Wer in die Werkshalle im schwäbischen Klosterlechfeld kommt, der sieht auf den ersten Blick nur einen weißen LKW-Anhänger, nagelneu und mit kleinen Dreiecken auf den Seiten, die immer wieder blau aufleuchten. Innen drin aber stecken ein Hochleistungsrechner und modernste Sensortechnik: die "Multichamber" der Firma Nautilus Labs.
System entdeckt Sprengstoff, Drogen und radioaktive Strahlung
Die "Multichamber" ist ein Sicherheitssystem, das Sprengstoffe, Zünder und vieles mehr entdecken kann, sagt Firmenchef Michael Böck: "Das System hat den großen Vorteil, dass es nicht mehr notwendig ist, Paletten abzupacken und Päckchen einzeln zu prüfen. Sie können hier am Stück geprüft werden".
Neben dem mobilen Container gibt es auch bereits eine feste, große Prüfstation, wo gleich ganze Fahrzeuge getestet werden können. "Wir können sehr einfach und sehr präzise Drogen nachweisen, wir sehen auch radioaktive Strahlung", erklärt Böck.
"Multichamber" analysiert Moleküle
Das Prinzip, nach der die Kammer arbeitet, ist jedes Mal dasselbe: "Wir arbeiten mit der Luft hier im Frachtraum. Das heißt, wir senken den Luftdruck und animieren, dass Moleküle in die Luft übergehen von allen Stoffen, die wir in der Fracht haben. Und ziehen die Luft aus dem Prüfraum hinaus und analysieren."
Böck demonstriert die Leistungsfähigkeit der Multichamber bei einem Test – mit echtem Sprengstoff. Er bestückt eine Frachtpalette mit einem kleinen Glasbehälter, in dem sich der Sprengstoff befindet. Jetzt werden die Türen der Kammer luftdicht verriegelt, der Startknopf gedrückt. Der Prüfvorgang dauert nur wenige Minuten – die Sensoren erkennen den versteckten gefährlichen Stoff, die Außenfläche der Kammer leuchtet deswegen sofort als Warnung rot auf.
Das System sei extrem präzise, sagt Michael Böck: "Stellen Sie sich vor, Sie haben 29 Olympische Schwimmbecken und in denen können wir einen Tropfen nachweisen."
Für Sicherheit an Flughäfen
Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen liegen laut dem Entwickler auf der Hand: Spürhunde brauchen immer wieder Pausen. Und Röntgenstrahlen kommen aktuell nicht allen Gefahrenstoffen auf die Spur. Die Multichamber könnte hier Abhilfe schaffen.
Dazu sollte man wissen, sagt Michael Böck, dass auch in normalen Passagiermaschinen jede Menge Fracht an Bord ist. "Mit den ganzen Onlineverkäufen wird mehr als 60 Prozent der Luftfracht an Bord von Passagiermaschinen geflogen, nicht an Bord von Frachtmaschinen. Wenn Sie in den Urlaub fliegen, ist der Frachtraum mit Fracht gefüllt, Sie fliegen nie allein."
Auch Einsatz bei Veranstaltungen möglich
Jetzt muss die Multichamber am Fraunhofer Institut noch letzte Messtests absolvieren. Danach könnte die Erfindung aus Schwaben bald schon an Flughäfen weltweit oder auch bei großen Veranstaltungen wie der Münchner Sicherheitskonferenz für mehr Sicherheit sorgen.
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