(Archivbild) Bild der Verwüstung nach einem Terroranschlag auf eine Demonstration in München im Februar 2025
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(Archivbild) Am 13. Februar 2025 fuhr Farhad N. mit einem Auto in eine Verdi-Demo in München. Zwei Menschen starben, viele wurden verletzt.
Bildrechte: picture alliance / epd-bild | Maximilian Eberl
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(Archivbild) Am 13. Februar 2025 fuhr Farhad N. mit einem Auto in eine Verdi-Demo in München. Zwei Menschen starben, viele wurden verletzt.

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Terror-Opfer - wie gut hilft der deutsche Staat?

Terror-Opfer - wie gut hilft der deutsche Staat?

Beim Terroranschlag auf eine Verdi-Demo in München starben im Februar 2025 zwei Menschen, viele wurden verletzt. Betroffene leiden bis heute unter körperlichen und psychischen Folgen. Der Weg zur dauerhaften Unterstützung durch den Staat ist mühsam.

Über dieses Thema berichtet: Der Funkstreifzug am .

Seit Januar 2026 verhandelt das Oberlandesgericht München gegen Farhad N., den mutmaßlichen Täter von München.

Franz Schütz ist regelmäßig im Gerichtssaal dabei, um das Verfahren zu verfolgen. Der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer von Verdi erinnert sich genau an den Terroranschlag: "Es gab einen ziemlich lauten Knall, ich habe mich umgedreht und gesehen, wie hinter mir jemand mit dem Auto in die Demonstration reingefahren ist. Es war natürlich gleich ein Riesenchaos", erzählt er im Interview mit dem BR-Funkstreifzug. "Die Leute haben geschrien, die Leute sind weggelaufen. Ich habe gesehen, dass unheimlich viele Verletzte herumlagen."

Betroffene brauchen staatliche Hilfe

Was genau passiert ist und wie es dazu kommen konnte, das soll das Oberlandesgericht München herausfinden und bewerten. Zum Prozessauftakt im Januar ist auch Roland Weber nach München gekommen. Er ist der Bundesbeauftragte für die Anliegen von Opfern terroristischer und extremistischer Straftaten in Deutschland.

Und diese Anliegen sind sehr unterschiedlich. "Die einen brauchen sofortige ärztliche Hilfe und psychotherapeutische Unterstützung", sagt Weber. "Es geht aber auch um Schadensersatzleistungen bis hin zu Rentenleistungen."

Anschlag von München: Fast 200 Betroffene

Gerade bei Anschlägen geht das, was die Betroffenen brauchen, oft weit über die akute medizinische Versorgung hinaus. Laut Franz Schütz von Verdi gibt es fast 200 körperlich und psychisch Betroffene. Inzwischen hätten zwar fast alle den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben geschafft. "Aber es gibt leider einige, die bis heute darunter leiden, die wahrscheinlich bis zu ihrem Lebensende mit den Verletzungen zu tun haben werden." Und viele Überlebende des Anschlags seien bis heute psychisch angeschlagen. 

Soforthilfe vom Bundesjustizministerium

Verdi hat damals im Februar 2025 sofort reagiert. Schon kurz nach dem Terroranschlag wurde ein Spendenkonto eingerichtet.  Doch München ist in dieser Hinsicht ein Sonderfall. Hier traf der Anschlag die Demonstration von organisierten Gewerkschaftern. Meistens aber zielen solche Attentate auf eine zufällige Gruppe von Menschen, etwa auf Passanten in einer Fußgängerzone oder wie in Magdeburg auf Besucher eines Weihnachtsmarktes. Die Täter suchen sich ihre Opfer nicht gezielt aus. Ihnen geht es eher darum, die Gesellschaft allgemein oder den Staat an sich zu treffen.

Deswegen habe der Staat hier auch eine besondere Verantwortung, sagt der Opferbeauftragte Roland Weber. Deshalb könnten Terroropfer in einem ersten Schritt über das Bundesjustizministerium schnelle finanzielle Unterstützung erhalten, sogenannte Härteleistungen, die als Pauschalbeträge ausgezahlt werden: "Ist also jemand schwer verletzt oder hat  Angehörige verloren, dann fließen sofort fünfstellige Beträge", so Weber. "Diejenigen, die in unmittelbarer Nähe oder im Einwirkbereich des Täters waren und nur mit Glück entkommen sind, können entweder 3.000 oder 5.000 Euro erhalten."

Betroffene müssen immer wieder dieselben Fragen beantworten

Aber: Diese und weitere Hilfen müssen die Betroffenen erst einmal beantragen und dabei detaillierte Fragen beantworten zu dem, was sie erlebt haben.  Das ist für viele nicht leicht – vor allem, weil es nicht bei der einmaligen Schilderung des Geschehens bleibt. "Mir berichten Betroffene regelmäßig, dass sie ein und dieselbe Geschichte vier- oder fünf Mal niederschreiben mussten", erzählt Weber. "Das ist natürlich für eine Gesundung nicht gut."

Personalmangel in den Versorgungsämtern

Und selbst, wenn endlich alle Anträge gestellt sind, gebe es noch ein anderes großes Problem, das die langfristige Unterstützung betrifft: Die Bearbeitung durch die Versorgungsämter dauere viel zu lange: "Ich bekomme regelmäßig Beschwerden auf Bundes- wie auf Landesebene, dass ein, zwei und mehr Jahre vergehen, bis die Betroffenen tatsächlich die Leistungen endlich erhalten." Grund dafür sei unter anderem der Personalmangel in den Ämtern.

Betroffene brauchen Geduld, Zeit und Kraft

Und dazu kommt ja noch die juristische Aufarbeitung, die für Betroffene ebenso belastend sein kann. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht München sind mittlerweile viele Geschädigte als Zeugen befragt worden. Detailliert haben sie dort noch einmal geschildert, was sie am 13. Februar 2025 in der Münchner Innenstadt erleben mussten. Diese Geschichten werden sie vermutlich noch mehrfach erzählen müssen, bis ihre staatliche Versorgung gesichert ist. Ein Prozedere, das sie weiter viel Geduld, Zeit und Kraft kosten wird. 

Die ganze Recherche hören Sie im Funkstreifzug am Mittwoch, 13. Mai 2026, um 12:15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als Podcast in ARD Sounds.

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