Wegen dem Klimawandel müssen immer mehr Skigebiete in niedrigen Lagen schließen oder sich umorientieren.
Wegen dem Klimawandel müssen immer mehr Skigebiete in niedrigen Lagen schließen oder sich umorientieren.
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Dieser Skilift in Gaißau-Hintersee im Salzburger Land hat ausgedient. Er wird abgebaut.
Bildrechte: BR/Asya Fröhlich
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Skigebiete im Klimawandel: Wie Betreiber umdenken

Skigebiete im Klimawandel: Wie Betreiber umdenken

Immer mehr Skigebiete in niedrigen Lagen müssen schließen oder sich umorientieren. Denn der Klimawandel beschert weniger Schneefall. Das stillgelegte Skigebiet Gaißau-Hintersee im Salzburger Land will mit einem Ganzjahreskonzept wiedereröffnen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Im Salzburger Land kracht und klopft es an diesem Morgen. Stück für Stück wird ein alter Sessellift zerlegt, er hat ausgedient. Zuerst kommen die schweren Förderseile herunter, die früher Kinder und Erwachsene auf den Berg gezogen haben. Viele aus der Region haben hier ihre ersten Schwünge gelernt – auch Albert Ebner. "Das tut in der Seele weh", sagt der Hotelier und kämpft mit den Tränen.

Skigebiet steht seit drei Jahren still

Seit drei Jahren steht das Skigebiet Gaißau-Hintersee mit seinen 34 Pistenkilometern still. Es wirkt, als würde sich die Natur das Gebiet zurückholen: Die Bergstation, die Après-Ski-Schirmbar – überwuchert, verlassen. Mehrere Versuche, den Betrieb wieder aufzunehmen, sind gescheitert. Ebner hat verschiedene Betreiber kommen und gehen sehen.

Weihnachten 2025 fasste er einen Entschluss: "Jetzt mach ich es selber besser!" Gemeinsam mit Mitstreitenden aus der Region hat er vier von neun Liften vor dem Abriss bewahrt. Die Anlagen im Bereich Hintersee will er sanieren und erhalten. Aber nicht als klassisches Skigebiet, sondern als Destination für Sommer und Winter.

Der Klimawandel als Treiber des Umbaus

Für Ebner liegt der Grund auf der Hand: der Klimawandel. "Wir sind hier zwischen 800 und 1.400 Meter unterwegs. Wir gehen davon aus, dass der Schnee weniger wird. Darum müssen wir den Berg das ganze Jahr über bespielen, um den Winter zu überleben", sagt er.

Tatsächlich erwärmen sich die Alpen schneller als der globale Durchschnitt. Die Folge: Weniger Schnee oder er fällt nur noch in höheren Lagen. Wird es zu warm, lohnt sich selbst die technische Beschneiung nicht. In vielen Skigebieten in niedrigen Lagen schrumpft die Zahl der Tage, an denen überhaupt Ski gefahren werden kann.

Früher galt Gaißau-Hintersee als schneesicher: An über 100 Tagen pro Saison waren die Pisten befahrbar, so Ebner. In den letzten Jahren seien die Betriebstage auf 30 bis 40 geschrumpft. Für viele Betreiber rechnet sich das nicht mehr. Sie müssen schließen oder sich neu orientieren.

Pläne für Bike- und Winterzentrum

Ebner will die geretteten Anlagen neu denken: Aus den vier Liften soll ein Bike- und Winterzentrum entstehen. Zunächst sind rund 13 Kilometer Downhill-Strecken für den Sommer geplant – hier soll künftig das Hauptgeschäft liegen. Im Winter sollen weiterhin Schneeschuhwanderer, Tourengeher, Skifahrer und Langläufer auf ihre Kosten kommen. Ziel ist es, den Berg ganzjährig nutzbar zu machen und das Gebiet wirtschaftlich zu stabilisieren. 2028 will Ebner mit dem Vollbetrieb starten.

Kritik und Chancen für die Umwelt

Umweltverbände begrüßen grundsätzlich, dass der Fokus vieler Gebiete nicht mehr allein auf der Skisaison liegt. Gleichzeitig warnen sie: Die Berge würden dadurch nicht automatisch weniger, sondern nur anders belastet. Mountainbike-Strecken, zusätzliche Infrastruktur und ganzjähriger Betrieb können auch neue Eingriffe in die Natur bedeuten.

Ebner betont, dass Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle für ihn spielt. Statt großflächig neu zu bauen, will er vorhandene Strukturen nutzen. Die Sessel der Lifte sollen renoviert und für den Bike-Transport umgebaut werden. "Wir reden hier von 55 Hektar Fläche, die wollen wir in Zukunft Sommer wie Winter nutzen – mit möglichst wenig Eingriffen in die Natur. Bestand verwenden und nichts Neues in die Pampa setzen", erklärt er.

Hoffnung für die Region

Auch für die Betriebe rundherum wäre ein Neustart als Ganzjahresgebiet eine Chance. Wirtin Angi, deren Hütte ganz in der Nähe des Lifts liegt, der gerade abgerissen wird, blickt optimistisch nach vorne. Sie hofft: "Dass die Gäste nach wie vor unsere Region als Urlaubsziel entdecken, dass es ihnen gefällt. Dafür machen wir das alles", sagt sie.

Noch ist vieles offen: Ebner wartet auf Genehmigungen und Entscheidungen der Behörden. Er spricht von "der allerletzten Chance" für Gaißau-Hintersee. Scheitert sein Plan, werden alle Lifte abgebaut – und die Natur holt sich das Gebiet endgültig zurück.

Was bedeutet der Klimawandel für den Tourismus und den Naturschutz in den Alpen? Und wie schützen wir die Berge am besten? Darüber möchten wir auch mit Ihnen diskutieren: Und zwar am Donnerstag, den 24. September, um 19 Uhr im Alpenfestsaal in Lenggries, bei "Mitreden – live vor Ort", einer Sendung der ARD-Klimaredaktion und BR24.

Zu Gast sind unter anderem: Ski-Olympiasiegerin Hilde Gerg und der Bürgermeister von Lenggries, Stefan Klaffenbacher.

Tickets gibt es keine mehr, aber Sie können die Diskussion live verfolgen im Radio bei BR24 und im Youtube-Kanal von "Mitreden! Deutschland diskutiert". Schreiben Sie uns auch gerne vorab ihre Meinung unter mitreden@br.de.

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