08.06.2026, Bayern, Schweinfurt: Ein Polizist zielt mit einem Taser. Die bayerische Polizei startet in einigen Behörden eine Pilotierung zur Ausweitung des Einsatzes von Tasern. Foto: Pia Bayer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
08.06.2026, Bayern, Schweinfurt: Ein Polizist zielt mit einem Taser. Die bayerische Polizei startet in einigen Behörden eine Pilotierung zur Ausweitung des Einsatzes von Tasern. Foto: Pia Bayer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bild
Ausweitung des Einsatzes von Tasern
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Pia Bayer
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Pia Bayer
Videobeitrag

Ausweitung des Einsatzes von Tasern

Videobeitrag
>

Taser-Testphase der Polizei in drei bayerischen Städten

Taser-Testphase der Polizei in drei bayerischen Städten

Stromstöße gegen Angreifer: Der Einsatz von Tasern wird viel diskutiert. Heute startet in Schweinfurt, Regensburg und Augsburg die Testphase der Polizei für den Einsatz im Wach- und Streifendienst – allerdings mit Einschränkungen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Mainfranken am .

Taser sollen mit Stromstößen Angreifer für kurze Zeit bewegungsunfähig machen, während diese weiterhin ansprechbar sein sollen: Heute startet eine sechsmonatige Pilotphase der Polizeiinspektion Schweinfurt zur Ausweitung von sogenannten Taser-Einsätzen im Wach- und Streifendienst der Bayerischen Polizei. Außerdem mit dabei: Beamtinnen und Beamte der Polizeiinspektionen Regensburg Süd und Augsburg.

39 Taser-Einsätze im vergangenen Jahr

Es geht um bayernweit 30 Taser. Laut Innenministerium werden Taser bereits seit 2006 von Spezialeinheiten der Polizei und seit 2021 von geschlossenen Einheiten der bayerischen Unterstützungskommandos eingesetzt. Alleine im Jahr 2025 hätten Polizeibeamtinnen und -beamte Taser in 158 "Einsatzlagen" eingesetzt. In 119 Fällen habe bereits die Taser-Androhung genügt, um kritische Situationen zu entschärfen, so das Innenministerium. Heißt: 39 Mal seien Personen tatsächlich per Taser kampfunfähig gemacht worden.

"Entscheidender Beitrag zum Schutz der Einsatzkräfte"

"Das Einsatzmittel hat sich in den vergangenen Jahren in mehreren hundert Fällen bewährt und leistet einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der Einsatzkräfte und aller Beteiligten. In den allermeisten Fällen blieb der Angreifer durch den Taser-Einsatz unverletzt", so Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU). Laut Kirchner gibt es bei Polizeieinsätzen immer häufiger Situationen, die von Aggression und Gewaltbereitschaft geprägt sind. Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gehöre leider mittlerweile zum Alltag.

Laut Kirchner sollen Taser zunächst nur in einer Vier-Mann/Frau-Besetzung eingesetzt werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Polizeigewerkschaft fordert Einsatz auch in kleineren Teams

Thorsten Grimm, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert, dass Taser künftig auch in Streifenfahrzeugen und damit auch in der Zwei-Mann/Frau-Besatzung eingesetzt werden können. Laut Grimm fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft bereits zehn Jahre lang den Taser-Einsatz im Streifendienst.

Neben der Deutschen Polizeigewerkschaft befürwortet auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Verwendung der Geräte, etwa bei der Bundespolizei. 

Wie wirkt ein Taser?

Mit einem Taser – oder Distanz-Elektroimpulsgerät (DEIG) – können Polizisten aus einer relativ kurzen Entfernung von mehreren Metern Angreifer außer Gefecht setzen. Sie verschießen kleine Pfeile, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden sind. Diese bohren sich einige Millimeter in die Haut des Gegenübers und geben dann einen starken Stromimpuls ab, der schmerzhafte Muskelkontraktionen verursacht. Die Folge: Die getroffene Person ist für einige Sekunden komplett gelähmt und bewegungsunfähig. Neueste Taser-Modelle haben eine Reichweite von mehr als 13 Metern.

Kritiker zweifeln an Wirkung

Kritiker zweifeln jedoch an der Wirkung der Waffe, etwa wenn der Abstand zum Angreifer zu groß ist oder wenn der Angreifer dicke Kleidung trägt. Auch bei dynamischen Situationen und wenn der Angreifer gefährliche Waffen, zum Beispiel ein Messer, mitführt, stellen Kritiker die Eignung des Einsatzmittels infrage. 

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt davor, den Taser als schonende Waffe zu unterschätzen. Sie könne unter Umständen sogar zum Tod führen und dürfe nur in Situationen eingesetzt werden, "in denen anderenfalls die Anwendung tödlicher Gewalt nötig wäre".

Mit Informationen der dpa

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!