Das Thermometer zeigt 35 Grad, am Fasaneriesee im Norden von München ist einiges los. Badegäste sonnen sich, viele sind im Wasser. Die Stimmung ist entspannt. Dabei kam es hier erst vor wenigen Tagen zum Ernstfall. Andreas Rösch von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Bayern (DLRG) erinnert sich: "Wir hatten den Fall, dass wir über eine Notrufsäule hier am See informiert wurden, dass eine 60-jährige Münchnerin sich in Wassernot befindet", erzählt er im Gespräch mit BR24. "Unsere Wachcrew ist mit Rettungsboot und Fahrzeug ausgerückt, hat die Person dann intensivmedizinisch versorgt, bis der Notarzt und der Rettungswagen da war."
Die Frau hatte Glück, der schnelle Einsatz rettete ihr Leben. Längst nicht alle Badeunfälle gehen glimpflich aus. Allein seit Beginn der noch kurzen Badesaison sind im Freistaat 17 Menschen ertrunken. Zwölf Menschen kamen in Seen ums Leben, drei in Flüssen. Jeweils ein tödlicher Badeunfall ereignete sich in einem Freibad oder Naturbad. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Badetoten bei insgesamt 84.
Bayern trauriger Spitzenreiter im Bundesvergleich
Allein an diesem Wochenende gab es zwei Badetote: Im Starnberger See ist am Freitagabend ein 23-Jähriger ertrunken. Er war von einem Boot aus ins Wasser gesprungen und dann untergegangen. Im Chiemsee starb kurz zuvor ein 68-jähriger Schweizer. Er war ebenfalls vom Boot aus ins Wasser gegangen.
Im bundesweiten Vergleich ist Bayern bei der Zahl der Badetoten trauriger Spitzenreiter. Thomas Huber, Vorsitzender der Wasserwacht Bayern, erklärt das so: "Dass Bayern die meisten Badetoten hat, liegt daran, dass wir auch die meisten Seen haben, die meisten Fließgewässer." Die Wasserfläche entspreche 172.000 Fußballfeldern, so Huber. "Bayern ist außerdem ein beliebtes Urlaubs- und Tourismusland. Die Menschen kommen hierher, um schwimmen zu gehen."
- Zum Artikel: Mehrere Menschen sterben bei Badeunfällen in Bayern
Pflanzen, Fische oder Treibholz können Schwimmer in Not bringen
Beim Blick auf die Statistik der Wasserwacht fällt auch auf: In den allermeisten Fällen sind die Betroffenen junge Männer im Alter zwischen 20 und 30. Als Grund dafür sieht die Wasserwacht risikofreudiges Verhalten, Leichtsinn und das Bedürfnis, "die Muskeln spielen zu lassen". Selbstüberschätzung spiele grundsätzlich bei den meisten Badeunfällen eine Rolle.
Als weitere Risikogruppe gelten Senioren. Bei ihnen sind es oft gesundheitliche Probleme, die zur Notlage führen. Wer zum Beispiel von der Sonne aufgeheizt zu schnell ins kalte Wasser springt, riskiert einen Herzstillstand. Doch auch sportliche Menschen sind nicht vor einem Hitzeschock gefeit. Die Wasserwacht empfiehlt, langsam ins Wasser zu gehen.
In Naturgewässern werden manche Schwimmer von einer starken Strömung, Wasserpflanzen, Fischen oder Treibholz überrascht und geraten dadurch in Panik. In diesem Fall rät Huber dazu, sich auf den Rücken zu drehen und treiben zu lassen: "So kann ich in Ruhe durchatmen, ohne weitere Kraft zu verlieren." Wer weit schwimmen will, sollte dies grundsätzlich nicht alleine tun.
Wasserwacht entwickelt aufblasbare Boje für Schwimmer
Um die Sicherheit im Wasser zu verbessern, hat die Bayerische Wasserwacht in diesem Jahr eine Schwimmboje entwickelt. Das knallorange Plastikkissen lässt sich aufpusten und an einem Band um den Bauch binden. Beim Schwimmen treibt es hinter einem her, in einer Notlage kann man sich daran festhalten. Nicht nur vorbeifahrende Boote werden durch die auffallende Farbe der Boje schneller auf Schwimmer aufmerksam. Auch Rettungskräfte können einen in Not geratenen Schwimmer besser erkennen.
Dass das Plastikkissen funktioniert, führt Huber bei einem Pressetermin in Münsing am Starnberger See gleich selbst vor. Gemeinsam mit Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), der Schirmherrin der Aktion "Bayern schwimmt", präsentiert er die Boje im Wasser. Der Vorsitzende der Wasserwacht hofft, dass bald viele seinem Beispiel folgen werden: "Eine Schwimmboje ist für Schwimmer wie für einen Radfahrer der Fahrradhelm oder für den Autofahrer der Sicherheitsgurt. Wir wollen damit mehr Sicherheit am Wasser erreichen, dass jeder Schwimmer, jede Schwimmerin in Zukunft selbstverständlich diese Boje mit sich führt."
Die Boje ist online erhältlich, wer sich jedoch keine eigene kaufen möchte, kann sie auch ausleihen. Rund 800 Stück liegen an verschiedenen Stationen der Wasserwacht im Freistaat bereit.
Im Video: Wie kann Baden sicherer werden?
Ilse Aigner testet die neue Boje gemeinsam mit Brigitte Geier, Thomas Huber und Hans-Michael Weisky.
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