Es wird geschweißt und gebohrt: Die Arbeiten am Bahnhof Laaber sind im vollen Gange. Hier sollen Fahrgäste künftig auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl ganz einfach barrierefrei und ebenerdig in die Züge einsteigen können.
Bernhard Liedl ist auf den Rollator angewiesen. Als die Bahn angekündigt hat, den Bahnhof "vollständig barrierefrei" auszubauen, war seine Freude groß. Endlich kann er mit seiner Enkelin nach Regensburg fahren, dachte er. Doch der Bahnhof bleibt für ihn ein Hindernis.
Bahn lässt Rampe entfernen
Der Grund ist eine Unterführung, die beide Bahnsteige verbindet. Diese ist nur noch über Treppen erreichbar. Damit hat sich die Situation für Bernhard Liedl trotz des barrierefreien Umbaus des Bahnhofs sogar noch verschlechtert. Denn bisher waren in der Unterführung zumindest einfache Rampen verbaut. Nichts für Rollstuhlfahrer, aber Kinderwagen konnten zum Beispiel darüber von einem Gleis zum anderen geschoben werden.
Doch diese Rampen gibt es nun nicht mehr. Die Bahn hat sie im Rahmen der Modernisierung des Bahnhofs entfernen lassen. "Wie man so etwas planen kann, das verstehe ich nicht", sagt Liedl und schüttelt den Kopf.
"Eine Katastrophe für uns"
Die Bahn plant auch keinen Ersatz für die entfernten Rampen. "Das ist eine Katastrophe für uns", sagt Bürgermeister Hans Schmid. Eltern mit Kinderwagen hätten nun ein Problem: Wenn sie morgens ihr Auto auf der einen Bahnsteigseite parken und an Gleis 1 wegfahren, kommen sie nicht mehr zum Auto, wenn sie bei der Rückfahrt an Gleis 2 ankommen, sagt Schmid. Er habe der Bahn als Alternative angeboten, einfache Blechrampen auf Gemeindekosten anbringen zu lassen. Auch die Versicherung würde der Markt übernehmen. Bisher habe er aber noch keine Antwort der Bahn bekommen.
Für Bernhard Liedl ist der Bahnhof nach dem Umbau ein Hindernis.
Rechtliche Bedenken
Gefragt nach den Gründen, argumentiert die Bahn mit Verordnungen. "Der Einbau von Schiebespuren für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer in Treppenanlagen ist nach der aktuellen Rechtslage und den europaweit geltenden Vorschriften im Bahnbereich nicht mehr zulässig. Eine Wiederherstellung der bisherigen Kinderwagenspur ist ebenfalls nicht mehr möglich, da der Bestandsschutz nicht mehr gilt", teilt eine Sprecherin mit. Die Pläne seien im intensiven Austausch mit der Kommune abgestimmt worden. Frühzeitig sei über die baulichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen informiert worden.
Es fehlen 250 Reisende pro Tag
Ein barrierefreier Ausbau der Unterführung – etwa mit einem Aufzug – sei erst ab tausend Reisenden pro Tag möglich. Laaber liege hier darunter. Daher bestehe keine finanzielle Grundlage für eine weitergehende Barrierefreiheit. Laut Bürgermeister Schmid liege die Zahl bei circa 750 Reisenden.
Ein weiteres Argument der Bahn ist, dass die barrierefreie Erreichbarkeit beider Bahnsteige über das öffentliche Wegenetz gegeben sei. Diese öffentlichen Wege sind für viele Menschen in Laaber aber keine Alternative. Möchte man ohne Treppen von einem Gleis zum anderen, ist der Umweg über 700 Meter lang und führt weitgehend entlang einer vielbefahrenen Straße ohne Gehweg oder sonstiger Absicherung für Fußgänger. Für Menschen mit Rollstuhl oder Kinder in Kinderwägen viel zu gefährlich, sagt Bürgermeister Schmid. "Wer die Gefahren-Situation an den Straßen kennt, kann das nicht als Möglichkeit sehen. Die Leute sind stinksauer, verständlicherweise. Und ich finde das eigentlich einen Saustall."
Bahnhof wird Thema im Landtag
Rollatornutzer Bernhard Liedl wünscht sich mehr Druck von der Gemeinde und Politik auf die Bahn. Er kann nicht verstehen, dass sich deren Verantwortliche hinter Paragrafen verschanzen. "Man muss halt auch mal Fünfe gerade sein lassen und dann mal schauen, was ist für die Allgemeinheit gut ist", sagt Liedl.
Immerhin ist der Bahnhof Laaber nun auch im Bayerischen Landtag als Thema angekommen. Der Regensburger Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol hat an die Staatsregierung dazu eine parlamentarische Anfrage gestellt. "Es wäre ein fatales Signal, wenn die Haltestelle Laaber trotz der angekündigten Generalsanierung nicht vollständig barrierefrei ausgebaut würde. Wer Barrierefreiheit verspricht, muss sie auch konsequent umsetzen", sagt Mistol. Er erwarte von der Staatsregierung ein klares Engagement gegenüber dem Bund und der Deutschen Bahn, damit die zugesagten Maßnahmen ohne Abstriche umgesetzt werden.
Im Video: Laaber – Ärger um "Barrierefreiheit" am Bahnhof
Bahnhof Laaber
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