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Der Windkraftausbau in Süddeutschland steckt in Schwierigkeiten. Dabei bringt eine regional ausgewogene Verteilung Vorteile.
Bildrechte: picture alliance / imageBROKER | Helmut Meyer zur Capellen
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Der Windkraftausbau in Süddeutschland steckt in Schwierigkeiten. Dabei bringt eine regional ausgewogene Verteilung Vorteile.

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Studie: Windkraftausbau im Süden spart Stromkunden Milliarden

Studie: Windkraftausbau im Süden spart Stromkunden Milliarden

Die Windkraft in Deutschland möglichst gleichmäßig auszubauen – nicht nur im Norden nahe der Küste, sondern auch in Bayern – macht das deutsche Stromsystem effizienter. Eine neue Studie hat ausgerechnet, wie viel Geld das für die Stromkunden spart.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Je weiter südlich in Deutschland, desto schwächer der Wind. Das macht es Windkraft-Entwicklern in Bayern schwerer als anderswo, Projekte in die Gewinnzone zu bringen. Vor allem derzeit: Denn in ganz Deutschland herrscht so etwas wie ein Windkraftboom, die Zubauzahlen reichen wieder an die Rekorde Mitte der 2010er-Jahre heran.

Verschärfte Konkurrenz für Windkraft im Süden

Das bedeutet für bayerische Windkraftprojekte verschärfte Konkurrenz. Denn wer eine fixe Einspeisevergütung will, muss sich in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur durchsetzen. Und da bekommt den Zuschlag, wer den Strom am günstigsten anbieten kann.

Weil viele Bewerber auf eine begrenzte ausgeschriebene Strommenge trafen, hat zuletzt mehr als die Hälfte der Windkraftprojekte eine Absage bekommen. Darunter viele aus dem Süden. Denn sie bekommen für ihren Windstrom zwar einen Bonus, den so genannten Korrekturfaktor. Der gleicht aber nur einen Teil des Minderertrags in windschwächeren Gebieten aus.

Wenn sich nichts ändert, sterben Projekte im Süden

Die Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat jetzt in einer Kurzstudie [externer Link] untersucht, wohin diese Entwicklung führen könnte. Und zwar im Auftrag der Verbände für Erneuerbare Energien aus Bayern und Baden-Württemberg.

Das Ergebnis: Wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern, bleibt es bei einem einseitigen Ausbau der Windkraft im Norden. Viele baureife Windparks in Bayern und Baden-Württemberg könnten nicht umgesetzt werden.

Zehn Gigawatt Windkraft im Norden statt im Süden

Im Vergleich zu dem Szenario, das dem deutschen Stromnetzentwicklungsplan zugrunde liegt, würden rund zehn Gigawatt zukünftiger Windkraftleistung statt in Bayern und Baden Württemberg in norddeutschen Gebieten entstehen.

Und damit in einer Region, in der schon heute Windräder häufig abgeregelt werden müssen, weil die Kapazität des Stromnetzes nicht ausreicht. Zumal die großen Stromverbraucher im stark industrialisierten Süden Deutschlands weit weg sind.

Milliarden zusätzliche Kosten

Das würde dazu führen, dass ein Großteil des so zusätzlich in Norddeutschland produzierten Windstroms gar nicht genutzt werden könnte. In Zahlen: Von 13 bis 17 zusätzlichen Terawattstunden müssten laut der FfE-Studie rund neun Terawattstunden künstlich gedrosselt werden – also deutlich mehr als die Hälfte.

Stattdessen müssten die Netzbetreiber teure Ersatzkraftwerke in Süddeutschland hochfahren. Die Kosten für diesen zusätzlichen, so genannten Redispatch würden sich laut FfE jedes Jahr auf 1,8 Milliarden Euro summieren.

Kommt eine Südquote für Windräder?

Um diese Nachteile zu verhindern und zu einem regional ausgewogeneren Ausbau der Windkraft in Deutschland zu kommen, fordern der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Bayern und sein baden-württembergisches Pendant, das Ausschreibungsdesign der Bundesnetzagentur zu reformieren.

Möglich sei etwa eine Südquote für neue Windräder oder ein höherer Strompreis-Bonus für Anlagen in Schwachwindgebieten. Die Kosten dafür würden nach ihrer Rechnung durch den Spareffekt im Gesamtsystem mehr als ausgeglichen.

Bayern will Windkraft helfen

Dabei bekommen sie Schützenhilfe von der bayerischen Staatsregierung, die ein Ziel von 1.000 zusätzlichen Windrädern im Freistaat bis 2030 ausgegeben hat. Bayern drängt im Bundesrat darauf, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so zu reformieren, "dass das zukünftige Förderregime einen wirtschaftlichen Ausbau der Windenergie in allen Bundesländern dauerhaft gewährleistet".

Grüne aus dem Norden an Bayerns Seite

Außerdem will Bayern Sonderausschreibungen für Windkraft in diesem und im nächsten Jahr. Im Bundesrat bekommen die Windkraftinitiativen aus Bayern auch die Stimmen von Bundesländern mit grüner Regierungsbeteiligung. "Es ist schon ein bisschen historisch, dass jetzt ein Antrag aus Bayern für mehr Windenergie breite Unterstützung aus dem Norden bekommt", sagte Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) im Bundesrat. Sein ebenfalls grüner Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Tobias Goldschmidt, nannte es eine gute Nachricht, "dass Nord- und Süddeutschland mit diesem Gesetzentwurf einen lang gepflegten und immer etwas künstlichen Widerspruch in der Energiepolitik überwinden." Baden-Württemberg will den Initiativen ebenfalls zustimmen.

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