Mitte Dezember, ein Sonntagmittag: Ein 29-Jähriger kommt bei Waldsassen über die Grenze aus Tschechien. Bundespolizisten finden im Stauraum seines Fahrzeuges unter der Beifahrersitzbank zwei Kugelbomben und rund 600 Böller. Insgesamt neun Kilo Sprengstoff. An diesem Wochenende beschlagnahmen die Beamten bei zehn weiteren Fahrzeugkontrollen insgesamt weitere neun Kilo Pyrotechnik. Eine Erlaubnis, mit den Böllern umzugehen, hatte keiner der Reisenden.
Einfuhr und Handhabung ist Straftat
Die Einfuhr und Handhabung ohne die entsprechenden Genehmigungen ist kein Kavaliersdelikt, es ist eine Straftat. Ein Vergehen nach dem Sprengstoffgesetz. Direkt hinter Waldsassen, gleich nach der Grenze bei Eger, befindet sich der Dragon-Bazar – einer der größten sogenannten Asiamärkte Europas. Das ist der Grund, warum im Grenzabschnitt zwischen Waldsassen und Waidhaus jedes Jahr die meisten illegalen Böller über die bayerisch-tschechische Grenze gebracht werden.
Verkaufsverbot für Pyrotechnik an Marktständen
Feuerwerk der Kategorie 3 und 4 darf seit Anfang Dezember gar nicht mehr verkauft werden an Markt- oder mobilen Ständen, so hat es Tschechien festgelegt. Nur noch Pyrotechnik der Kategorie 1 soll erhältlich sein, also Wunderkerzen oder Knallerbsen.
In Deutschland verkaufte Böller tragen Schwarzpulver in sich. Außen haben die Böller ein Zeichen der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), sind also kontrolliert. Pyrotechnik aus Tschechien ist das nicht. Oft tragen sie gefälschte Zeichen, oder gar keine Prüfsiegel. In ihnen steckt ein sogenannter Blitzknallsatz. Eine unkontrollierte chemische Mischung aus Industriesprengstoff, die hundert- bis tausendfach schneller und intensiver detoniert, sagt ein Sprecher der Bundespolizei in Waidhaus. Zudem reagiert dieser Blitzknallsatz sensibler auf Reibung und Erschütterung, also schon der Transport kann zum Höllenritt werden.
Jahr 2025: 850 Kilo Böller beschlagnahmt
In diesem Jahr hat die Bundespolizei im Grenzabschnitt zwischen Waldsassen und Waidhaus bereits 850 Kilo verbotener und erlaubnispflichtiger Böller beschlagnahmt. Dabei ist erst in diesen Tagen Hochsaison. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 1,2 Tonnen dieser heißen Ware. Neben einer Anzeige kommen auf die Einführenden auch hohe Kosten zu: Gegebenenfalls eine Strafe von einem Gericht, Verfahrenskosten und auch die Lagerung und Vernichtung der Böller müssen bezahlt werden.
- Zum Artikel der Mittelbayerischen Zeitung: Silvesterparty in Mietwohnung - Wie viel Lärm ist erlaubt? [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
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