Grundschule Berg am Laim in München: Um 7:45 Uhr macht Thomas Mierke die Türen auf. Der 56‑Jährige war hier vor langer Zeit selbst einmal Schüler, heute steht er jeden Morgen persönlich am Schuleingang und begrüßt Kinder und Eltern. Hausmeister heißt sein Beruf schon lange nicht mehr. Technischer Hausverwalter ist er, zuständig für fast alles bis auf Unterricht und Erziehung.
Es ist der zweite Schultag und ein Junge irrt kurz nach Unterrichtsbeginn etwas verloren durch die Gänge. "Findest du dein Klassenzimmer nicht?", spricht Mierke ihn freundlich an und begleitet ihn ein Stockwerk höher in die richtige Klasse.
Vorbereitungen beginnen schon in den Ferien
Die Schüler kommen gerade frisch aus den Ferien. Thomas Mierkes ist aber schon deutlich länger wieder im Dienst. "Bei uns geht es vierzehn Tage vor Schulbeginn los. Wir starten die Grundreinigung, organisieren interne Umzüge, richten Klassenzimmer ein und vieles mehr."
In den ersten Tagen geht es darum, den Betrieb ins Laufen zu bringen. Mierke verteilt auf allen Toiletten Klopapier und Papierhandtücher, er repariert einen Spülkasten, bringt Stühle, wo welche fehlen, räumt Tische weg, die nicht gebraucht werden.
Hausverwalter: vom Techniker bis zum Psychologen
Für die Lehrer hat Mierke im Lehrerzimmer ein Wünschebuch hinterlegt. Dort dürfen die Pädagogen hineinschreiben, was ihnen auf den Nägeln brennt: In der Klasse 3B klappert eine Tafel, dort geht die Heizung nicht und hier bräuchte es einen neuen Beamer.
Das seien die klassischen Aufgaben, sagt Mierke. Aber als Hausverwalter an einer Schule mache er noch sehr viel mehr. "Wir sind Psychologen, wir sind Mitbetreuer, wir sind Unterstützer für die Lehrer, so verstehe ich mich. Wir sind eine Schulfamilie, nicht nur einfach ein Gebäude."
Schulsozialarbeit immer mehr gefragt
Im Raum gleich neben dem Lehrerzimmer starten die Sozialarbeiterinnen ins neue Schuljahr. Sie bieten Unterstützung in Problemfällen wie Lernschwierigkeiten an, genauso bei Konflikten zwischen Kindern oder bei Hinweisen auf Probleme im häuslichen Umfeld.
Die Sozialpädagogen kommen vom Verein Condrobs, also einem externen Träger. Seit zehn Jahren arbeiteten sie an der Grundschule, erzählt Teamleiterin Stephanie Deisler. Immer öfter klopften Lehrer und Schüler an ihrer Tür an. "Die Kinder kommen zunächst mal zur Beratung zu uns. Egal, mit welchen Sorgen oder Problemen die Kinder konfrontiert sind, haben sie hier einen sicheren Raum, um das loszuwerden."
Klassenkonflikte und Mobbing: Ein Fall für die Sozialarbeiter
Meistens geht es um kleine Konflikte in der Klasse oder auf dem Pausenhof. Aber manchmal eben auch um Mobbing oder Hinweise auf Gewalt oder Drogenmissbrauch außerhalb der Schule. Die Sozialarbeiterinnen können dann Lernprojekte in den Klassen starten. Oder Eltern zum Gespräch bitten, Maßnahmen auch außerhalb der Schule einleiten. "Es geht darum, mit der Sozialarbeit für die Kinder Bildungsgerechtigkeit und soziale Teilhabe sicherzustellen", sagt Deisler. Dazu könne auch gehören, Angebote außerhalb der Schule über die Jugendhilfe, mit ihren Sprach-, Sport- oder Integrationsangeboten im Stadtteil der Schule zu vermitteln.
Verpflegung von morgens bis nachmittags
Mindestens genauso wichtig ist die Verpflegung der Kinder. Das Team der Schulmensa kocht jeden Tag für über 300 Schüler ein Mittagessen. Soweit es geht, mit Bio-Lebensmitteln, einem täglichen vegetarischen Angebot. Und sie haben dabei auch die Allergien mancher Kinder im Blick.
Bei der Versorgung der Kinder bleibt es nicht allein beim Mittagessen. "Wir beginnen vor dem Unterricht mit einem Frühstück, das der Verein Brotzeit e.V. betreut, ein ausgewogenes Mittagessen eben und am Nachmittag noch einen Snack von der Stadt München organisiert", zählt Direktor Michael Hoderlein auf. Da viele Kinder von acht bis 16 Uhr und manche auch noch länger bleiben, "ist die Schule für alle zwar in erster Linie eine Bildungseinrichtung, für viele aber inzwischen auch sowas wie ein zweites Zuhause".
An der Grundschule Berg am Laim unterrichten 53 Lehrer über 600 Schüler. Noch einmal so viele Mitarbeiter und sogar noch ein paar mehr sind es, wenn man die Teams der Sozialarbeit, der Reinigung, der Küche, der Nachmittagsbetreuung und der technischen Hausverwaltung zusammenzählt.
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