Distanz-Elektroimpulsgeräte (DEIG), sogenannte Taser, sind Waffen, die einen Angreifer mit Stromstößen kurzzeitig bewegungsunfähig machen können. Beim Einsatz werden zwei pfeilförmige Elektroden abgeschossen, die sich in der Kleidung oder der Haut einer Zielperson verhaken. Über dünne mit dem Gerät verbunden Drähte fließt dann rund fünf Sekunden Strom.
Ob diese Geräte bei der Polizei zum Einsatz kommen sollen, darüber wird immer wieder diskutiert. In Bayern ist er bereits seit Jahren bei Spezialeinheiten Teil der Ausrüstung. Nun sollen Polizistinnen und Polizisten den Einsatz von Tasern im Rahmen eines Pilotprojektes auch im Streifendienst erproben – und zwar bei den Polizeiinspektionen Schweinfurt, Regensburg Süd und Augsburg Mitte. Nach Abschluss der halbjährigen Pilotphase sollen die Ergebnisse von einer Arbeitsgruppe ausgewertet werden.
Vergangenes Jahr: 158 Taser-Einsätze in Bayern – Kritik an der Wirksamkeit
Nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums hätten Polizeibeamtinnen und – beamte Taser vergangenes Jahr in 158 Einsatz-Situationen genutzt. In 119 Fällen habe bereits die Taser-Androhung genügt, um kritische Situationen zu entschärfen. Heißt: 39-mal seien Personen tatsächlich per Taser kampfunfähig gemacht worden.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte den Einsatz der Geräte wiederholt gefordert. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) befürwortet die Verwendung, etwa bei der Bundespolizei. "Der Taser ist das richtige Einsatzgerät, um genau an der Schnittstelle zwischen Schlagstock als Nahwaffe und der Pistole als Fernwaffe zu wirken", sagte Dobrindt im vergangenen Jahr. Kritiker zweifeln jedoch an der Wirkung der Waffe, etwa, wenn der Abstand zum Angreifer zu groß ist oder wenn der Angreifer dicke Kleidung trägt.
Gutachten weisen deeskalierende und präventive Wirkung nach
Bisherige Gutachten zu den Tasern zeigen, dass zumindest Beamte den Einsatz von Tasern begrüßen. So wurden etwa von der Hochschule der Polizei Nordrhein-Westfalen und von der Berlin School of Economics and Law Untersuchungen durchgeführt. Auch die präventive und deeskalierende Wirkung des Tasers - auch als Distanz-Elektroimpulsgeräte (DEIG) bezeichnet - sahen Gutachter bestätigt.
Die Wissenschaftler beobachteten aber auch: Die Hemmschwelle, den Taser zu nutzen, sei niedriger als bei einer Schusswaffe. "Bedenklich ist allerdings, dass etwa jede sechste Androhung des DEIG ohne vorherige Bedrohung und Selbstgefährdung erfolgt", so die Forscher. Das geschehe zum Beispiel, um "langwierige gewaltfreie Bemühungen" zu vermeiden oder aus Selbstschutz vor "körperlichen Auseinandersetzungen".
Amnesty International: Taser nicht ungefährlich
Der Taser ist nach Meinung von Amnesty International keine schonende Waffe, sondern kann schwerwiegende körperliche Schäden anrichten und sogar zum Tod führen. Besonders gefährdet seien Gruppen wie Schwangere, Kinder, Jugendliche oder Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Weitere Risikofaktoren seien Vorschädigungen des Herz-Kreislauf-Systems, psychische Ausnahmesituationen oder der Einfluss von Alkohol und Drogen.
Die Menschenrechtsorganisation sieht zudem ein hohes Missbrauchsrisiko wegen der unterschätzten Gefährlichkeit der Waffe. Der Taser solle deshalb nur in Situationen eingesetzt werden, "in denen anderenfalls die Anwendung tödlicher Gewalt nötig wäre".
Mit Informationen der dpa
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