Taser sollen mit Stromstößen Angreifer für kurze Zeit bewegungsunfähig machen, während diese weiterhin ansprechbar sein sollen: Heute startet eine sechsmonatige Pilotphase der Polizeiinspektion Schweinfurt zur Ausweitung von sogenannten Taser-Einsätzen im Wach- und Streifendienst der Bayerischen Polizei. Außerdem mit dabei: Beamtinnen und Beamte der Polizeiinspektionen Regensburg Süd und Augsburg.
- Zum Artikel: Bayerische Polizei darf Taser bei Streife erproben
39 Taser-Einsätze im vergangenen Jahr
Es geht um bayernweit 30 Taser. Laut Innenministerium werden Taser bereits seit 2006 von Spezialeinheiten der Polizei und seit 2021 von geschlossenen Einheiten der bayerischen Unterstützungskommandos eingesetzt. Alleine im Jahr 2025 hätten Polizeibeamtinnen und -beamte Taser in 158 "Einsatzlagen" eingesetzt. In 119 Fällen habe bereits die Taser-Androhung genügt, um kritische Situationen zu entschärfen, so das Innenministerium. Heißt: 39 Mal seien Personen tatsächlich per Taser kampfunfähig gemacht worden.
"Entscheidender Beitrag zum Schutz der Einsatzkräfte"
"Das Einsatzmittel hat sich in den vergangenen Jahren in mehreren hundert Fällen bewährt und leistet einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der Einsatzkräfte und aller Beteiligten. In den allermeisten Fällen blieb der Angreifer durch den Taser-Einsatz unverletzt", so Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU). Laut Kirchner gibt es bei Polizeieinsätzen immer häufiger Situationen, die von Aggression und Gewaltbereitschaft geprägt sind. Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gehöre leider mittlerweile zum Alltag.
Laut Kirchner sollen Taser zunächst nur in einer Vier-Mann/Frau-Besetzung eingesetzt werden, um die Sicherheit zu erhöhen.
Polizeigewerkschaft fordert Einsatz auch in kleineren Teams
Thorsten Grimm, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert, dass Taser künftig auch in Streifenfahrzeugen und damit auch in der Zwei-Mann/Frau-Besatzung eingesetzt werden können. Laut Grimm fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft bereits zehn Jahre lang den Taser-Einsatz im Streifendienst.
Neben der Deutschen Polizeigewerkschaft befürwortet auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Verwendung der Geräte, etwa bei der Bundespolizei.
Wie wirkt ein Taser?
Mit einem Taser – oder Distanz-Elektroimpulsgerät (DEIG) – können Polizisten aus einer relativ kurzen Entfernung von mehreren Metern Angreifer außer Gefecht setzen. Sie verschießen kleine Pfeile, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden sind. Diese bohren sich einige Millimeter in die Haut des Gegenübers und geben dann einen starken Stromimpuls ab, der schmerzhafte Muskelkontraktionen verursacht. Die Folge: Die getroffene Person ist für einige Sekunden komplett gelähmt und bewegungsunfähig. Neueste Taser-Modelle haben eine Reichweite von mehr als 13 Metern.
Kritiker zweifeln an Wirkung
Kritiker zweifeln jedoch an der Wirkung der Waffe, etwa wenn der Abstand zum Angreifer zu groß ist oder wenn der Angreifer dicke Kleidung trägt. Auch bei dynamischen Situationen und wenn der Angreifer gefährliche Waffen, zum Beispiel ein Messer, mitführt, stellen Kritiker die Eignung des Einsatzmittels infrage.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt davor, den Taser als schonende Waffe zu unterschätzen. Sie könne unter Umständen sogar zum Tod führen und dürfe nur in Situationen eingesetzt werden, "in denen anderenfalls die Anwendung tödlicher Gewalt nötig wäre".
Mit Informationen der dpa
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