In der Verkündigungs-Kathedrale vor dem Russland-ASEAN-Gipfel
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Ein Lichtblick: Putin zündet in Kasan eine Kerze an
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Ein Lichtblick: Putin zündet in Kasan eine Kerze an

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"Zeiten werden hart": Muss Putin jetzt auf Mobilmachung setzen?

"Zeiten werden hart": Muss Putin jetzt auf Mobilmachung setzen?

Die Versorgungslage auf der Krim wird immer dramatischer, landesweit fehlt es an Treibstoff: Selbst Propagandisten geben sich ausgesprochen pessimistisch und sind überzeugt, dass Putin um Zwangsrekrutierungen nicht herumkommt – trotz "Panik".

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Ja, die Zeiten werden hart. Angriffe auf die Infrastruktur, Panik in den Städten, Probleme mit der Logistik, mit Treibstoff und Sicherheit – all das lässt sich nicht länger mit beschwichtigenden Floskeln klein reden. Doch schwierige Zeiten erfordern Rationalität, nicht Hysterie", spricht der russische Politologe Ilja Graschtschenkow sich und seinen Landsleuten Mut zu [externer Link]. Er warnt ausdrücklich vor einer noch stärkeren "Mobilisierung" des Landes, wie sie die Ultrapatrioten seit Monaten beharrlich einfordern. Das werde Russland überfordern und gefährden: "Patriotische Panik" könne die Illusionen der von der Propaganda aufgepeitschten Massen umso schneller zerstören.

"Die Falken versuchen, das System zu Entscheidungen zu drängen, die sie selbst nicht kontrollieren können", so Graschtschenkow: "Sie fordern Eskalation, übernehmen aber keine Verantwortung für deren Folgen. Sie fordern Härte, sind aber nicht verantwortlich für die Wirtschaft, die öffentliche Meinung, die regionale Stabilität oder internationale Risiken. In diesem Sinne wird der radikale Konservative nicht zur Stütze des Systems, sondern zum Störfaktor."

"Mobilmachung zu riskant"

Gleichwohl könnte Putin angesichts der ukrainischen Drohnen-Überlegenheit und der Überforderung der eigenen Rüstungswirtschaft nur noch eine realistische Option haben, so die britische "Financial Times" unter Berufung auf anonyme Kreml-Insider [externer Link]: Die baldige Zwangsmobilisierung, die allerdings mit hohem Risiko verbunden wäre, nicht nur wegen der im September bevorstehenden russischen Parlamentswahl, sondern auch wegen der möglichen Massenflucht von Rekruten ins Ausland.

Diese skeptische Sichtweise wird von zahlreichen russischen Polit-Bloggern geteilt. So schreibt Roman Juneman [externer Link]: "Die einzigen verbleibenden Trümpfe, die hier und jetzt eingesetzt werden können, sind Mobilmachung und Atomwaffen. Ersteres ist vor den Wahlen zu riskant, Letzteres ist ein letzter Ausweg für die extremsten Fälle."

"Es gibt nicht genug Soldaten"

Einer der viel zitierten anonymen Blogger meinte [externer Link]: "Russland hat offensichtlich Probleme mit der Rekrutierung. Es gibt nicht genug Soldaten, der Zustrom nimmt ab, ganz zu schweigen von dessen Qualität, und die ukrainischen Streitkräfte sind immer noch nicht erschöpft. Abgesehen von irrationalen Hoffnungen, werden die russischen Streitkräfte den Donbass mit den objektiv verfügbaren Kräften nicht erobern können, ohne ihre Kriegsstrategie zu ändern. Daher wird sich die Frage der Mobilmachung oder des Abbruchs der Militäroperation früher oder später unweigerlich stellen."

Ähnlich der kremlkritische Publizist Iwan Krastew: "Wenn Moskau sein Ziel, innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre die Kontrolle über den gesamten Donbass zu erlangen, weiterverfolgen will, wird Putin auf Massenmobilisierung oder den Einsatz von Atomwaffen zurückgreifen müssen. Beide Optionen bergen unvorhersehbare, wenn nicht gar katastrophale Folgen."

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Infotafel

Selbst populäre Propagandisten wie Oleg Sarow (400.000 Fans) sind verzagt [externer Link]: "Viele haben mich früher für meinen Pessimismus kritisiert. Es gab eine Zeit, da glaubte ich, dass es notwendig sei, über Probleme zu schreiben, in der Hoffnung, dass sie gelöst würden. Jetzt ist es sinnlos geworden. Also schreibe ich nicht mehr darüber. Angesichts des allgemeinen Pessimismus erwartet uns in naher Zukunft wenig Gutes. Aber es wird nicht so schlimm werden, wie viele jetzt glauben."

"Russen gehen nicht um Mauern herum"

Der in London lehrende Exil-Politologe Wladimir Pastuchow schrieb [externer Link]: "Hätte Putin sein Ego überwunden, hätte er aus Trumps Erfahrung [mit dem Iran-Krieg] eine wertvolle Lektion lernen und dieselbe Strategie anwenden können: den Donbass fallen lassen, die Anerkennung der Rechte der Krim-Bewohner als Ausgleichsmaßnahme hervorheben, sie zum zentralen Thema der Verhandlungen machen und unter diesem Vorwand einen Waffenstillstand entlang der Frontlinie aushandeln können. Aber Russen gehen nicht um Mauern herum, sie ziehen es vor, mit dem Kopf dagegen zu schlagen."

Wirtschaftskolumnist Dmitri Drise kommt auf die ökonomischen Risiken einer Mobilisierungs-Gesellschaft zu sprechen [externer Link]: "Das am meisten Beängstigende an der aktuellen Situation ist der vollständige Übergang zu einer Planwirtschaft und zu Versuchen, Preise zu beeinflussen und den ohnehin schon angeschlagenen Privatunternehmen Bedingungen zu diktieren. Sollte es dazu kommen, werden die 1990er-Jahre, genauer gesagt die späten Sowjetjahre, unweigerlich Realität."

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