29.03.2025: Özgür Özel bei der Demonstration in Istanbul
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"Kaufen Sie nichts": Türkische Opposition ruft zu Boykott auf

"Kaufen Sie nichts": Türkische Opposition ruft zu Boykott auf

Die Opposition will den Druck auf die türkische Regierung erhöhen und hat zu einem Einkaufsboykott aufgerufen. Damit soll gegen die Festnahme von Studenten und des Istanbuler Oberbürgermeisters protestiert werden. Kritik kommt von der Regierung.

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Seit zwei Wochen wird in der Türkei gegen die Festnahme und anschließende Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem Imamoglu von der CHP protestiert. Nun erhöht die Oppositionspartei den Druck auf die Regierung: CHP-Chef Özgür Özel rief für heute zu einem Einkaufsboykott auf, um gegen die Festnahme von Studenten zu protestieren.

CHP-Chef Özel: "Kaufen Sie nichts"

"Hören Sie auf, einzukaufen! Supermärkte, Onlineshopping, Restaurants, Tankstellen, Cafés, Rechnungen – kaufen Sie nichts", erklärte der CHP-Chef Özgür Özel auf der Plattform X (externer Link auf Türkisch). "Ich fordere alle auf, ihre Macht als Verbraucher zu nutzen und sich an diesem Boykott zu beteiligen."

Özel erklärte, dass 301 Studenten bei den Protesten gegen die Verhaftung Imamoglus festgenommen worden seien. Der CHP-Chef hatte bereits dazu aufgerufen, zahlreiche türkische Unternehmen, Medien und Gruppen zu boykottieren, die der Regierung nahestehen sollen.

Regierung kritisiert Aufruf - auch Mesut Özil äußert sich

Vertreter der Regierung kritisierten, dass der Aufruf der Zukunft des Landes und dem Volk schaden werde. Auch Ex-Fußballer Mesut Özil, inzwischen Mitglied der AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, schloss sich der Kritik an: "Lassen Sie uns unseren lokalen und nationalen Marken nicht unter dem Deckmantel eines Boykotts schaden. Schützen wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt!", schrieb Özil auf der Plattform X (externer Link auf Türkisch).

CHP-Politiker Besim Dutlulu fragte Özil mit Blick auf seine Kritik spöttisch, wessen Nationaltrikot er noch einmal getragen habe. Özil antwortete (externer Link auf Türkisch), sein Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft habe nie seine "Loyalität gegenüber meinem Land und meiner Nation" infrage gestellt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "spalterischen Aufrufen"

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung gegen "spalterische Aufrufe und jene, die sie verbreiten" ein. In den sozialen Netzwerken wurden sie hunderttausendfach geteilt. Der Oberbürgermeister von Ankara, Mansur Yavas, betonte auf X (externer Link auf Türkisch): "Es handelt sich nicht um ein Verbrechen, sondern um freie Meinungsäußerung."

Imamoglu, der als größter innenpolitischer Rivale von Erdogan gilt, war am 19. März festgenommen worden. Später ordnete ein Gericht Untersuchungshaft wegen Korruptionsvorwürfen an. Bei den Massenprotesten im Anschluss wurden nach Angaben des Innenministeriums bislang rund 2.000 Menschen festgenommen, darunter viele Studenten und Studentinnen, aber auch Journalisten und Anwälte.

Neue Proteste ab der kommenden Woche

Während des Zuckerfests, das die Menschen traditionell mit Familie und Verwandten feiern, waren die Proteste abgeflaut. Ab der kommenden Woche will die CHP jeden Mittwoch in Istanbul einen Protest organisieren und jeden Samstag in einer anderen türkischen Stadt.

Mit Informationen von AFP und dpa

Im Audio: 11KM – Massenproteste in der Türkei – Erdogans Poker um die Macht

26.3.2025: Protest in Ankara
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