Die "Lailat al-Qadr" hat viele Namen: Nacht der Bestimmung, Nacht des Schicksals, Nacht der Allmacht. Der Koran bezeichnet sie als "besser als tausend Monate". Für Muslime weltweit ist sie der Höhepunkt im Fastenmonat Ramadan.
Wann ist die "Lailat al-Qadr"?
Nur: Wann genau diese besondere Nacht ist, ist nicht eindeutig. Sie soll eine der ungeraden Nächte der letzten zehn Ramadan-Nächte sein. Sunnitische Quellen deuten darauf hin, dass die 27. Nacht die wahrscheinlichste ist. Es gibt aber auch Interpretationen, nach denen ihr Zeitpunkt von Jahr zu Jahr wechseln könne.
Um sicherzugehen, die "Nacht der Bestimmung" bewusst mitzuerleben, verbringen viele gläubige Muslime alle letzten zehn Ramadan-Nächte in der Moschee – oder widmen sich zu Hause Gebeten und Koranlesungen.
"Die letzten zehn Nächte sind für mich die wichtigste Zeit im Jahr", sagt auch Zafira aus München im Gespräch mit BR24. In diesem Jahr sind zeitgleich Semesterferien, weshalb die 20-jährige Studentin möglichst viele Nächte in der Moschee verbringen will. Von ihrem Minijob hat sie sich extra Urlaub genommen.
Was macht die "Lailat al-Qadr" so besonders?
Aber was macht die "Lailat al-Qadr" so besonders? Laut islamischer Tradition hat in dieser Nacht die Herabsendung des Korans begonnen. Die Nacht markiert für Muslime damit ein gewichtiges Ereignis: den Beginn der letzten göttlichen Botschaft an die Menschheit.
In der 97. Sure des Korans heißt es, dass in der "Nacht der Bestimmung" Engel herabkommen – und dass es eine Nacht voller Frieden sei. Muslime gehen davon aus, dass zu keinem anderen Zeitpunkt so viele Engel auf der Erde seien wie in dieser einen Nacht, sagt Belmin Mehic, Imam des Münchner Forums für Islam.
"Laut einer bekannten Überlieferung sind es mehr Engel, als es Kieselsteine auf der Erde gibt." Selbst Gabriel sei laut Mehrheitsmeinung der Gelehrten dabei – einer der ranghöchsten Engel, der sonst nur für die Überbringung von göttlichen Botschaften herabkomme.
Mehr Engel als sonst auf Erden: Schicksal für das kommende Jahr
Der Koran beschreibt zudem, dass die Engel "mit jeder Angelegenheit" herabgesandt werden. "Traditionell wird darunter verstanden, dass in dieser Nacht Gott die Ereignisse des kommenden Jahres festlegt und sie den Engeln übermittelt", sagt Serkan Sarıkaya vom Muslimischen Bildungswerk Bayern (MBB).
"Da geht es um alles, was dem Menschen im nächsten Jahr passiert, Gutes und Schlechtes." Die Ereignisse würden in der "Lailat al Qadr" niedergeschrieben – daher auch die Bezeichnung als Nacht der "Bestimmung" oder des "Schicksals". Damit die Niederschrift für das kommende Jahr positiv ausfällt, sprechen Muslime in den Nächten besonders viele Bittgebete.
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Platzprobleme in bayerischen Moscheen
Moscheen bieten in den letzten zehn Ramadan-Nächten gemeinschaftliche Nachtgebete und Zusatzprogramm an. In islamischen Ländern wird oft auch auf Straßen gebetet – vor allem in den ungeraden Nächten reicht der Platz in vielen Moscheen nicht aus.
Auch hierzulande wird es in muslimischen Gebetshäusern eng. Moscheen würden deswegen zusätzliche Flächen fürs Gebet schaffen, sagt Sarıkaya. Büros, Jugendräume und selbst Küchen würden umfunktioniert. Moscheen mit Innenhöfen oder Vorgärten legten in den vergangenen Jahren Teppiche aus, damit Menschen im Freien beten können.
Winterliche Temperaturen erschweren die Lage
Der Fastenmonat Ramadan verschiebt sich allerdings jährlich um zehn oder elf Tage nach vorne. Heuer hat er parallel zur christlichen Fastenzeit begonnen – in der Winterzeit. Im Freien zu beten ist inzwischen zu kalt.
"Es müssen überdachte und gegebenenfalls beheizte Räumlichkeiten geschaffen werden", sagt Sarıkaya. Er wisse beispielsweise von Moscheen in Regensburg und Erlangen, die Zelte mit Teppichen und Heizstrahlern aufstellen.
Aber auch wenn sich Moscheen bemühen, mehr Platz zu schaffen: "In der Moschee ist es immer randvoll, überfüllt von Menschen, insbesondere in der 27. Nacht", sagt Zafira. Das sei anstrengend – aber zugleich schätze sie das Gemeinschaftsgefühl und die besondere Spiritualität der Nächte. "Man nimmt es einfach hin, dass es bisschen eng ist."
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