Nach dem gefährlichen Traktor-Vorfall am Rande eines Konzerts von Wincent Weiss hat die Stadt Bad Kissingen das Zusteuern des großen Traktors auf die Konzertbesucher als "vollkommen unnötig und unverhältnismäßig" bezeichnet. Der Bayerische Bauernverband nennt das Verhalten des Landwirts "nicht klug" - fordert aber mehr Respekt vor landwirtschaftlichen Flächen und privatem Eigentum.
Stadt Bad Kissingen wollte Fläche absperren
Nach Angaben der Stadt ereignete sich der Vorfall außerhalb des eigentlichen Veranstaltungsgeländes. Die Menschen hätten sich dort unzulässigerweise aufgehalten und seien durch das Vorgehen des Landwirts potenziell stark gefährdet gewesen. Aus nachvollziehbarem Unmut sei "innerhalb kurzer Zeit eine schwerwiegende Einsatzlage" geworden, erklärte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) über das Büro des Oberbürgermeisters.
Die Stadt hatte demnach bereits am 20. August Kontakt mit dem Grundstückseigentümer aufgenommen. Sie habe zwei Flächen während der Veranstaltungen vorübergehend absperren lassen wollen. Dadurch sollten Konzertbesucher am Betreten gehindert und die landwirtschaftliche Fläche geschützt werden. Eine Rückmeldung sei bis zum Veranstaltungswochenende ausgeblieben. Der Veranstalter habe deshalb Bauzäune an der Grenze zum Veranstaltungsgelände und zur öffentlichen Straße aufgestellt. Ähnliche Vorfälle oder frühere Beschwerden seien der Stadt nicht bekannt.
Keine Wiese – Fläche war frisch angesät
Der Bayerische Bauernverband (BBV) betont, dass es sich bei der betroffenen Fläche nicht um gewöhnliches Grünland gehandelt habe. Dort sei kurz zuvor Kleegras angesät worden. Wenn viele Menschen über die Fläche liefen, könnten die jungen Pflanzen geschädigt sowie Wachstum und Ertrag beeinträchtigt werden, erklärt Eugen Köhler, Direktor der Hauptgeschäftsstelle Unterfranken. Der BBV wünscht sich mehr Respekt für das Privateigentum. "Gerade weil die meisten Leute nicht einschätzen können, was auf einer Fläche wächst, sollten landwirtschaftliche Flächen generell nicht betreten werden.".
Das Verhalten des Landwirts bewertet der Verband dennoch kritisch: "Mit Schlepper auf die Fläche zu fahren, war nicht klug." Richtig sei hingegen gewesen, zunächst die Polizei zu verständigen. Die wollte die Fläche kurz vor Konzertende jedoch nicht räumen, um keine Panik in der Menge auszulösen. Der Verband wirft die Frage auf, wie ein Eigentümer mögliche Schäden geltend machen könne, wenn die Personalien der Menschen auf der Fläche nicht aufgenommen würden.
Ermittlungen laufen, Führerschein ist sichergestellt
Der 52-Jährige Landwirt soll am Samstagabend in der Dunkelheit mit seinem Traktor in Zickzacklinien über die Fläche und auf Menschen zugefahren sein. Mehrere Personen mussten ausweichen, zwei wurden leicht verletzt. Einen direkten Zusammenstoß mit dem Traktor gab es nach Angaben der Polizei nicht. Sie sucht weiterhin Zeugen sowie Foto- und Videoaufnahmen.
Gegen den Mann wird unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung ermittelt. Sein Führerschein wurde sichergestellt.
Landwirt äußert sich nicht zum Geschehen
Der 52-Jährige selbst habe sich gegenüber der Polizei zu dem Geschehen nicht äußern wollen. Auch für den BR war der betroffene Landwirt bislang nicht zu erreichen. Im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt] beschreibt ihn der BBV-Kreisobmann als besonnenen Menschen, der sicherlich niemanden verletzen wollte.
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