Pferde weiden auf einer Koppel.
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Seltenes Bornavirus: Für welche Tiere besteht Gefahr?

Seltenes Bornavirus: Für welche Tiere besteht Gefahr?

In Bayern gibt es deutschlandweit die meisten Infektionen durch Bornaviren. Übertragen werden sie durch Spitzmäuse. Eine Ansteckung ist selten, aber gefährlich – für Menschen und insbesondere Pferde und Schafe. Was Tierhalter wissen sollten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Das Pferd der mehrfachen Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl ist tot. Eine Infektion mit Bornaviren (BoDV-1), die zwischenzeitlich im Raum stand, konnte inzwischen zwar als mögliche Ursache ausgeschlossen werden, dennoch ist das Virus für Pferde eine echte Gefahr.

Allein in der Pferdeklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München werden jedes Jahr etwa zehn mit Bornaviren infizierte Pferde eingeliefert. "Leider verläuft die Infektion tödlich, eine Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht", sagt Klinikleiterin Angelika Schoster. Eindeutig nachweisbar sei das Virus auch erst, wenn das Tier bereits eingeschläfert worden ist. "Das Virus befällt das Gehirn und ist auch nur dort sicher nachzuweisen", so die Veterinärmedizinerin.

Dass sich die Fälle von Bornavirus-Infektionen häufen, kann sie nicht bestätigen: "Die Aufmerksamkeit ist größer geworden, seit es in einigen Regionen Bayerns, wie im Landkreis Ebersberg bei Pferden und im Landkreis Mühldorf zu Fällen bei Menschen kam." Seitdem werde mehr getestet und damit auch mehr Infektionen entdeckt.

Karte: Mutmaßliches Verbreitungsgebiet des Bornavirus BoDV-1

Das Virus wird über Feldspitzmäuse übertragen, sie gelten bis jetzt als einziges Reservoir für das Virus. Bayern gilt neben Ostdeutschland als Verbreitungsschwerpunkt.

Bildrechte: Grafik: Bayerischer Rundfunk | Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut
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Karte: Mutmaßliches Verbreitungsgebiet des Bornavirus BoDV-1

Welche Tierarten sind betroffen?

Theoretisch kann sich nahezu jedes Säugetier mit Bornaviren infizieren. Eine Infektion bei Rindern ist noch nie entdeckt worden. Insbesondere Pferde, Schafe, Alpakas und Lamas scheinen für das Virus empfänglich zu sein. "Wir können noch nicht genau sagen, woran das liegt", so Angelika Schoster von der Pferdeklinik der Universität München. Möglicherweise braucht es spezielle Rezeptoren, an die das Virus andocken kann.

Welche Symptome treten bei Bornavirus-Infektionen auf?

Die Infektion verläuft schleichend. Anzeichen sind Wesens- und Verhaltensänderungen und auch neurologische Störungen. "Dann ist die Erkrankung aber bereits in einem fortgeschrittenen Stadium", so die Veterinärmedizinerin Schoster. Die Inkubationszeit zieht sich über Wochen bis Monate hin.

Wie infizieren sich Pferde und Schafe?

Wie genau die Übertragung von der Feldspitzmaus verläuft, ist noch nicht abschließend geklärt. Alle Ausscheidungen wie Kot, Harn und Speichel gelten als infektiös. "Es ist davon auszugehen, dass Verletzungen der Haut, zum Beispiel an der Lippe, Eintrittspforten für das Virus sind", so Schoster. Aber auch Aerosole: "Wenn virushaltige Stallluft eingeatmet wird. Oder auch über den Magen-Darm-Trakt, also über das Futter."

Wie können Tierbesitzer vorbeugen?

Angelika Schoster empfiehlt, auf Stallhygiene zu achten. Futter sollte auf keinen Fall offen und für Spitzmäuse zugänglich gelagert werden, sondern in geschlossenen Behältern. Werden Spitzmäuse entdeckt, sollte man ihre Nahrungsquelle suchen und sie ihnen entziehen. Feldspitzmäuse sind keine Nagetiere, sondern Insekten- und Aasfresser.

Offene Mülleimer oder frei zugängliches Katzen- oder Hundefutter sollten vermieden werden, um keine Insekten anzulocken. Sind Spitzmäuse im Stall, ist auch bei Reinigungsarbeiten mit Staubentwicklung Vorsicht geboten. Schoster betont aber auch: Spitzmäuse sind streng geschützt. Sie zu fangen oder zu töten, ist verboten.

Besteht Gefahr für Tierhalter?

Dass Tierhalter sich bei Pferden oder Schafen anstecken, ist bisher nie vorgekommen, sagt die Veterinärmedizinerin. Pferde und Schafe gelten als "Sackgassen-Wirte für das Virus, sie produzieren nicht genug Viren beziehungsweise scheiden sie nicht so aus wie die Maus."

Auch wenn Katzen infizierte Mäuse gefangen haben, ist nicht nachgewiesen, dass sie das Bornavirus auf den Menschen übertragen, so das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Trotzdem sollten besonders Katzenbesitzer, deren Haustiere im Freien jagen, tote oder verletzte Mäuse nur mit Handschuhen anfassen und in einer verschlossenen Plastiktüte im Restmüll entsorgen.

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