Grillen auf dem Balkon im Sommer: Grillfleisch und Grillwürste liegen auf einem Gasgrill.
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Grillen auf dem Balkon im Sommer: Grillfleisch und Grillwürste liegen auf einem Gasgrill.
Bildrechte: picture alliance / M.i.S. | Bernd Feil
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Trotz Grillsaison und Fußballfeiern – Schweinepreise im Keller

Trotz Grillsaison und Fußballfeiern – Schweinepreise im Keller

Im Garten oder auf der Terrasse grillen mit Freunden – eigentlich ist dafür Hochsaison. Das befördert auch den Absatz von Schweinefleisch. Doch dieses Jahr sind die Preise im Keller, Schweinemäster in Bayern kämpfen um ihre Existenz.

Über dieses Thema berichtet: radioWelt am .

Heute beginnt der Deutsche Bauerntag 2026 in Freiburg. Ein Thema, das die Bauernvertreter sicherlich stark beschäftigen dürfte: der Schweinemarkt. Der Schlachtpreis pro Kilo Schweinefleisch lag im letzten Jahr – Anfang, Mitte Juni – bei etwa 2,17 Euro, dieses Jahr sind es zwischen 1,50 und 1,55 Euro.

Die niedrigen Schweinefleisch-Preise bedeuten, dass Schweinemäster derzeit bei jedem Tier, das sie verkaufen, Verlust machen. Jürgen Dierauff hält im mittelfränkischen Markt Nordheim rund 2.000 Schweine und sagt, dass ihm die aktuellen abstürzenden Schweinepreise natürlich "finanziell sehr weh tun. Ich kann das auch sehr schwer nachvollziehen, denn trotz Grillsaison und WM zahlen die Schlachter weniger aus. Da braucht man aktuell schon gute Nerven."

Hochsaison für den Absatz von Schweinefleisch

Die Marktbeobachter beim Bayerischen Bauernverband und beim staatlichen Thuenen-Institut für Landwirtschaft sind sich einig. Wenn Schweine zur Hochsaison so billig sind, hat das vor allem mit dem Marktumfeld zu tun. Schließlich ist jetzt die Jahreszeit für Würstel vom Grill und Schnitzel, Schweinshaxn und Spare-Ribs.

In den letzten Jahren war der Verbrauch von Schweinefleisch in Deutschland zurückgegangen und damit die Anzahl der Schlachtungen von 59 Millionen 2016 auf zuletzt etwa 45 Millionen. Der Großteil des Schweinebestands wird in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen gehalten, wo die Betriebe meist größer sind als in Bayern.

Europäischer Markt und Export in Drittländer schwierig

Schweinegrippefälle haben dafür gesorgt, dass asiatische Länder, allen voran China, ihre Märkte für europäisches Schweinefleisch geschlossen haben. Auf der anderen Seite hat Spanien Bestände sehr aufgestockt in den letzten Jahren und Deutschland als führenden Produzenten in der EU überholt.

Das viele Schweinefleisch aus Spanien drücke deshalb auf den europäischen Markt. Seit dem Auftritt der Schweinegrippe könnten die Produzenten nicht mehr so leicht nach China liefern, sagt Franz Langgartner, der im Bayerischen Bauernverband für Marktberichte zuständig ist. Das Fleisch müsse stattdessen im EU-Binnenmarkt abgesetzt werden.

Erste Erfolge in Asien durch Verhandlungen

In der vergangenen Woche war Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in China. Sein Ziel: Deutschland soll wieder Schweinefleisch nach China liefern können. Mit den Philippinen ist ihm bereits eine Vereinbarung gelungen. Für China gibt es jetzt immerhin einen Fahrplan.

Von den rund 40.000 Schweinen, die in Bayern pro Woche geschlachtet werden, wird das meiste Fleisch aber in Bayern verkauft. Die Hauptexportländer für bayerisches Schweinefleisch sind Italien und Österreich. Josef Efken vom Thuenen-Institut, dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut des Bundes, sieht gerade hier auch Chancen für die bayerische Landwirtschaft, die gerade deswegen bei den Schweinen weniger stark auf den Export nach China angewiesen sei als die Großbetriebe in Norddeutschland.

Vor allem der Handel setze auf Regionalität als Verkaufsargument. Wenn etwa ein Schlachthof in der Nähe beliefert werden könne, oder gute Absatzmöglichkeiten über örtliche Metzger bestehen, dann könne auch ein Betrieb mit 300 Schweinen erfolgreich sein. Er brauche nicht zwingend 3.000, so Josef Efken.

Insgesamt wenig Optimismus bei den Marktexperten

Auch nach einer Öffnung des chinesischen Markts werde nicht mehr so viel Schweinefleisch wie früher dorthin exportiert werden können. Denn China hat den Schweinebestand massiv erhöht. Für Deutschland und für Bayern heißt das laut Josef Efken, der Strukturwandel zu größeren, wirtschaftlich effizienteren Betrieben setzt sich fort. Bestehende Lieferbeziehungen und gute Betriebswirtschaft seien entscheidend für das Überleben der Höfe.

Bauernverband appelliert an Großküchen und Handel

Der Bayerische Bauernverband (BBV) appelliert an den Gastroverband DEHOGA und die Handelskonzerne, die Situation nicht auszunutzen, um ihre Spanne zu erhöhen. Denn er habe noch nicht gesehen, dass Leberkäse oder Bratwürste billiger geworden seien in letzter Zeit, sagt BBV-Präsident Günther Felßner.

Hier sei Solidarität in der Wertschöpfungskette gefragt. Verbrauchern empfiehlt Felßner das "GQ Bayern" Siegel.  GQ Bayern sei der Wegweiser für Regionalität. Oder Verbraucher könnten auf das bayerische Bio-Siegel achten: "Das ist nicht nur irgendeine Qualität, sondern die kommt auch aus Bayern. Damit hilft man auch den heimischen Landwirten", so Felßner.

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