Es ist ein Projekt, das wie kein zweites die Nürnberger und Nürnbergerinnen spaltet: Der Ausbau des Frankenschnellwegs. Ist dieser ein Milliardengrab oder die Lösung des Dauerstaus?
Pro Tag rollen 60.000 Fahrzeuge über den Frankenschnellweg, so die Stadt Nürnberg. Er ist eine wichtige Verkehrsader in der gesamten Region, die Verlängerung der A73. Doch auf dem Frankenschnellweg geht es häufig gar nicht schnell voran, mehrere Ampeln bremsen den Verkehr aus.
Ausbau Frankenschnellweg: Was plant die Stadt Nürnberg?
Die Stadt Nürnberg will dieses Nadelöhr auflösen. Der Durchgangsverkehr soll in einen 1,8 Kilometer langen Tunnel "abtauchen". Die Tunneldecke soll begrünt werden und dort ein neuer Stadtteilpark entstehen. Außerdem sind weitere Lärmschutzwände geplant und im Westen eine dritte Fahrspur. Die Stadt verspricht: weniger Staus, weniger Lärm und mehr Grün. Die aktuelle Kostenschätzung 1,1 Milliarden Euro.
Die Pläne sind seit Jahrzehnten auf dem Tisch und haben mehrere Gerichte beschäftigt. Seit 2025 hat die Stadt Nürnberg Baurecht für das Projekt. Daraufhin sammelten Gegner des Projekts erfolgreich Unterschriften und es kommt zum Bürgerentscheid am Sonntag, 28. Juni.
Skizze zu den Ausbauplänen: Der Tunnel würde auf der Höhe der Rothenburger Straße beginnen.
Planungsstopp gefordert: So argumentieren die Gegner?
Die Initiatoren des Bürgerentscheids "Lieber zurück auf Los" sprechen von einer überholten Verkehrs- und Stadtplanung. Sie sind überzeugt, dass der Ausbau mehr Verkehr anziehen wird. Statt mehr Grün, das die Stadtspitze verspricht, werden zunächst weitere Flächen versiegelt und alte Bäume gefällt. Aber vor allem befürchten sie, mit Blick auf andere Großprojekte, dass der Ausbau länger als die geschätzten zwölf Jahre dauert und teurer wird. Sie warnen vor einem Milliardengrab.
Knackpunkt Kosten?
Die Stadtverwaltung betont, Nürnberg müsse die geschätzten 1,1 Milliarden Euro nicht allein stemmen. 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt der Freistaat – das wären derzeit 650 Millionen Euro. Außerdem werde das Projekt über Sonderfinanzierungen des Freistaats und des Bundes zusätzlich mit rund 150 Millionen Euro unterstützt. Die Gegner kritisieren, dass in den Kosten beispielsweise die Begrünung des Tunneldeckels und der jährliche Unterhalt des Tunnels noch nicht enthalten seien.
Die Gegner machen noch eine weitere Rechnung auf. Für das Geld, das der Freistaat zum Tunnel zuschießen will, könnte die staatliche Baugesellschaft 2.600 Wohnungen errichten. Das eingesparte Geld könnte zudem in den öffentlichen Nahverkehr gesteckt werden. Die Stadt hält dagegen: Die Fördermittel seien zweckgebunden. Ein Planungsstopp würde nicht bedeuten, dass Nürnberg das Geld für andere Projekte zur Verfügung hätte.
Wer darf beim Bürgerentscheid abstimmen?
380.000 wahlberechtigte Nürnberger und Nürnbergerinnen können abstimmen. Dies ist per Briefwahl möglich oder am 28.6 in einem Abstimmungsraum. Die Frage zur Abstimmung lautet: "Sind Sie dafür, dass die derzeitigen Planungen und Maßnahmen (nach aktuellem Planfeststellungsverfahren) für den Ausbau des Frankenschnellwegs sofort gestoppt werden?" Wer den Ausbau stoppen will, muss demnach mit "Ja" stimmen. Wer den Ausbau befürwortet, muss sein Kreuz bei "Nein" setzen. Es zeichnet sich derzeit eine hohe Beteiligung ab. Das Ergebnis soll am Sonntagabend, 28. Juni, vorliegen.
Was passiert nach dem Bürgerentscheid?
Wenn die Nürnberger und Nürnbergerinnen sich für den Planungsstopp aussprechen, also mit "Ja" stimmen, ist die Tunnellösung vom Tisch. Die Stadt ist dann aufgefordert, eine Alternativ-Lösung zu planen. Das Risiko: Wird neu geplant, können neue Debatten aufkeimen und auch wieder vor Gericht geklagt werden. Kommt der Ausbau erstmal nicht, muss die Stadt dennoch Geld für den Frankenschnellweg in die Hand nehmen, denn dieser muss dringend saniert werden. Geschätzte Kosten: 110 Millionen Euro.
Stimmen die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich mit "Nein", dann kann der Ausbau des Frankenschnellwegs beginnen. Die Stadt rechnet damit, dass die Bauarbeiten im westlichen Abschnitt im Frühjahr 2027 starten könnten. Der Tunnelabschnitt wäre danach dran – etwa um das Jahr 2030.
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