Pressekonferenz mit Vertretern der TU München
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(Symbolbild) TU-Präsident Thomas Hofmann (re.) bei der Vorstellung der Studie
Bildrechte: Astrid Eckert/TUM
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Umstrittene E-Auto-Studie: Will TU München Politik machen?

Umstrittene E-Auto-Studie: Will TU München Politik machen?

Die Studie der TU München zum Klimaschutz bei Autos hat politisch für viel Aufsehen gesorgt. Und sie hat auch bei den BR24-Usern viele Fragen ausgelöst. Wer hat die Studie bezahlt? Gibt es Interessenskonflikte? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

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Die bisherige EU-Klimapolitik sei weder nachhaltig noch effizient – so lautet kurz gesagt die These der Forscher der TU München (TUM). Es sei nicht ausreichend, die Klimawirkung von Autos allein an den Emissionen beim Fahren zu messen. Stattdessen schlagen sie vor, die CO₂-Emissionen über den ganzen Lebenszyklus von Autos in den Blick zu nehmen, also von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion bis hin zum Recycling.

Starke Polarisierung – auch in den Kommentaren

In der BR24-Community gehen die Einschätzungen dazu völlig auseinander. Nutzer "chris60" kommentiert: "Endlich! Diese Fixierung auf den 'Auspuff' war immer schon falsch und führte zu Fehlsteuerung und falschen politischen Entscheidungen. (...)" Dagegen schreibt "Ritzelsberger": "(...) Nichts daran ist neu (...) Das Ganze klingt für mich weniger nach Wissenschaft als nach Populismus."

Einige kritische Fragen beziehen sich darauf, dass die TUM-Studie schnell von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aufgegriffen wurde, der sagte: "Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft." Einige wie BR24-User "InIn" sehen eine "Fehlinterpretation der Studie durch Politiker". "wolferl24" dagegen vermutet: "Die TUM vertritt grundsätzlich CSU Positionen, sonst wird wahrscheinlich Geld gestrichen."

Ein Beitrag zur politischen Diskussion

Unbestritten ist: Die TU München gehört zu den renommiertesten Universitäten Europas. Manche wundern sich aber, wie die Studie zustande gekommen ist. Die Antwort: Der Präsident der Universität, Thomas Hofmann, hat sie Anfang des Jahres in Auftrag gegeben - nicht der erste Auftrag, wie die TUM betont. Hofmann macht kein Geheimnis daraus, dass er mit der Studie einen Beitrag zur politischen Diskussion leisten wollte. Zuvor hatte die EU-Kommission Veränderungen bei der Regulierung des Autosektors angekündigt, die nun im Herbst in Brüssel beraten werden. Hofmann sagt, die Wissenschaft solle zwar nicht Politik machen, aber der Politik gute Grundlagen liefern.

Die TUM verweist darauf, dass sie sich im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie darauf verpflichtet habe, "Innovationen an der Schnittstelle von Technologie, Ökonomie, Politik, Gesellschaft und Ökologie zu erforschen und zu technologisch komplexen Fragestellungen Position zu beziehen, die für die industrielle Zukunft Europas von existenzieller Bedeutung sind."

Wer hat die Studie finanziert?

Nutzer "sandler" und andere fragen in dem Zusammenhang nach der Finanzierung. Das hat einer der Autoren, Tim Büthe, in BR24 so beantwortet: "Die Studie wurde vollständig aus Mitteln der Universität bezahlt." Sprich: Sie wurde von den Professoren und ihren Teams erarbeitet.

Wer war beteiligt – und wer nicht?

Hinterfragt wird von einigen Usern wie HabdamalneFrage, dass Verkehrsexperten wie Markus Lienkamp (Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik) nicht beteiligt waren. Diese Frage wurde dem TU-Präsidenten auch auf LinkedIn gestellt. Dazu schreibt die TUM: "TUM-Professoren mit ausgewiesener Automobilexpertise wurden für die Erstellung der Studie aus dem Grund nicht herangezogen, um jeglichen äußeren Verdacht einer möglichen Einflussnahme durch Experten mit Automobilindustrie-Hintergrund von vornherein auszuschließen." Lienkamp selbst betont im Interview mit BR24, dass die Untersuchung "durchaus seriös" sei; er halte jedoch die Zusammenfassung für "ein bisschen einseitig".

Die Unabhängigkeit seiner Kollegen will Lienkamp auch nicht in Zweifel ziehen. Die Autoren stammen aus den Bereichen Materialwissenschaft, Kreislaufwirtschaft und Internationale Beziehungen. In einer expliziten Offenlegung am Ende des Dokuments betonen sie, dass alle Ideen, analytischen Entscheidungen sowie die gezogenen Schlussfolgerungen vollständig ihre eigenen sind. Hintergrund sind Anfragen zu ihrer Unabhängigkeit.

Frage nach politischer oder wirtschaftlicher Einflussnahme

Apropos Unabhängigkeit: Die TUM weist alle Mutmaßungen zurück, es habe Einflussnahme im Zusammenhang mit der Erstellung der Studie gegeben: "Weder gab es dazu einen Austausch mit wirtschaftlichen Akteuren, der bayerischen, der Bundes- oder EU-Politik, noch irgendeine Art der Beauftragung oder Beeinflussung durch Dritte."

Es ist zwar auffallend, dass die Studie in einem zentralen Punkt ähnlich argumentiert wie der Autobauer BMW, mit dem die Universität an verschiedenen Stellen Beziehungen unterhält. Auch BMW beklagt die einseitige Orientierung der EU-Regulierung auf den Auspuff und plädiert für eine Lebenszyklusbetrachtung. Allerdings fällt zugleich auf, dass die Autoren der TUM in anderen Punkten klar auf Distanz zu einer von BMW in Auftrag gegebenen Studie gehen, in der es um die Verfügbarkeit von E-Fuels und Biomasse ging.

Fazit: Die teilweise Reduzierung der Studie auf die Frage "E-Autos oder Verbrenner?" hat zu einer starken Polarisierung geführt und zu Mutmaßungen über externe Einflussnahme. Dafür gibt es jedoch aktuell keine Belege. Das Verfahren der Auftragsvergabe durch den TU-Präsidenten ist eher ungewöhnlich, wurde aber offen kommuniziert.

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