Sie fürchten, sprichwörtlich unter die Räder zu kommen. Eine Gruppe von Mühlenbesitzern trifft sich bei Hartmut Kolb in Unterzettlitz bei Kulmbach. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) treibt sie um. Ab dem nächsten Jahr könnten sie keine Vergütung mehr für ihre kleinen Wasserkraftwerke bekommen. Das würde das Aus für die teilweise über 100 Jahre alten Anlagen bedeuten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich zuletzt wegen hoher Kosten für einen Kurswechsel in der Energiepolitik ausgesprochen. Für Kritik sorgt vor allem ihr geplantes sogenanntes Netzpaket. Damit soll der Ausbau von Wind- und Solaranlagen stärker an den Netzausbau gekoppelt werden.
45 Flusskraftwerke gibt es im Landkreis Kulmbach
Hartmut Kolb zeigt zwei unscheinbare eiserne Zahnräder. Sie sind Einzelanfertigungen und hätten zusammen 9.000 Euro gekostet, berichtet Kolb, ziemlich viel Geld für den nebenberuflichen Stromerzeuger. Die Banken jedoch verlangen feste Einnahmen aus der Stromproduktion für einen Kredit. Hartmut Kolb produziert in seiner Frischenmühle in Unterzettlitz Strom für etwa 50 Haushalte. 365 Tage im Jahr, solange der Rote Main seine Turbine antreibt. 45 solcher Flusskraftwerke gibt es im Landkreis Kulmbach, sie produzieren zusammen etwa 6.000 Megawattstunden Strom im Jahr.
Mühlen als Notstromaggregate
Während sich im Mühlenhaus die Turbine unermüdlich dreht, tragen die Wassermüller ihre Bedenken vor. Emmi Zeulner ist gekommen, CSU-Bundestagsabgeordnete für Kulmbach. Sie berichtet von den Diskussionen über die EEG-Novelle und dass sie sich für die regionale Energieerzeugung einsetze. Die Wasserkraft hat zwar einen geringen Anteil am Energiemix, ist aber grundlastfähig, weil immer verfügbar. Sie sei auch nicht angreifbar durch Hacker. "Im Grunde haben wir hier viele Notstromaggregate", meint die Kulmbacher Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger.
Sorge um Planungssicherheit der heimischen Wirtschaft
Im Aktionsbündnis Energiewende Nordbayern haben sich die Wassermüller, die Betreiber anderer Erneuerbarer-Energieanlagen, die Klimaschutzmanagerin, die IHK und die Energieagentur Nordbayern zusammengeschlossen. Auch die heimische Wirtschaft brauche Planungssicherheit in Sachen Energie, meint Michael Otte vom IHK-Gremium Kulmbach. Flächen-Photovoltaikanlagen, Windkraftanlagen, Batteriespeicher könnten durch die EEG-Novelle auf der Kippe stehen, erklärt Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern.
Und dabei gehe es um große Summen, rechnet er vor: Ein Windrad mit sieben Megawatt Leistung kostet zehn Millionen Euro. Das finanziere keine Bank, wenn es keine gesicherte Zusage für Einnahmen gebe. Deshalb ist die EEG-Novelle momentan wie ein Ausbaustopp, sagt Markus Ruckdeschel.
Beispiel: Speichersdorf im Landkreis Bayreuth
Das könnte Speichersdorf im Landkreis Bayreuth treffen. Die 5.000 Einwohner-Gemeinde plant einen Windpark und einen großen Batteriespeicher. Es wurde Zeit und Geld in Planungen gesteckt, dazu die Gespräche mit den Bürgern. "Das wäre alles für die Katz' gewesen", sagt Bürgermeister Christian Porsch enttäuscht. Sie haben jetzt schon 60 Hektar Flächen-PV Anlagen, Hackschnitzel-Kraftwerke für Fernwärme und Biogasanlagen. Die Gemeinde produziert fast viermal so viel Strom, wie sie selbst verbraucht.
Der 30 MW-Speicher könnte sogenannte Dunkelflauten – wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht – abpuffern. Speichersdorf möchte so energieautark werden, sagt der Bürgermeister. "Wir liefern regional erzeugten Strom und sind nicht von einer Straße von Hormus abhängig."
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