Symbolbild: Hände einer alten Person mit Telefon
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Ein Rentner hat zum vierten mal den Behörden geholfen, Betrüger festzunehmen. Er hielt einen Schockanrufer hin, bis die Behörden eingriffen.
Bildrechte: Rechtehinweis dpa-Bildfunk/Roland Weihrauch
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Ein Rentner hat zum vierten mal den Behörden geholfen, Betrüger festzunehmen. Er hielt einen Schockanrufer hin, bis die Behörden eingriffen.

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Schockanruf: Rentner hilft erneut beim Überführen von Betrüger

Schockanruf: Rentner hilft erneut beim Überführen von Betrüger

Der Coup ist gelungen - und zwar dem, der eigentlich das Opfer hätte sein sollen. Ein 79-Jähriger hat der Polizei zum vierten Mal die Festnahme von Kriminellen ermöglicht. Geschafft hat er das dank seines besonderen Talents.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 1 am Nachmittag am .

Es hätte ein Schockanruf sein sollen, aber ein gewiefter Pullacher Rentner half, den Betrüger zu überführen. Am Montag hielt er ihn so lange am Telefon hin, bis die Polizei eingreifen konnte.

Den Anrufer mit Schauspiel-Talent hingehalten

Der Schockanrufer weinte und behauptete, er sei der Sohn des Angerufenen. Unmittelbar darauf übernahm ein vermeintlicher Polizeibeamter den Hörer. Der "Vater" müsse 80.000 Euro Kaution für seinen "Sohn" zahlen, weil dieser einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe und sonst ins Gefängnis müsse. Der Rentner Bruno Schmaus durchschaute den Trick sofort und hielt den Anrufer so lange hin, bis die Polizei den 21 Jahre alten Abholer bei der fingierten Übergabe in Pullach bei München festnehmen konnte. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich laut Polizei um einen polnischen Staatsangehörigen ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Wie er es schaffen konnte, mit dem Anrufer so lange zu telefonieren, wird klar, wenn Bruno Schmaus den Tathergang erzählt. Mit hoher, weinerlicher Stimme sagt er jammernd: "Wissen Sie, ich sehe fast nichts mehr, ich habe sechs Dioptrien", um zu erklären, warum er die Aufschrift auf der vermeintlich vor ihm liegenden Goldmünze nicht lesen kann. Die Aufforderung, seine Wertsachen zum Amtsgericht zu bringen, habe er abgewimmelt, indem er gesagt habe: "Ich kann nimmer Auto fahren, ich bin die Kellertreppe runtergestürzt und war im Krankenhaus, die Wirbelsäule ist kaputt".

Love-Scam, Enkeltricks und überteuerte Teppiche

Der 79-Jährige hat Erfahrung mit Betrügern, die Menschen unter Druck setzen wollen, um an ihr Erspartes zu kommen. Den Anfang machten vor rund 20 Jahren typische Internetbetrügereien samt einer vermeintlich hochzeitswilligen Online-Geliebten aus Thailand, wie Schmaus freimütig berichtet. Der kam er auf die Schliche, doch beim ein oder anderen Anlass fiel er auch mit geringen Beträgen auf die Nase. "So habe ich nach und nach gelernt, dass man sehr aufpassen muss, dass man nicht auf irgendwas reinfällt."

2014 versuchte eine Bande zum ersten Mal, Schmaus mit einem Enkeltrick aufs Kreuz zu legen: Er sitze gerade beim Notar und brauche dringend Geld, um eine günstige Wohnung zu kaufen, bevor sie ihm ein anderer wegschnappe, erzählte ihm sein vermeintlicher Nachfahre. Zweieinhalb Stunden hielt Schmaus den Anrufer am Telefon. Parallel alarmierte er die Polizei. Am Ende scheiterte eine Festnahme daran, dass der Abholer die Adresse nicht fand.

Wenig später folgte ein weiterer Enkeltrick mit einer Frau, die sich "Anna" nannte. Mit ihr habe er "so ein Theater aufgeführt, da habe ich den total dementen alten Mann gespielt", erzählt Schmaus mit Schalk in den Augen. Diesmal konnte die Polizei die Abholerin festnehmen. Als nächstes sorgte Schmaus für die Festnahme zweier Teppichhändler, die ihm an seiner Haustüre überteuerte Exemplare andrehen wollten. 2023 dann der erste Schockanruf - auch hier die klassische Nummer mit dem Verkehrsunfall. Die Polizei nimmt die Abholerin fest, sie wird zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Polizei rät bei betrügerischen Telefonaten zum Auflegen

Für fünf Festnahmen in vier Betrugsfällen hat Bruno Schmaus insgesamt gesorgt. Nach seinem letzten Coup schickte ihm die Betrügerbande einen Bestatter vorbei, der seine Leiche abholen sollte. Trotzdem freut sich Bruno Schmaus regelrecht auf den nächsten Kriminellen, der sich mit ihm anlegen will. Markus Nothelfer, stellvertretender Leiter des für Callcenter-Betrug zuständigen Kommissariats der Münchner Polizei schätzt den Erfolg von Bruno Schmaus' schauspielerischen Leistungen, "aber das können wir nicht von jedem erwarten und auch nicht empfehlen." Professionelle Banden setzten ihre Opfer oft unter hohen psychischen Druck. Deshalb empfiehlt die Polizei, aufzulegen und Anzeige zu erstatten.

Laut Bayerischem Landeskriminalamt seien die häufigsten Maschen von Betrügern Enkel- und Schockanrufe sowie "falscher Amtsträger": dabei gibt sich der Kriminelle etwa als Polizist aus, der nach einem angeblichen Überfall in der Gegend "zur Sicherheit" Wertsachen einsammelt. Beides passiert sowohl per Telefon als auch per Messenger wie WhatsApp. Dabei werde Callcenter-Betrug überwiegend aus dem Ausland gesteuert. Auch bei Schmaus wurde beim jüngsten Fall eine ausländische Nummer angezeigt - die gleiche, mit der auch der Bestatter beauftragt worden war.

Mit Material von dpa

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