Deutschland und die übrigen sieben betroffenen europäischen Länder haben die Drohung von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt entschieden zurückgewiesen. Sie kritisierten die angekündigten Strafzölle scharf – und warnten vor einer Eskalation.
Europäer bereit für "Dialog"
"Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Zolldrohungen würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und das Risiko einer Eskalation bergen.
"Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands", betonen die acht europäischen Länder. Sie seien bereit, in einen Dialog einzutreten, "auf Grundlage der Prinzipien der Souveränität und territorialen Integrität".
Als Nato-Verbündete seien sie "der Stärkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet". Dies sei gemeinsames transatlantisches Interesse. Die von Dänemark koordinierte Erkundungsmission in Grönland, an der sich auch die Bundeswehr beteiligte, stelle "für niemanden eine Bedrohung dar".
Klingbeil: "Dürfen uns nicht erpressen lassen"
Der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte: "Wir dürfen uns nicht erpressen lassen von dem, was da gerade passiert." Den Weg, den Trump einschlage, könne man nicht mitgehen. Zwar werde die Hand in Richtung USA immer ausgestreckt bleiben, man wolle eine gemeinsame Lösung finden, so Klingbeil. Aber: "Wir lassen uns nicht provozieren. Nicht mit Zöllen, nicht mit Worten." Er und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seien sich in dieser Frage sehr einig.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte im ARD-"Bericht aus Berlin", die Sonderzölle wären "Gift für das transatlantische Verhältnis". Sollten sie kommen, "dann wird es eine europäische Antwort geben müssen". Nun werde es intensive Gespräche mit Washington geben.
Macron fordert "Bazooka des Handels"
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte angesichts der Zolldrohungen die Aktivierung eines wirkmächtigen EU-Notfallinstruments ins Spiel. Wie aus Macrons Umfeld heute verlautete, will der französische Präsident die EU auffordern, erstmals das "Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen" in Kraft zu setzen. Die als "Bazooka des Handels" bezeichnete Verordnung ermöglicht der EU die Begrenzung von Warenimporten und Dienstleistungen.
Im Video: Klingbeil will sich nicht "erpressen lassen"
Vizekanzler Lars Klingbeil
Druck auf Dänemark wächst
Trump hatte gestern angekündigt: Solange die USA die zu Dänemark gehörende Insel nicht kaufen könnten, sollten Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland ab dem 1. Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf alle Einfuhren in die USA zahlen.
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen kritisierte Trump am Sonntag scharf. "Wir sind nicht diejenigen, die den Konflikt suchen." Sie freue sich über die gleichlautenden Signale aus anderen europäischen Ländern. "Europa lässt sich nicht erpressen", betonte auch sie.
Während der Druck aus den USA wächst, sucht Außenminister Lars Løkke Rasmussen den Schulterschluss mit den engsten Verbündeten. Nach einem Besuch in Oslo reist er nach London und Stockholm. Rasmussen war erst vor einigen Tagen in Washington. Ein Gespräch mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio hatte jedoch keine Einigung gebracht.
Rasmussen: "Frage der Weltordnung"
Trump begründet sein Ziel, Grönland den USA einzuverleiben, vor allem mit dem Argument, Dänemark könne das strategisch wichtige Territorium in der Arktis nicht ausreichend gegen russische oder chinesische Bedrohungen verteidigen. Dabei schloss der US-Präsident militärische Gewalt nicht aus.
Kopenhagen und seine europäischen Verbündeten argumentieren hingegen, die Sicherheit in der Arktis sei eine gemeinschaftliche Aufgabe der Nato. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark. Der dänische Außenminister betonte, es handle sich nicht nur um eine Angelegenheit zwischen Dänemark und den USA, sondern um die "Frage der Weltordnung und die Zukunft des Nato-Bündnisses".
Mit Material von dpa und AFP
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