Es ist modernste Drohnentechnologie, die hier im Wald der Universität Würzburg eingesetzt wird. Zwei Drohnen überfliegen mehrere Tage lang den Wald bei Sailershausen. Das Ziel: Forstleiter Daniel Kraus will wissen, wie viele Rehe in dem 2.200 Hektar großen Gebiet leben. "Ich bin sehr gespannt", sagt Kraus, "denn wenn wir ehrlich sind, stochern wir Förster und Jäger im Dunkeln, niemand weiß, wie viele Rehe in unseren Wäldern leben." Bisher galt, Rehe könne man nicht zählen, denn die Tiere sind scheu und verstecken sich gut.
Drohne macht hochauflösende Fotos von Rehen
Die Drohnen der Firma OGF aus Dresden besitzen hochauflösende Kameras, mit denen sie aus 120 Metern Höhe jedes Reh und sogar die winzigen Gehörne der jungen Böcke erkennen können. Die Drohnen fliegen in 50 Meter breiten Streifen über den Wald. Auf dem Display des Piloten Niklas Bielefeld wird ein Reh sichtbar, er zoomt hinein, es ist ein Bock. Das Tier bleibt ruhig, bewegt sich nicht einmal. "Das stört die gar nicht", sagt er, "die bemerken die Drohne nicht einmal." Der Drohnenpilot macht ein Foto vom Tier, setzt eine digitale Markierung, um es nicht erneut zu zählen, und fliegt weiter.
Verbissgutachten ohne Konsequenzen
Bisher ist das alle drei Jahre stattfindende, staatliche Vegetationsgutachten die Grundlage für die Abschussplanung in Bayern. Je stärker der Rehverbiss an den jungen Bäumen, umso höher die Abschussquote, damit der junge Wald ohne Schutz wachsen kann. Soweit die Theorie.
Praktisch ist die Hälfte der bayerischen Hegegemeinschaften seit Jahren im roten Bereich, der Verbiss im Wald ist hoch, an den Abschüssen ändert sich nichts. Im Gegenteil, Förstern wie Daniel Kraus, die ihre Jagd intensivieren, um den Wald zu schützen, wird vorgeworfen, die Rehe auszurotten. Deshalb möchte Kraus nun Zahlen haben. "Faktenbasiertes Rehmanagement", nennt er das. "Ich werde die Daten der Drohnenzählung zugrunde nehmen, um unsere künftigen Abschüsse zu planen."
Novum in Bayerns Wäldern
Der Forstbetrieb der Universität Würzburg im unterfränkischen Sailershausen ist der erste in Bayern, der die moderne Technologie anwendet. Neben der absoluten Anzahl der Rehe zeigen die Drohnendaten auch, wo in dem riesigen Gebiet sich besonders viel Wild aufhält. Dort könnte künftig schwerpunktmäßig gejagt werden.
Außerdem zeigen die präzisen Fotos, ob es sich um Rehböcke oder Geißen handelt. Auch das ist wichtig für die Abschussplanung, denn Geißen bekommen demnächst Kitze, sie sind also für das Anwachsen der Reh-Population zuständig. Bisher tappen Bayerns Jäger hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses völlig im Dunkeln.
Drohnenzählung für Abschussplanung
Am Ende der dreitägigen Zählung sind es durchschnittlich 30 Rehe pro 100 Hektar im Uni-Wald von Sailershausen. Ob das viel oder wenig ist, kann bisher niemand einordnen, das hängt auch vom jeweiligen Wald ab. Aber Daniel Kraus wird die Zählung wiederholen und dann über die Jahre sehen, welchen Effekt seine Jagd hat: auf den Rehbestand und damit auf den Wald.
Ein Ergebnis hat ihn aber jetzt schon überrascht: 80 Prozent der Rehe sind weiblich. Wenn sie ihre Kitze bekommen, wird der Rehbestand bis zum Herbst anwachsen. Hier könnte Daniel Kraus jagdlich ansetzen.
Auswertung mit Wildbiologen
Die Drohnenzählung könnte die Abschussplanung in Bayern revolutionieren, da ist sich Daniel Kraus sicher: "Es ist aus meiner Sicht die Grundlage für eine neue Art von Abschlussplanung." Ob sich das Verfahren durchsetzt, wird sich zeigen. Die Kosten belaufen sich auf eine fünfstellige Summe. Daniel Kraus wird sich nun erst einmal mit Wildbiologen und Jägern zusammensetzen, die Daten auswerten – und dann die Jagdplanung entsprechend ausrichten.
BR24 auf Instagram: Rehe zählen mit Drohnen
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
