Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg.
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Söder kritisiert Vatikan für Umgang mit Missbrauchsskandal

Söder kritisiert Vatikan für Umgang mit Missbrauchsskandal

Beim Katholikentag in Würzburg hat Markus Söder die späte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche kritisiert. Viele Menschen hätten sich deshalb entfremdet. Doch auch an Entscheidungen der Staatsregierung gibt es Kritik.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Die katholische Kirche ist nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) bei der Aufarbeitung ihres Missbrauchsskandals nur schwer in Gang gekommen. Das sei schade gewesen. "Ich finde, heute wird da anders drüber geredet. Heute wird sich anders bemüht, auch wenn noch nicht alles geklärt ist", sagte Söder beim Katholikentag in Würzburg. "Es gibt nichts Schlimmeres als den Missbrauch einer moralischen Garantenstellung, um sexualisierte Gewalt auszuüben."

Söder: Viele Menschen entfremdeten sich von der Kirche

Der Vatikan habe viel zu spät reagiert, als die ersten Vorwürfe bekanntgeworden seien. "Ich empfinde es bis heute als extrem schade und unglücklich, dass man das nicht stärker gemacht hat", sagte Söder, der auch CSU-Chef ist. Er spüre bei vielen Menschen, die sich von der Kirche distanziert hätten, dass dies aus jener Zeit herrühre. "Und das sollte eigentlich nicht sein." Die Aufarbeitung sei nach wie vor "ein ganz wichtiges Moment, das Kirche - egal welche - weiter betreiben muss".

Missbrauchsbeauftragte sieht auch Versäumnisse bei Staatsregierung

Doch auch der bayerischen Staatsregierung wurden beim Katholikentag Mängel in diesem Bereich vorgeworfen. Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, forderte am Donnerstag, dass es in den Bundesländern unabhängige Aufarbeitungskommissionen geben müsse. Mit Blick auf Bayern sagte sie, dort gebe es im Bereich Kinder- und Jugendschutz sowie sexualisierte Gewalt keine einzige Struktur, nicht einmal eine interministerielle Arbeitsgruppe.

Ende vergangenen Jahres hatte die Bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf eine Petition Missbrauchsbetroffener abgelehnt, die eine unabhängige, bayerische Aufarbeitungskommission, einen landesweiten Betroffenenbeirat und eine Ombudsstelle für Betroffene gefordert hatten. Dabei hatten sich im Sozialausschuss auch die Regierungsfraktionen CSU und Freie Wähler hinter diese Forderungen gestellt.

Missbrauchsskandale erschütterten Kirche weltweit

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland wurde 2010 öffentlich. Seitdem kamen viele Fälle von sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche ans Licht. Auch international, etwa in Südamerika, Irland und den USA, erschütterten zahlreiche Missbrauchsfälle die Kirche.

Für Aufmerksamkeit sorgte etwa Ende 2025 eine Studie des Bistums Passau zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Sie zeigt, dass Täter über Jahrzehnte hinweg durch kirchliche Strukturen, aber auch durch ein gesellschaftliches Umfeld geschützt wurden, in dem Betroffenen häufig nicht geglaubt wurde.

Mit Informationen von dpa

Im Video: Reformen auf der Agenda des Katholikentags in Würzburg

Katholikentag in Würzburg.
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Katholikentag in Würzburg.

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