30 Grad, keine Wolke, kaum Wind in einer Wohnanlage im Münchener Stadtteil Bogenhausen. Doch Abkühlung ist nur eine Fahrt mit dem Aufzug entfernt. Früher war hier eine Militärkaserne, heute ist der Prinz-Eugen-Park eine Wohnanlage für 4.000 Menschen.
Pflanzen als natürliche Klimaanlage
Oben, auf dem Dach eines fünfstöckigen Gebäudes, gibt es 500 Quadratmeter Garten zu sehen, auf der einen Seite die Alpen, auf der anderen Seite den Olympiaturm. Und dazwischen: Kletterpflanzen wie Hopfen und Geißblatt, die Schatten spenden. Salat, der in Hochbeeten sprießt, und wilde Erdbeeren, die am Boden wachsen auf der mageren Blühwiese, die hier vor fünf Jahren gesät wurde.
Was auffällt: Es ist überraschend kühl hier oben. Grund sind die Pflanzen, die anders als Asphalt keine Wärme abstrahlen und vor allem: Sie nehmen über die Wurzeln Wasser auf und das verdunstet über die Blätter. Eine natürliche Klimaanlage und "die Möglichkeit, Städte abzukühlen", sagt Landschaftsarchitekt Wolfgang Heidenreich, der hier regelmäßig Studierende durchführt. "Ein Dach bewirkt nicht viel, aber Tausende von grünen Dächern kühlen eine ganze Stadt."
Abkühlung: Essentielle Aufgabe für Städte
Schon im vergangenen Jahr gab es in Bayern 13 Hitzetage über 30 Grad. Zwischen 1971 und 2000 waren es durchschnittlich nur 3,8. Was das für Städte bedeutet, das erforscht Professor Stephan Pauleit von der TU München: "Es wird im Grunde an heißen Sommertagen kaum noch auszuhalten sein bei uns in den Städten", sagt er. Pauleit verweist auf wissenschaftliche Studien, die zeigen: Städte auf der nördlichen Halbkugel werden bis zum Jahr 2100 klimatisch um 1.000 Kilometer südlich wandern. Dann läge Würzburg in Südfrankreich und München in Neapel.
Jetzt Bäume pflanzen als Mittel gegen Hitze
Also gilt es, jetzt Konzepte gegen Überhitzung zu entwickeln, besonders in den Städten – denn die sind aufgrund der vielen versiegelten Flächen ohnehin rund drei Grad Celsius wärmer als ihr Umland. Und weil etwa Asphalt Wärme speichern kann, fehlt an Hitzetagen die Abkühlung in der Nacht – ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko, vor allem für ältere Menschen. Prof. Pauleit betont die Dringlichkeit: "Insofern muss man da eben sehen, dass man jetzt handelt, weil Bäume eben 30, 40, 50 Jahre brauchen, bis sie so groß gewachsen sind, dass sie ihre Wirkung entfalten."
Im Prinz-Eugen-Park in München ist das gerade in vollem Gange. Der große Platz im Zentrum der Anlage ist mit hellen Steinen gepflastert. Aber gerade werden Bäume gepflanzt. Die sind zwar noch klein, aber einen Effekt haben sie schon jetzt. Das Oberflächenthermometer zeigt im Schatten der kleinen Bäume 25 Grad an, in der Sonne 34. Das seien "einfach Welten", sagt Landschaftsarchitekt Heidenreich, vor allem, wenn man bedenke, dass die Bäume hier noch jung sind und damit ohne füllige Baumkrone.
Platz für Bäume konkurriert mit Platz für Verkehr und Wohnraum
Doch Platz ist in Städten begrenzt. Wo ein Baum steht, kann niemand mehr radeln oder sein Auto parken. Außerdem steht grundsätzlich jedem Anwohner ein Pkw-Stellplatz zu. Wenn dafür Tiefgaragen gebaut werden, dann müssen oft alte Bäume weichen. Und Denkmalschutz verhindert oft die Begrünung von Hausfassaden.
Für Heidenreich sind hier Hauseigentümer in der Pflicht, andere Möglichkeiten zur Begrünung zu suchen – viele davon werden von den Kommunen gefördert, wie etwa die begrünte Dachterrasse, die in München ab einer bestimmten Größe ohnehin Pflicht ist.
"Ohne Blau kein Grün": Pflanzen können nur die Umgebung kühlen bei ausreichender Bewässerung. Im Prinz-Eugen-Park geschieht das mit Grundwasser.
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