Eine Hundebox wird aus einem Wagen gehoben. Ein junges Paar mit einem Hund.
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Straßenhunde aus Rumänien, Spanien oder Italien finden in Deutschland ein neues Zuhause.

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Hunde aus dem Ausland: Ein Problem für deutsche Tierheime?

Hunde aus dem Ausland: Ein Problem für deutsche Tierheime?

Ob aus Rumänien oder Spanien – in Deutschland adoptieren etliche Menschen Straßenhunde aus dem Ausland. Dabei warten in deutschen Tierheimen tausende Hunde auf ein Zuhause. Vergrößern die Auslandshunde den Druck noch zusätzlich? Ein BR24 vor Ort.

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Viele Stunden haben die vier Hunde in den engen Boxen gesessen. Nun rollt der Transporter langsam auf den Hof des Tierheimes Pfaffengrün im Landkreis Hof. Brigitte David begrüßt den Fahrer Matthias Schmidt. Der hat die Tiere den ganzen Weg von Pitești, im Süden von Rumänien, nach Oberfranken gefahren. Gespannt öffnen die beiden die Schiebetür. Die Hunde reißen die Augen weit auf und fiepen, wedeln aber mit den Schwänzen. Sie haben es geschafft.

Fränkisches Tierheim nimmt rumänische Hunde in Obhut

"Die wissen, dass jetzt etwas Neues beginnt", sagt sich Brigitte und streichelt einen der Hunde durch die Boxen: Die vier Mischlingshunde, zwei Erwachsene, zwei Welpen, sollen in Deutschland ein neues Zuhause finden. Das Tierheim Pfaffengrün macht das seit Jahren so: Immer, wenn Plätze frei sind, darf der Verein "Tierhilfe Hoffnung" Straßenhunde aus Rumänien bringen. Natürlich habe man aber immer Notfallplätze für Hunde aus der Region.

Rumänien: Tierheim mit 6.000 Hunden - gerettet aus Tötungsstation

Dem oberfränkischen Tierheim liegen die rumänischen Hunde besonders am Herzen. Denn in Rumänien gilt seit 2013 das sogenannte "Tötungsgesetz", weil es dort schlichtweg zu viele wilde Hunde gibt. Die Regierung lässt die Straßenhunde einfangen und in städtischen Zwingern verwahren. Wenn sie nach 14 Tagen niemand abholt oder adoptiert, werden sie getötet.

Matthias Schmidt von der Organisation "Tierhilfe Hoffnung" betreibt in Pitești das Tierheim Smeura. Dort leben rund 6.000 Hunde. Viele der Tiere haben sie aus städtischen Tötungsstationen gerettet.

Tierschutzbund: "Tierschutz endet nicht an Grenzen"

Wie schlimm die Situation der Straßenhunde in Ländern wie Rumänien ist, weiß auch Ilona Wojahn, die Präsidentin des bayerischen Tierschutzbundes. Für sie steht fest: Tierschutz endet nicht an Grenzen. Doch sie sagt auch: Auslandshunde können zur Belastung für die deutschen Heime werden. "Ich finde es nicht in Ordnung, wenn sich jemand nur vom Foto einen Hund bestellt."

Schon oft habe sie erlebt, dass solche Hunde dann Monate nach ihrer Ankunft im Tierheim landen. Die Besitzer haben sich etwas anderes erhofft, der Charakter des Hundes passt ihnen nicht oder die Chemie stimmt einfach nicht. Oft werden diese Hunde dann zu "Langzeitinsassen", wie Wojahn es nennt, die mit ihrer Vorgeschichte jahrelang im Heim auf ein Zuhause warten. "Ich finde die Auslandsorganisationen gut, die zum Beispiel mit Tierheimen hier zusammenarbeiten. Wenn die Tierheime die Hunde erst einmal aufnehmen und dann nach Adoptanten suchen." Denn so hätten Mensch und Tier ausreichend Zeit, sich kennenzulernen – mit allen Macken.

Im Video: Wirklich eine gute Tat? Straßenhunde aus der Tötung retten

Ein Mann und eine Frau halten einen Hund auf den Armen.
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Straßenhunde retten: Aus der Tötung nach Bayern

Zwei der Neuankömmlinge vermittelt

Nach diesem Prinzip arbeitet auch das Tierheim Pfaffengrün. Gut vier Wochen nach Ankunft der vier Hunde haben zwei von ihnen schon ein neues Zuhause gefunden. Welpe Nala wohnt seit gut einer Woche bei Romina und Erik. "Sie ist eine ganz eine Brave", sagt Erik.

Sollte es zu unerwarteten Schwierigkeiten kommen, ist das Tierheim da. "Wir nehmen ohne wenn und aber die Hunde dann zurück", sagt Brigitte Dawid. Ein System, das den Adoptanten, dem Tierheim und nicht zuletzt den Hunden Sicherheit gibt. Dieses Konzept lässt sich auch auf private Pflegestellen übertragen: In deutschen Pflegefamilien leben Auslandshunde, bis sie ein Zuhause für immer gefunden haben. Bei großen Problemen kommt der Hund wieder in die Pflegefamilie zurück.

Rettungen nur durch Kastrationen vor Ort nachhaltig

Wichtig sei jedoch: Die Rettung einzelner Tiere nach Deutschland löse nicht das Grundproblem in deren Herkunftsländern. Um Auslandstierschutz nachhaltig zu gestalten, sei die Arbeit vor Ort unbedingt nötig, da sind sich Tierschutzbund und Tierheim einig. "Für jeden Hund, der nach Deutschland reist, werden drei Hunde vor Ort kastriert", erklärt Matthias Schmidt von der Tierhilfe Hoffnung in Rumänien. "Im vergangenen Jahr konnten wir fast 34.000 Hunde kastrieren."

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