Nach wachsender Kritik an seiner Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zieht Jens Spahn Konsequenzen. Ihm sei in den letzten Tagen bewusst geworden, dass sein persönliches Glück, eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar sei mit seinem politischen Amt, schreibt Jens Spahn in einem Brief an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Die Einschätzungen dazu fallen unterschiedlich aus – ein Überblick:
- Zum Artikel: Unionsfraktionschef Spahn tritt zurück
Söder zollt Spahn Respekt
CSU-Chef Markus Söder hat Unionsfraktionschef Jens Spahn für dessen Rücktritt seinen Respekt gezollt. Söder sagte, dies sei "eine persönliche Entscheidung" und dafür gebühre ihm Respekt. "Ich danke Jens Spahn für die sehr gute Zusammenarbeit, gerade in schwierigen Zeiten." Das sagte der bayerische Ministerpräsident der Deutschen Presse-Agentur in München. Spahn war in den vergangenen Tagen, auch aus der CSU, immer stärker unter Druck geraten.
Holetschek würdigt Lebensleistung, Streibl spricht von Konsequenz
CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek lobte die Lebensleistung von Spahn ausdrücklich. Er habe "großen Respekt" vor dem Schritt, den Spahn jetzt gegangen sei. Spahn habe verschiedenste Ämter bekleidet und sich in einer sicherlich schwierigen Situation nochmals nach vorne bewegt. Laut Holetschek geht es Spahn um die Verpflichtung für den Schutz und die Würde zum Lebensbeginn des Kindes.
Holetschek wörtlich: "Es ist ein Kind auf die Welt gekommen, das möglicherweise irgendwann mal auch sehen wird, was in dieser Zeit passiert ist." Das sei etwas, das ihn in der aktuellen Diskussion um das Verbot der Leihmutterschaft auch bewege, so Holetschek.
Der Fraktionschef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Florian Streibl, wollte den Rücktritt Spahns erst gar nicht kommentieren. Auf BR24-Nachfrage sagt er dann: "Der Schritt ist konsequent und nötigt Respekt ab."
SPD sieht Widerspruch zwischen Politik und Privatleben
Der Fraktionschef der SPD im Bayerischen Landtag, Holger Grießhammer, respektiert den Rücktritt Spahns und findet ihn richtig: "Ein solcher Widerspruch zwischen Politik und Privatleben ist für die Menschen zu Recht nicht mehr nachvollziehbar", sagt Grießhammer auf BR24-Nachfrage. "Natürlich respektiere ich Spahns persönliches Familienglück – der Glaubwürdigkeit der Politik aber hat Spahn sehr geschadet", so der SPD-Politiker. Laut Grießhammer war ein Rücktritt unausweichlich.
Grüne: "Seine persönliche Entscheidung ist ja nur die Spitze des Eisbergs!"
Die Fraktionschefin der Grünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, hält den Rücktritt Spahns ebenfalls für richtig: "Seine persönliche Entscheidung ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Ungeklärte Fragen um Maskendeals, Spendendinner, die Treffen im Netzwerk um Peter Thiel – die Liste seiner Verfehlungen ist lang", betont Schulze. "Wer politisch so handelt, zerstört Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Persönlich wünsche ich ihm und seiner Familie alles Gute."
AfD: "Spahn war schon länger nicht mehr tragbar!"
Aus Sicht des Landesvorsitzenden der AfD in Bayern, Stephan Protschka, war der Unionspolitiker Jens Spahn "schon länger nicht mehr tragbar". Spahn hätte sich "eigentlich schon für seine Maskendeals rechtfertigen müssen", sagt Protschka auf BR24-Anfrage: "Allerdings hätte es da mit Sicherheit mehrere Unionspolitiker getroffen. Jetzt mit dem modernen Menschenhandel, genannt Leihmutterschaft, muss er zurecht zurücktreten", so Bayerns AfD-Chef.
Im Video: BR-Korrespondent Jakob Mayr zum Rücktritt von Spahn
BR-Korrespondent Jakob Mayr zum Rücktritt von Spahn
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