Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht nach den enttäuschenden Ergebnissen deutscher Schüler beim Pisa-Test dringenden Handlungsbedarf. "Wir sind natürlich alle jetzt im Pisa-Schock", sagte er am Dienstag bei der CSU-Fraktionsklausur in Kloster Banz und warnte vor Folgen für die Innovationskraft des Freistaats.
"Wenn die Ausbildung schlechter wird, dann wird die Leistungsfähigkeit bei Spitzentechnologie automatisch weniger." Deswegen brauche es "maximale Bildung" für Bayerns Kinder, so Söder.
Mehr Unterricht in der Grundschule
Entscheidend ist aus Söders Sicht: die Grundschule. Das Ziel sei daher, in den nächsten zwei oder drei Jahren "die meisten Stunden in der Grundschule zu haben, also die intensivste Betreuung in der Grundschule von allen Bundesländern, mit den meisten Wochenstunden", betonte der Ministerpräsident.
"Mit mehr Mathe, mit mehr Deutsch, mit einer dritten Sportstunde, aber auch mit Musik." Eine dritte Sportstunde für Erstklässler ab dem Schuljahr 2027/2028 hatte das Kabinett schon Anfang des Monats beschlossen.
Stellenmoratorium in diesem Jahr
Für mehr Unterricht braucht es aber auch mehr Lehrer. Söder verwies darauf, dass für 2027 bereits 1.500 neue Stellen eingeplant seien, weitere sollten ab 2028 folgen. Die neuen Lehrer werden allerdings auf alle Schularten verteilt. Wie viele die Grundschulen bekommen, ist noch offen.
Zum Start des aktuellen Schuljahrs wurden dagegen wegen des aktuellen Stellenmoratoriums keine neue Lehrerstellen geschaffen, obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler weiter gestiegen ist – auf den höchsten Wert seit 15 Jahren. Opposition und auch Lehrerverbände kritisieren das Stellenmoratorium scharf.
Ministerin Stolz: Mehr Bildungsgerechtigkeit
Die Staatsregierung hatte bereits auf die Ergebnisse der Pisa-Studie von 2023 mit einer "Pisa-Offensive" reagiert: mehr Deutsch- und Mathematik-Unterricht. Dafür können die Schulen individuell entscheiden, ob weniger Englisch, Kunst, Musik oder Werken unterrichtet wird. Bei Sport und Religion darf nicht gekürzt werden. Das Ziel: Bayerische Grundschüler sollen besser lesen, schreiben und rechnen lernen. Zudem startete das Kultusministerium eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte, um die Unterrichtsqualität zu steigern.
Die deutschlandweiten Ergebnisse der neuen Pisa-Studie 2025 seien inakzeptabel, betont Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) auf BR24-Anfrage. Bayern habe mit der Pisa-Offensive von 2024 schon "wichtige Weichen" gestellt. Diesen Weg gehe der Freistaat nun "mit zusätzlichen Stunden an der Grundschule" weiter: "Die Kinder bekommen mehr Raum, um sicher lesen, schreiben und rechnen zu lernen und können sich durch mehr Sport und Musik zu starken Persönlichkeiten entwickeln." Mehr Unterricht sei auch ein deutlicher Schritt hin zu "mehr Bildungsgerechtigkeit".
Details noch offen
Wie viele Stunden welche Jahrgangstufe künftig mehr bekommt, steht noch nicht fest. Bisher haben in Bayern Erst- und Zweitklässler 24 Wochenstunden, Dritt- und Viertklässler 28 Stunden Unterricht pro Woche. Insgesamt macht das 104.
Damit haben die Grundschüler in Bayern schon jetzt mehr Unterricht als Kinder in anderen Bundesländern, aber weniger als in Hamburg. Dort werden sie in den ersten vier Jahrgangsstufen jeweils 27 Stunden unterrichtet. Macht insgesamt 108 Stunden - vier mehr als in Bayern.
BLLV-Präsidentin Fleischmann: Auch Qualität entscheidend
Lehrerverbände begrüßen grundsätzlich Söders Ankündigung. "Prima, dass der Herr Ministerpräsident das Fundament der schulischen Bildung erkennt: Das ist die Grundschule", sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann. "Prima, dass er weiß, dass wir in Kernkompetenzen mehr Zeit investieren müssen." Aber neben mehr Zeit, sei auch Qualität entscheidend.
Söder habe richtig erkannt: "Invest in die Grundschule rentiert sich dreifach", betont Fleischmann. Deswegen lobe der BLLV die Aussage des Ministerpräsidenten. "Aber es kommt jetzt auf die Umsetzung an: Was heißt das denn jetzt eigentlich? Woher kommen denn dann diese Stellen?"
Gewerkschaft beklagt "Zickzackkurs"
Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Martina Borgendale, beklagt einen "Zickzackkurs": "Mehr Musik ist richtig. Aber warum wurden die musischen Fächer dann vor zwei Jahren erst zurückgefahren?" Zwar benötige Schule Zeit. "Aber mehr Unterrichtsstunden allein werden die immer stärkere Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Elternhaus nicht verringern." Dafür brauche es "multiprofessionelle Teams, längeres gemeinsames Lernen – und Menschen, die die Zeit im Stundenplan füllen".
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