Der Vorfall ereignete sich am Neujahrstag kurz nach Mitternacht im Würzburger Stadtteil Heuchelhof. Zeugenaussagen zufolge soll von der Straße aus Feuerwerk in Richtung eines Mehrfamilienhauses mit vier Stockwerken abgefeuert worden sein. Mindestens eine Rakete traf demnach den Balkon einer 88-jährigen Frau im ersten Stock. Kurz darauf brach ein folgenschwerer Brand aus, der auf die Wohnung übergriff.
In der Silvesternacht war es der Feuerwehr noch gelungen, die bewusstlose Seniorin aus der brennenden Wohnung zu retten. Trotz medizinischer Versorgung starb die 88-Jährige jedoch noch im Laufe der Nacht im Krankenhaus an ihren Verletzungen.
Hinweise aus der Nachbarschaft führen zu Verdächtigen
Nun gelten zwei Männer als tatverdächtig, den tödlichen Brand ausgelöst zu haben. Nach aktuellem Ermittlungsstand soll dies nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig geschehen sein. Wie das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Würzburg mitteilen, wurden ein 42- und ein 48-jähriger Deutscher aus dem Raum Würzburg als Tatverdächtige identifiziert.
Entscheidende Hinweise kamen aus der Nachbarschaft. Ein Polizeisprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken sagte, Videos und Beobachtungen von Anwohnerinnen und Anwohnern hätten maßgeblich dazu beigetragen, die Verdächtigen zu ermitteln.
Feuerwehr rettet Bewohnerin – Seniorin stirbt im Krankenhaus
Gestern suchte die Würzburger Kriminalpolizei die beiden Tatverdächtigen auf und stellte digitale Speichermedien sicher, die nun ausgewertet werden. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurden die Männer zunächst wieder entlassen. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Brandstiftung. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden drohen ihnen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.
Viertel unter Schock – Spendenaktion der Enkelin
Im Stadtteil Heuchelhof zeigten sich viele Anwohnerinnen und Anwohner tief betroffen. "Es ist wie ein Albtraum. Das begleitet dich jetzt die ganze Zeit", sagte ein Anwohner zu BR24 am Tag nach dem Vorfall. Einige kannten die Seniorin persönlich, andere waren in der Brandnacht vor Ort und berichten von traumatischen Erlebnissen.
Die Enkelin der Verstorbenen startete eine Spendenaktion, um die Beerdigung finanzieren zu können und die Folgen des Brandes abzufedern. Für die Familie sei nicht nur ein Mensch verloren gegangen, auch die materielle Existenz der Großmutter sei durch das Feuer nahezu vollständig vernichtet worden. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich.
Bundesweite Debatte über Böllerverbot
Der Fall aus Würzburg fällt in eine seit Jahren geführte bundesweite Debatte über private Silvesterfeuerwerke. Unter anderem die Gewerkschaft der Polizei und die Deutsche Umwelthilfe fordern schärfere Regeln bis hin zu einem Verbot von Böllern und Raketen im Privatbereich. Befürworterinnen und Befürworter des Verbots erhoffen sich dadurch an Neujahr weniger Verletzte, weniger Sachschäden und besseren Schutz für Einsatzkräfte.
Kritikerinnen und Kritiker eines generellen Verbots verweisen auf Tradition, persönliche Freiheit und die Bedeutung von Feuerwerk für den Einzelhandel – auch wenn einzelne Handelsketten den Verkauf bereits einschränken.
Kritik an privatem Feuerwerk im Stadtteil
Auch im Stadtteil Heuchelhof werden die Rufe nach strengeren Regeln lauter. Anwohnerinnen und Anwohner berichten, dass Böller und Raketen nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch an anderen Tagen ein Problem im Viertel seien. Nach dem tödlichen Brand sehen viele ihre Forderungen nach einem Verbot oder deutlichen Einschränkungen privaten Feuerwerks bestätigt.
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