"Das war auf dem Heft eines Schülers, (da) wurde ein Davidstern gekritzelt und dann ein Pfeil drauf, und da stand ganz groß 'Dreck'", berichtet eine Lehrerin. "Ein dunkelhäutiger Freund von mir (…) wurde immer ausgeschlossen – wegen seiner Hautfarbe. Und da haben sie immer so rassistische Sachen zum Beispiel auf die Tafel geschrieben oder zum Beispiel ihn als Schwein gezeichnet", erzählt ein Schüler. Dies sind nur einige Vorfälle, die Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen BR24 erzählt haben – und es sind keine Einzelfälle.
- Zur BR24 Reportage: Rechtsextremismus an Schulen – wie Lehrkräfte damit umgehen
Ende 2025 hatte der Bayerische Rundfunk staatliche und kommunale Schulen im Freistaat angeschrieben: Fast 600 Schulen machten bei der nicht-repräsentativen Befragung mit. 66 Prozent von ihnen berichten von menschen- und demokratiefeindlichen Vorfällen im Schuljahr 2024/25. 74 Prozent ordneten die Vorfälle dem politisch rechten Spektrum zu.
Fachstelle für Demokratie: 58 Vorfälle alleine in München
Eine bayernweite Statistik gibt es nicht, aber Zahlen aus München: Städtische Schulen sind verpflichtet, Vorfälle mit menschenfeindlichen oder volksverhetzenden Hintergründen zu melden. Die städtische Fachstelle für Demokratie (externer Link) erfasst Diskriminierung und rechten Hass an Schulen. 2025 wurden der Stelle allein 58 rechte Vorfälle gemeldet, 2024 waren es 47.
BLLV-Präsidentin: "Politische Bildung in die Mitte platzieren"
Wie kann man Jugendliche so stärken, dass sie sich nicht von völkischen Parolen oder Videos rechtsextremer Akteure angesprochen fühlen, dass sie deren Taktiken durchschauen, dass sie sich nicht anwerben lassen? "Wir müssen jetzt ernst machen und manche Fächer, manche Inhalte, manche On-Top-Kompetenzen beiseite rutschen und die Demokratiebildung, die politische Bildung in die Mitte platzieren, weil es an der Zeit ist", sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV).
Viele Schulen wie eine schwäbische Mittelschule machen dies bereits – mit großem Engagement. Details zur Klasse dürfen nicht genannt werden, um die Jugendlichen und Lehrer zu schützen. Ein Lehrer zeigt seiner Klasse zwei Fotos: Das eine Foto stammt aus der NS-Zeit, das andere zeigt ein antisemitisches Graffito von heute. Wie kann es sein, dass noch immer dieselben Parolen verbreitet werden, fragt er die Schülerinnen und Schüler. "Weil es gibt immer noch Menschen, Neonazis (…), die Hitler noch glauben, die verehren ihn immer noch und machen dieselben Sachen wie früher", sagt ein Teenager. "Man könnte ja eigentlich meinen, man hätte vielleicht daraus etwas lernen können", sagt der Lehrer. "Aber wie wir vielleicht hier sehen, gilt es nicht für alle Menschen. Und das ist ein Problem für unsere Demokratie."
Aufklären über Symbole
Aufklären über die Methoden und Symbole von Extremisten; zeigen, wie wichtig und wertvoll die Grundrechte sind. Das ist auch dem Apian-Gymnasium in Ingolstadt wichtig. Das Gymnasium hat einen Workshop der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE/externer Link) – gebucht. BIGE-Mitarbeiter Thomas Estrada schaut sich mit den Jugendlichen Symbole und Codes an. Er klärt sie zum Beispiel über Zahlencodes wie die 18 auf – die Buchstabenfolge A (1) und H (8) bilden die Initialen von Adolf Hitler. Estrada zeigt auch typische Motive mit Reichsadler. "Wenn ein Aufkleber irgendwo auf dem Ordner drauf ist, wo drauf steht: 'Fuck Nazis', gehe ich doch davon aus, dass er sich einfach gegen Nazis engagiert", fasst Estrada zusammen. "Wenn der einen Turnbeutel trägt, wo nur FCN draufsteht, gehe ich davon aus, dass er Fan vom 1. FC Nürnberg ist. Und wer ein T-Shirt trägt, wo ein Hakenkreuz drauf ist, dann wird wahrscheinlich auch (ein) Hakenkreuz drin sein."
Demokratie im Schulalltag
Doch nicht nur Aufklärung ist wichtig, Demokratie muss nach Ansicht von Experten wie Robert Roedern von der Staatlichen Schulberatungsstelle in München im Schulalltag gelebt werden – zum Beispiel in Klassenräten, Diskussionsrunden oder Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schüler. "Demokratie sollte in jedem Augenblick des Zusammenlebens und Lernens eine Rolle spielen und bedeutsam sein", betont Roedern. Es müssten Möglichkeiten zur Partizipation geschaffen werden. "Ich glaube, damit stärken wir Menschen, dass sie den Vereinfachern weniger hinterherlaufen."
Auch die Medienkompetenz des Bayerischen Rundfunks hat sich mit dem Thema Rechtsextremismus an Schulen befasst und im März ein Gespräch mit BR-Reporter Sammy Khamis, Experten und Jugendlichen organisiert. Zum Video: Hakenkreuze, Parolen, Hitlergruß - Schulen im Visier
Zum Audio: Rechtsextremismus an Schulen – wie Lehrkräfte damit umgehen
Symbolbild: Rechtsextremismus an Schulen – Wie Lehrkräfte damit umgehen?
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