Ruhestandspriester, die weiter mithelfen. Was das vor Ort bedeutet, zeigt Aichach. Stadtpfarrer Herbert Gugler betreut dort mit seinem Team drei Pfarreien und vier Filialkirchen, zusammen rund 9.000 Gläubige.
Priestermangel dürfte sich weiter verschärfen
Insgesamt ist die Zahl der Neupriester deutschlandweit drastisch zurückgegangen. Laut der Deutschen Bischofskonferenz erlangten 1962 noch rund 600 Männer das Priesteramt. 2025 waren es bundesweit nur 25. Dieses Jahr sind es 30, wie aus einer Umfrage bei den 27 Bistümern hervorgeht.
Auch Priesterausbilder Wolfgang Lehner zeigt sich besorgt, wie das Leben der Kirche vor Ort weitergestaltet werden kann: "Da ist unsere Kirche im Umbruch und die Zahl der Priesterweihen sind natürlich so ein Umbruchsindikator. Aber es verändern sich ja nicht nur die Zahlen der Priesterweihen, sondern auch die Gemeinden insgesamt." Denn auch die Gottesdienstbesucher würden älter und weniger.
Der Personalmangel bei Priestern dürfte sich weiter verschärfen: Jahrgänge, in denen es viele neue Priester gab, gehen nun in Rente. Schon jetzt kommen Geistliche aus dem Ausland in bayerische Pfarreien, aus Polen, Indien und anderen Ländern – doch auch sie können die entstehenden Lücken nicht gänzlich schließen.
Vorstoß aus Antwerpen: Bis 2028 verheiratete Männer weihen
Viele Beobachter machen einen weiteren Faktor für den Priestermangel verantwortlich: den Pflichtzölibat. Also das Leben in Ehelosigkeit und sexueller Enthaltsamkeit. Der Bischof von Antwerpen in Belgien, Johan Bonny, hat im März angekündigt, bis 2028 verheiratete Männer für sein Bistum zu Priestern zu weihen. "Unsere Diözesanpriester leben alleine und das ist nicht gesund," sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Eine offizielle Stellungnahme aus dem Vatikan gibt es zu seinem Vorstoß bisher nicht.
Ablehnung aus Bayern: "Auch Jesus habe zölibatär gelebt"
Die bayerischen Bischöfe reagierten verhalten bis ablehnend. Auch Jesus habe zölibatär gelebt, erklärt zum Beispiel der Bischof von Würzburg, Franz Jung: "Was ich von jedem verlange, der als Priester dienen möchte ist, dass er sich bewusst für diese Lebensform Jesu Christi entscheidet." Für ihn bietet ein Ende des Pflichtzölibats auch keine Lösung für den Priestermangel.
Ähnlich sieht das der Leiter des Priesterseminars des Erzbistums München und Freising, Wolfgang Lehner. "Es würde den Pool derer, die das interessant fänden, ein bisschen vergrößern, aber nicht den großen Turnaround bringen."
Kritik am Pflichtzölibat: "Nur ein freiwilliger Zölibat ist glaubwürdig"
Doch es gibt auch in Bayern Kritik am Pflichtzölibat. Christoph Uttenreuter, Pfarrvikar in Erlangen, sagt: "Ich bin mit zehn Mitbrüdern 1988 geweiht worden und von denen haben in den ersten Jahren vier das Priesteramt wegen des Zölibats aufgegeben. Und das waren sehr fähige Männer, die wir auch heute noch sehr gut brauchen könnten." Für ihn sei nur ein freiwilliger Zölibat glaubwürdig.
Die Debatte darum, wie wichtig der Pflichtzölibat für die katholische Kirche ist, gibt es seit vielen Jahren. Und bei so geringen Neupriesterzahlen wird sie wohl regelmäßig wieder kommen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.
