Unter Tränen hat ein 39-jähriger Landwirt vor dem Landgericht Memmingen geschildert, wie seine Lebensgefährtin in Lauben im Unterallgäu ums Leben gekommen sein soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die damals 36-jährige Valerie M. im August vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung mit einem Hundekissen erstickt und anschließend in einem Waldstück abgelegt zu haben. Der Vorwurf lautet auf Totschlag. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
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Der Mann äußerte sich nach Verlesung der Anklage zur Tat. Er hatte bereits im Vorfeld der Verhandlung eingeräumt, seine Lebensgefährtin getötet zu haben. Vor Gericht sagte er, er habe Valerie M. im Jahr 2020 im Internet kennengelernt. Die Beziehung sei nach seiner Darstellung schnell schwierig geworden.
Seine Lebensgefährtin habe psychische Probleme gehabt und sei zeitweise wochenlang "nur auf dem Sofa gelegen“. Er habe sich neben seiner Arbeit als Landwirt, einer Hausbaustelle, dem Haushalt und den Kindern zunehmend überfordert gefühlt. Außerdem habe sich nach seinen Angaben ein anderer Mann immer stärker in die Beziehung eingemischt.
Streit soll tödlich eskaliert sein
Nach Darstellung des Angeklagten kam es an einem Abend zum Streit, nachdem die gemeinsame eineinhalbjährige Tochter nicht schlafen wollte. Valerie M. habe das Kind vor ihm auf den Boden geworfen und anschließend den Raum verlassen. Daraufhin sei die Situation eskaliert. Es sei zu einem Gerangel gekommen. Dabei habe er seine Lebensgefährtin mit einem Hundekissen erstickt und später im nahegelegenen Waldstück abgelegt. Am nächsten Tag habe der Landwirt sie dort schließlich vergraben. Während seiner Aussage brach der Angeklagte mehrfach in Tränen aus.
Ein Anwalt der Nebenklage zählte beim Prozessauftakt Widersprüche zur Aussage des Angeklagten bei seiner polizeilichen Vernehmung auf. Anstelle einer Tötung im Affekt sehe man einen Tötungsvorsatz. Außerdem gebe es Hinweise auf eine Beziehung zu einer anderen Frau, mit der er sich ein neues Leben habe aufbauen wollen. Gleichzeitig sei der Angeklagte wirtschaftlich von Valerie M. abhängig gewesen, die sich ihrerseits von ihm habe trennen wollen.
Leiche erst nach wochenlanger Suche gefunden
Der Fall hatte überregional für Aufsehen gesorgt, weil die zweifache Mutter zunächst lange vermisst wurde. Erst mehr als drei Wochen nach ihrem Verschwinden Anfang August wurde ihre Leiche bei umfangreichen Suchmaßnahmen entdeckt. Das Waldstück liegt nur wenige hundert Meter vom Wohnhaus des Paares entfernt.
Kurz nach dem Fund geriet der damals 38-jährige Lebensgefährte in den Fokus der Ermittlungen. Er wurde einen Tag später festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Rätselhafte Spuren nach dem Verschwinden
Nach dem Verschwinden der Frau hatten zunächst rätselhafte Spuren für Spekulationen gesorgt. Ihre Geldbörse wurde auf einem Baumarkt-Parkplatz in Landsberg am Lech gefunden, ihr Auto auf einem Freizeitgrundstück bei Erkheim. In den Medien war darüber spekuliert worden, ob damit falsche Fährten gelegt worden sein könnten. Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, sowohl die Geldbörse als auch das Auto dorthin gebracht zu haben.
Sechs Verhandlungstermine angesetzt
Bis zum 21. Mai sind vor dem Landgericht Memmingen insgesamt sechs Verhandlungstermine angesetzt. Geladen sind 29 Zeugen und zwei Sachverständige. Ob am letzten angesetzten Verhandlungstag auch ein Urteil fällt, ist offen.
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