Seit Januar hatte sich die 13-köpfige Rentenkommission immer wieder getroffen und Vorschläge erarbeitet. Das Ziel: Die deutsche Rente zukunftssicher machen. Ihre Finanzierbarkeit steht durch den demografischen Wandel vor großen Herausforderungen. Nach BR24-Informationen sind dabei rund dreißig Empfehlungen entstanden. Ein Überblick.
Renteneintrittsalter moderat anheben
Künftig soll sich der Renteneintritt an der Lebenserwartung orientieren. Das soll regelmäßig überprüft werden. Vorgesehen ist ein stufenweiser langsamer Anstieg: Für heute 30-Jährige könnte das bedeuten, das sie statt mit 67 erst im Alter von 68 Jahren in Rente gehen könnten. Sinkt die Lebenserwartung, könnte dadurch auch wieder das Renteneintrittsalter nach unten korrigiert werden.
Die Kommission hat sich überlegt, dass das Verhältnis Arbeitsjahre zu Rentenjahre ungefähr bei zwei zu eins liegen sollte: 40 Jahre Beitragszahler, 20 Jahre Rente. Die Rente mit 70 ist damit zunächst vom Tisch.
Rente mit 63 abschaffen
Ein weiterer Vorschlag lautet: Die Rente mit 63 abschaffen. Ob Menschen früher in Rente gehen können, soll nicht mehr von der Zahl der Beitragsjahre abhängen, sondern vom individuellen Gesundheitsstatus. Die Idee dahinter: Kranke Menschen haben ein höheres Risiko früher zu sterben, deshalb sollen sie früher in Rente gehen können. Der vorzeitige Renteneintritt mit Abschlägen soll weiter möglich sein.
Schwedenmodell übernehmen
Um das Rentensystem zu stabilisieren, empfiehlt die Kommission eine kapitalgedeckte staatliche Altersvorsorge nach dem sogenannten Schwedenmodell. Diese soll verpflichtend für alle eingeführt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen sich jeweils zu gleichen Teilen an der Finanzierung beteiligen. Die Beiträge in die Rentenversicherung würden also steigen. Die Auszahlung wäre - anders als im bisher geltenden Umlageverfahren - individuell für jeden anders.
Das könnte nach Ansicht der Kommission für alle, die nach 2040 in Rente gehen, höhere Renten bringen. Verwaltet werden soll die neue Säule in einem Staatsfond. Ein Teil der Rentenbeiträge soll am Aktienmarkt angelegt werden.
Eine verpflichtende Betriebsrente will die Kommission nicht empfehlen. Die Höhe der Renten soll weiterhin an die Lohnentwicklung gekoppelt sein – allerdings nicht zu 100 Prozent, sondern leicht gedämpft durch den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor.
Mehr Menschen sollen einzahlen
Grundsätzlich schlägt die Kommission vor, dass mehr Menschen ins System einzahlen sollen. Mittel- bis langfristig soll dann die gesetzliche Rentenversicherung auch für Selbständige, Beamte und Abgeordnete verpflichtend sein. Ausgenommen sind Berufsgruppen, die eigene Versorgungswerke haben.
In einer Übergangsphase sollen die Beamtenpensionen näher an das Rentensystem herangeführt werden. Zum Beispiel könnte sich die Höhe der Pension an längeren Bezugszeiten als bisher orientieren. Dann wäre nicht mehr das Gehalt am Berufsende alleine ausschlaggebend für die Höhe der Pension.
Höhere Freibeträge für Ärmere
Außerdem hat sich die Kommission auch Gedanken um Menschen in der Grundsicherung gemacht: Sie sollen dank größerer Rentenfreibeträge künftig mehr Rentenzahlungen behalten dürfen. Dadurch hätten sie insgesamt mehr Geld zu Verfügung.
Kritisch bewertet die Rentenkommission die Mütterrente, fordert aber keine Abschaffung.
Fazit: Rentenbeiträge könnten steigen
Die Veränderung beim Renteneintrittsalter und bei den zusätzlichen Beitragszahlern soll sich dämpfend auf mögliche Beitragssteigerungen auswirken. Und auch das Rentenniveau soll davon profitieren. In der Kombination mit der kapitalgedeckten Säule nach schwedischem Modell könnten die Rentenbeiträge aber steigen.
Am kommenden Dienstag wollen Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Empfehlungen der Rentenkommission offiziell entgegennehmen. Danach entscheidet die Regierung, welche der Empfehlungen sie übernimmt und dem Bundestag vorlegt.
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