(Symbolbild) Altkleider liegen in Haufen vor Containern auf dem Boden.
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Textilhaufen vor den Altkleidercontainern sind vielerorts ein Problem. Die Gemeinde Sachsen bei Ansbach will dafür Lösungen finden.
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Textilhaufen vor den Altkleidercontainern sind vielerorts ein Problem. Die Gemeinde Sachsen bei Ansbach will dafür Lösungen finden.

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Textilflut in Franken: Gemeinde kämpft gegen Klamottenberge

Textilflut in Franken: Gemeinde kämpft gegen Klamottenberge

Die fränkische Gemeinde Sachsen hat ein Altkleider-Problem. Die Bürger liefern mehr ab, als die Gemeinde handeln kann. Wo kommt all der Stoff her und wie lassen sich die Kunststoff- und Baumwollberge beseitigen?

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Die Deutschen kaufen immer mehr Kleidung – und entsorgen auch immer mehr. In den bayerischen Kommunen äußert sich das in Form von überfüllten Altkleidercontainern. Im mittelfränkischen Sachsen bei Ansbach will die Gemeinde neue Wege finden, um der Textilflut Einhalt zu gebieten.

Vor dem überfüllten Altkleidercontainer in Sachsen stapeln sich regelmäßig vollgestopfte Tüten. Doch die landen in der Regel direkt im Restmüll. Denn die sind oft nass oder dreckig. Daher bittet die Abfallwirtschaft am Landratsamt Ansbach "eindringlich darum", keine Säcke vor den Containern abzustellen. Auf der Website heißt es weiter: "Aufgrund einer sehr schwierigen Marktlage bei der Entsorgung von Alttextilien können Container derzeit nicht in der gewohnten Häufigkeit geleert werden. Bei vielen sozialen Einrichtungen können Altkleiderspenden auch direkt vor Ort abgegeben werden."

Beschwerden wegen voller Container

Bereits Anfang des Jahres habe es wegen der Tütenberge vor den Containern bei der Gemeindeverwaltung Beschwerden gegeben. Darüber hatte die Fränkische Landeszeitung (FLZ) berichtet. Doch das Problem sei nicht nur die schwierige Marktlage, sondern auch, "dass Altkleider immer mehr werden", erklärt Sachsens Bürgermeister Bernd Meyer (CSU) gegenüber dem BR. "Es wird immer mehr gekauft und dadurch ist der Kreislauf fast zusammengebrochen." Laut Bundesumweltministerium (BMUKN) kaufen die Deutschen bis zu 14 Kilogramm Klamotten pro Jahr. Vor 15 Jahren waren es noch unter 10 Kilogramm. Und wer viel Neues kauft, sortiert auch viel Altes aus.

Klamottenkauf ist schlecht für die Umwelt

Die Marktgemeinde Sachsen will Lösungen für das Problem finden und hat dazu Ende November gemeinsam mit dem Bund Naturschutz zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Zu Gast war unter anderem die R + H Textilrecycling GmbH. Die erklärt auf ihrer Website: Der Textilverbrauch habe massive Auswirkungen auf Klimawandel und Umwelt. In der Produktion und Verwertung würden Unmengen an Rohstoffen und Wasser verbraucht und Treibhausgase freigesetzt. In die Produktion eines Kilogramms Baumwolle fließen laut einer Oxford-Studie im Schnitt um die 10.000 Liter Wasser. Um die hohe Umweltbelastung zu minimieren, sei es gut, wenn Altkleider in Textilsammlungen landen – und nicht im Müll.

Nur die Hälfte wird zu Second-Hand

Eine Million Tonnen Klamotten landen laut BMUKN jedes Jahr in den deutschen Altkleidercontainern. Tendenz steigend. Die Klamotten, die noch tragbar sind – laut BMUKN ist das rund die Hälfte – landen als Second-Hand-Ware wieder auf dem deutschen Markt oder werden ins Ausland verschifft. Ist die Ware kaputt oder verschmutzt, wird sie recycelt oder verbrannt.

Start-up will mehr recyceln

Im großen Stil werde alte Kleidung aber nicht recycelt, kritisiert das Ansbacher Start-up "Turns". Bei der Infoveranstaltung in Sachsen sortieren die Mitarbeiterinnen die alten Klamotten der Besucher nach Materialien: "Baumwolle und Baumwollpolyester können wir wieder zu hochwertigen Garnen verarbeiten. Alles andere geht andere Verwertungswege, wird gedowncyclet oder verbrannt", sagt Turns-Mitgründerin Angelique Thummerer. Ihr Konzept: Unternehmen, Second‑Hand‑Läden, Großwäschereien oder kommunale Altkleidersammlungen können ihre ausrangierten Textilien an Turns schicken. Das Team sortiert und verwertet die Stoffe dann weiter. Das Ziel: mehr Recycling, weniger Verbrennung und Export von Textilien.

In Sachsen sollen die Altkleider künftig als Pilotprojekt auch an Turns gehen und verwertet werden. Wann das Projekt genau startet, ist noch offen. Vor den sich auftürmenden Klamottenbergen wird aber auch das Start-up die Gemeinde nicht bewahren können. Der Bund Naturschutz schlägt vor, die Altkleidercontainer in den Wertstoffhöfen aufzustellen. Dort wären sie unter Aufsicht – so könnten die Berge vor den Containern vermieden werden.

Bürger in der Textil-Pflicht

Den größten Einfluss, da sind sich alle einig, haben die Bürgerinnen und Bürger selbst. Sie könnten zum einen weniger kaufen. Laut Umweltbundesamt wird jedes fünfte Kleidungsstück kaum bis gar nicht getragen, bevor die Besitzer es wieder entsorgen. Zum anderen können Bürgerinnen und Bürger ihre vollen Altkleidertüten, wenn die Container schon voll sind, erst einmal wieder mit nach Hause nehmen.

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