Schock und Trauer bei Beteiligten, Angehörigen und Helfern sitzen noch immer tief: Bei einem Busunfall am Mittwoch in Oberbayern wurden Dutzende Kinder und eine Lehrerin zum Teil schwer verletzt, ein Kind starb noch am Unfallort.
Wie häufig nach schweren Unfällen bewegt viele Menschen - auch Leserinnen und Leser bei BR24 - die Frage nach der Sicherheit. Wie sicher sind Busse im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln und welche Regeln gelten im Bus, auch etwa für das Anschnallen?
ADAC: Anschnallpflicht im Reisebus, aber nicht im Linienbus
Alexander Kreipl ist Verkehrsexperte beim ADAC Südbayern. Er erklärt, es gebe eine klare Regelung: "Reisebusse müssen seit 1999, wenn sie in den Verkehr kommen, mit Beckengurten auf jedem Platz ausgestattet sein. Außerdem gibt es eine Anschnallpflicht."
In Linienbussen gebe es die nicht, denn die seien hauptsächlich innerorts unterwegs, bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Außerdem sei eine Anschnallpflicht durch den ständigen Fahrgastwechsel schlichtweg nicht praktikabel.
Nach derzeitigem Stand ist nicht bekannt, ob die Kinder in dem verunglückten Bus angeschnallt waren oder nicht. Da eine Seite des Busses durch den Unfall massiv eingedrückt wurde, hätte wohl auch ein Gurt keinen Schutz geboten.
Wer kontrolliert die Anschnallpflicht in Reisebussen?
Busfahrer müssen dafür sorgen, dass alle Gurte funktionieren und dass zum Beispiel auch Kinder richtig gesichert sind. Außerdem müssen sie die Fahrgäste auf die Anschnallpflicht hinweisen, zum Beispiel mit einer Durchsage oder mit einem Hinweis durch die Reiseleitung. Aber: Busfahrer sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, zu kontrollieren, ob sich die Fahrgäste angeschnallt haben. Jeder Erwachsene ist selbst für seine Sicherheit verantwortlich. Bei Kindern sind es die Aufsichtspersonen.
Wie sinnvoll wären Sensoren und Kindersitze in Bussen?
Wären in Bussen Anschnallsensoren sinnvoll, wie beim Auto? Alexander Kreipl sagt dazu: "Man kann in einem Reisebus nicht 60 Plätze mit Sensoren ausstatten, das wäre viel zu aufwändig." Außerdem würden Sensoren in einem Bus mit vielen Fahrgästen auch immer wieder piepsen. Etwa, wenn ein Fahrgast während der Fahrt auf die Toilette geht.
Auch das Thema Kindersitze sei in Bezug auf Busse kompliziert, so Kreipl. Denn moderne Kindersitze seien für das sogenannte "Drei-Punkte-Gurtsystem" im Auto ausgerichtet. Also: waagerechter Beckengurt, schräger Schultergurt und ein Schloss, an dem sich beide Gurte treffen. In Bussen gibt es aber nur das Zwei-Punkt-System (Beckengurt) und normale Autokindersitze sind dafür nicht zugelassen.
Wie sicher ist eine Fahrt mit dem Bus?
"Der Bus ist nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel, wenn man betrachtet, wie viele Kilometer zurückgelegt werden und wie viele Menschen damit transportiert werden. Das gilt sowohl für den Reise- als auch für den Linien- oder Schülerverkehr", erklärt dazu Alexander Kreipl.
Das zeigen auch viele Statistiken über Unfallzahlen: Das Risiko, mit einem Auto oder Motorrad einen Unfall zu haben, ist wesentlich höher. Das gilt übrigens auch für Fahrräder und sogar Fußgänger.
Zum Vergleich: Bei Bussen kommt es zu etwa 0,1 bis 0,2 Toten und rund 75 Verletzten pro einer Milliarde Personenkilometer. Bei den Fußgängern sind es im Bereich von einer Milliarde Personenkilometer mehrere Hundert Verunglückte.
Alexander Kreipl vom ADAC betont, dass Busse auch "sehr sicher" konstruiert seien. Es brauche schon eine große Einwirkung von außen, damit es im Inneren eine Deformation gebe. Auch sei die Karosserie immer sicherer geworden in den vergangenen Jahren.
Welche Verkehrssituationen sind für Busse besonders gefährlich?
Noch ist unklar, wie genau es zu dem Busunglück in Oberbayern kommen konnte. Die Staatsanwaltschaft München hat einen Gutachter beauftragt. Das Unglück ist jedenfalls in einer sehr engen Kurve passiert. Offenbar geriet ein Bus zu weit nach links und rammte den anderen seitlich.
Zum Thema Kurven sagt Kreipl: "Bei Bussen ist es ähnlich wie bei anderen Fahrzeugen auch, dass also da, wo die Physik sehr stark wirkt, dann auch das Gefahrenpotenzial nach oben geht." Deshalb sei es an diesen Stellen auch wichtig, auf die Geschwindigkeitsbegrenzung zu achten.
Kreipl geht aber davon aus, dass Busfahrerinnen und Busfahrer diesbezüglich gut geschult und grundsätzlich in solchen Verkehrssituationen sicher unterwegs seien.
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