Männer in Bundeswehruniform tragen einen Baumstamm und gehen mit ihm durch einen schneebedeckten Wald.
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Auch drei junge Männer aus Regen fielen in Afghanistan einen Anschlag zum Opfer. Zum Jahrestag wurde auf besondere Art an sie erinnert.
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Auch drei junge Männer aus Regen fielen in Afghanistan einen Anschlag zum Opfer. Zum Jahrestag wurde auf besondere Art an sie erinnert.

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Tod in Afghanistan: Regener Soldaten gedenken ihrer Kameraden

Tod in Afghanistan: Regener Soldaten gedenken ihrer Kameraden

Afghanistan war der größte und verlustreichste Auslandseinsatz der Bundeswehr. 59 Soldaten haben dabei ihr Leben gelassen. Auch drei junge Männer aus Regen – sie starben bei einem Anschlag. Zum Jahrestag wurde auf besondere Art an sie erinnert.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Tanja Menz hat Blumen in der Hand und ein Lachen im Gesicht, als sie in der Bayerwaldkaserne zum Ehrenhain kommt. Ein Denkmal für ihren Sohn Konstantin, den sie vor genau 15 Jahren durch einen Anschlag in Afghanistan verloren hat.

Angehörige treffen sich jedes Jahr

"Schön, dass man an so einem Tag nicht allein ist" – sie ist froh, auch die Angehörigen der anderen beiden Gefallenen und Kameraden ihres Sohnes wiederzutreffen. Einmal im Jahr, immer am Jahrestag, kommen sie in der Bayerwaldkaserne zusammen. Und treffen sich auch einmal im Jahr zusammen auf einer Hütte. Tanja Menz aus Backnang in Baden-Württemberg hat auf ungewöhnliche Weise gelernt, mit ihrer Trauer zu leben.

Heimtückischer Anschlag in Afghanistan

Konstantin Menz war 22 Jahre alt, "sportlich, hilfsbereit, politisch interessiert", sagt seine Mutter. Er war tausende Kilometer entfernt im Einsatz, gerade mit seinen Kameraden mit der Wartung ihres Schützenpanzers Marder beschäftigt, als ein afghanischer Wachsoldat im Bundeswehrlager am OP North im Norden Afghanistans das Feuer auf sie eröffnete. Ein heimtückischer Anschlag. Mit Konstantin starben auch Georg Missulia (30) aus Langdorf und Georg Kurat aus Adelzhausen (21), sechs weitere Soldaten wurden verwundet.

Der schwärzeste Tag des Panzergrenadierbataillons in Regen

Es war der schwärzeste Tag in der über 60-jährigen Geschichte des Panzergrenadierbataillons 112 in Regen. Die 600 Soldaten haben sich am 15. Jahrestag aufgemacht zu einem besonderen Gedenkmarsch. Über 20 Kilometer tragen sie einen Baumstamm rund um Regen, auf dem die metallenen Namenskennungen der gefallenen Soldaten angebracht sind.

Außerdem nutzen sie den Jahrestag fürs Erzählen von den Kameraden und ihren eigenen Erlebnissen in den Einsätzen, berichtet Kommandeur Sean Papendorf. Auch Regens Landrat Ronny Raith trägt den Baumstamm eine Strecke mit. Das zeige die Verbundenheit der ganzen Region zur Bundeswehr. Der Gedenkmarsch, aber auch ein Gedenkakt am Ehrenhain zeigen, dass "niemand vergessen wird, weder auf dem Gefechtsfeld, noch später in der Heimat", sagt der Kommandeur.

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600 Soldaten haben sich am 15. Jahrestag zu einem Gedenkmarsch aufgemacht. Sie tragen einen Baumstamm mit den Namen der gefallenen Soldaten.

"Für irgendwas muss es gut sein"

Seit knapp fünf Jahren ist der Einsatz in Afghanistan beendet. Die Taliban haben dort wieder die Macht. Er war der bislang größte und verlustreichste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Tanja Menz versucht, dennoch etwas Positives darin zu sehen. Ihr Sohn habe ihr Leben gelassen, aber "für irgendwas muss es gut sein, dass vor allem Mädchen 20 Jahre lang in die Schule gehen konnten", sagt die 57-Jährige. Sie seien die künftige Müttergeneration in dem Land.

Die Aussagen von US-Präsident Donald Trump, Nato-Verbündete wären in Afghanistan "nicht an der Front" gewesen, die USA hätten die Verbündeten "nie gebraucht", mache sie wütend und treibt ihr Tränen in die Augen, während sie auf die Gedenkstätte für ihren getöteten Sohn schaut.

Trauer durch Unterstützung bewältigen

Vorher hat die Mutter von insgesamt vier Kindern in der Firma ihres Mannes mitgearbeitet. Inzwischen hat sie durch den Tod ihres Sohnes und den Kontakt zu anderen Hinterbliebenen einen neuen Beruf: Trauerbegleiterin in einem Hospiz. Die 57-Jährige engagiert sich auch im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Verteidigungsministeriums für Einsatzrückkehrer, Einsatzfolgen und die Betreuung von Hinterbliebenen und Familienangehörigen.

Außerdem ist sie im "Förderverein 18. Februar" tätig. Dieser wurde vor 15 Jahren in Regen gegründet, um das Andenken an die drei gefallenen Soldaten hochzuhalten und in Not geratene Soldaten des Bundeswehrstandortes Regen zu unterstützen. Im Laufe der Zeit sind Soldaten des Bataillons auch durch Unfälle ums Leben gekommen, jüngst im Herbst 2025. Für jeden einzelnen wurde am Abend der Name vorgelesen und ertönte ein Glockenschlag am Ehrenhain.

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Tanja Menz hat vor 15 Jahren durch einen Anschlag in Afghanistan ihren Sohn verloren.

Der Einsatz in Afghanistan war nach Angaben der Bundeswehr der bislang größte und verlustreichste in der Geschichte der Bundeswehr. 59 Menschen ließen am Hindukusch ihr Leben. In der öffentlichen Debatte war der Afghanistaneinsatz umstritten. Eine Verteidigung der deutschen Interessen am Hindukusch? Nato-Bündnistreue und der Wunsch nach einem Abzug beherrschten die gegensätzlichen Positionen. Ab 2009 sprach der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von "kriegsähnlichen Zuständen", später auch von "Krieg". Er war auch bei der Trauerfeier 2011 in Regen, zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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